Grüne Tulpe - Hertie School of Governance: 1:1

Die Internationale Gemeinschaft verteidigt auf Tenne I

Während die Demokratie bekanntlich am Hindukusch von der Internationalen Gemeinschaft verteidigt wird, verteidigte sie am Montagabend nur das eigene Tor am Poststadion. Die Hertie School war zu Besuch und lieferte einen schier unermüdlichen Kampf.

Während sich die Grünen in den letzten Jahren den Experten der Internationalen Politik immer deutlich überlegen, ja quasi als eine Hegemonialmacht gegenüber gezeigt hatten, boten die Multilateralen dieses mal alle ihre Kräfte auf, kämpften um jeden Ball und machten spielerische Unterlegenheit durch Laufstärke und individuelle Klasse wett.

Dennoch bekam die Tulpe das Spiel nach der Anfangsphase zunehmend in den Griff. Erste Chancen nach Ecken durch wuchtige Kopfbälle von André Bornstein landeten aber immer wieder in den Armen des Keepers oder wurden auf der Linie geklärt. Bornstein war so heiß auf den Ball, dass er nach einer verpassten Ecke den Schuss aufs Tor des eigenen Mitspielers blockte.

Allmählich lösten sich die Internationalen aber mehr und mehr aus der Umklammerung und eröffneten ihrerseits die Offensive. Dank ihrer Schnelligkeit gelang es ihnen auch ein ums andere mal Überzahlsituationen herzustellen. Ein abgelaufener Rückpass wurde so zur größten Gefahr für das Grüne Gehäuse, doch konnte die Grüne Schnelle Eingreiftruppe mit vereinten Kräften den Schuss und auch den Nachschuss noch abblocken, so dass Keeper Meuschke noch immer weitgehend beschäftigungslos blieb.

Aber gerade die Verlagerung der Haupt-Konfliktlinie in Richtung Tulpen-Hälfte schuf auch neue Räume, die der Mittelfeldstratege Tresfore Dambe blitzgescheit erkannte und einen Konter abschloss, indem er noch den gegnerischen Libero ins Leere laufen ließ und nun frei vor dem Torwart strategisch eher ungeschickt neben das Tor schob.

In der Halbzeitpause gab Coach Wienges den Klinsmann und forderte lauthals dem Ball entgegen zu gehen, den Gegenspieler klarer zu markieren und insgesamt mehr Laufarbeit ohne Ball.

Barcelona! How can I forget...

Die taktischen Anweisungen zeigten Wirkung. Die Grünen dominierten das Spiel nun wieder mehr und erspielten sich zunehmend Großchancen. Die meisten entstanden aus Standards, deren Kopfball-Verwertungen durch Bornstein aber immer wieder geklärt werden konnten.

Und dann überschlagen sich die Ereignisse: Elfmeter, Markus Kurdziel nimmt sich das Spielgerät, macht seinem Namen alle Ehre und zielt genau unter die Latte, aber der Ball springt zurück vor die Linie und wieder ist es Bornstein, der den Ball als erster mit dem Kopf erreicht und genau den Torwart trifft.

Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Hertiener (grammatikalisch analog abgeleitet zu Herthaner) längst etwas Zählbares verdient. Ein zurückgelegter Ball wird von Zbigniew Brzesinski frei vor dem Tulpen-Tor aus vollem Lauf versenst.

Doch immer wilder anrennen tun....die Tulpen. Ein schöner Spielzug führt zum Laufduell des Abends. Bornstein erreicht den Ball den Bruchteil einer Sekunde vor dem School-Libero (grammatikalisch analog abgeleitet von 'Pool), dessen Grätsche in vollem Tempo Bornstein eine unsanfte Landung auf der linken Gesichtshälfte auf dem Kunstrasen beschert. Wieder Elfmeter, und dieses mal entscheidet der noch halb ohnmächtige Bornstein: "Den schieß ich!" Und wie: flach, schwach, in die Mitte. Aber der sonst tadellose Torwart tut ihm den Gefallen und taucht ab und das dauert bei 2 Metern Körperlänge zu lange: 1:0.

Nun nimmt das Spiel seinen Lauf. Die Grünen drücken weiter. Die nächste Ecke, der zweite Ball wird verloren und schon rollt der Konter und den spielen die Internationalen perfekt zu Ende. Brzesinski passt auf Henry Kissinger, der lässt noch Libero Dambe aussteigen und schiebt ein zum 1:1.

Nun ist es ein offener Schlagabtausch. Linksverteidiger Jochen Hake schaltet sich in den Angriff mit ein, bekommt von Jörn den Ball perfekt zurückgelegt und hat weder Mut noch Kraft und schiebt den Ball ins Aus.

Ihrerseits kommen die Außenpolitiker über Außen, doch zu viele Flanken landen hinter dem Tor. Ein abgefangener Gegenangriff wird von Wienges direkt in die rechte Spitze gepasst. Jörn zieht ab, doch Keeper Norman Schwartzkopf kann den Ball an die Latte und über das Tor lenken.

Auf der anderen Seite kommt ein Querpass bei Brzesinski an, der zieht von außerhalb der Box ab und verfehlt das Tor um einen halben Meter. Den nächsten Freistoß von der Strafraumgrenze zirkelt Dambe ins rechte obere Eck, wo der Keeper ihn herausfischt. Aber es reicht nicht mehr für ein weiteres Tor. Nach einem letzten Angriff der Hertiener Internationalen ertönt der Abpfiff.

Fazit: Eines der besseren Spiele konnte der neutrale Beobachter an diesem Abend im Poststadion bestaunen. Die Hertie School zeigte sich im Vergleich zu den letzten Aufeinandertreffen nicht nur stark verbessert, sondern hat sich das Unentschieden auch verdient erkämpft. Die Grüne Mannschaft offenbarte zwar wieder ein paar Schwächen im Abschluß, doch insgesamt zeigte sie dem Gegner über die gesamte Strecke klar auf, wie auf internationalen Parkett gespielt werden muss.