Grüne Tulpe - Lotto: 5:5

 

Heldenepos in vier Akten

Vorspiel: Gruppenbild mit Dame

Ein Foto von der Mannschaft wollen die "Elf Freunde" an diesem Montagabend für die Oktober-Ausgabe. Das stellt die Tulpen vor das erste Problem: Extreme Personalnot zwingt sie dazu, zwei Verletzte zumindest zum Fototermin zu mobilisieren. Daniel Holstein kommt mit seiner drei Monate alten Tochter Jona, was aber für die Tulpen der Neuzeit höchst repräsentativ ist. Der elfte Freund erreicht den Ort des Geschehens endlich eine halbe Stunde später, so dass dann das Bild, das Heinrich Böll, Namenspatron der Grünen Stiftung, schon vor Jahrzehnten ankündigte, entsteht.

Doch die Tulpen wären nicht die Tulpen, wenn sie nun elf uniformierte Trikotträger zusammenbekommen hätten. Elf sind sie nur dank der kleinen Jona. Da sind die Tulpen eben ganz grün: Nur mit weiblicher Unterstützung vollzählig.

Dass ihnen der elfte Spieler abhanden gekommen ist, fällt ihnen erst kurz nach Anpfiff auf.

Erster Akt: Schürzung des Knotens

Die Bühne ist leer. Naja, nicht leer, aber mit acht Tulpen doch deutlich unterbesetzt. Der Gegner Lotto stellt großzügiger Weise einen Spieler ab: Fred Freiherr von Attinghausen, Linksverteidiger, der mit tadellosem Stellungsspiel, aufmerksamer Abseitsfalle und der Erfahrung von 70 Jahren eine echte Unterstützung in der Not war. Nach dem Spiel soll er sich bedanken für ein ordentliches Spiel, das Spaß gemacht hat. Die Grünen sind schon längst nicht nur für die neuen, sondern auch für die älteren Generationen interessant.

Seltsam leer mutet der Platz an, was den Tulpen aber auch Räume eröffnet, den Asgar Ergin elegant zu nutzen weiß, um seine Stürmer Kristoffer Born und Marius Knaak immer wieder einzusetzen, die ein ums andere mal ihre Schnelligkeit ausnutzen und die Unterzahl dem Publikum vergessen machen. Zu neunt erwehren sich die Tulpen der Lotto-Angriffswellen. Doch wie der Zufall es so will, kommt dann der Ball doch noch einmal zu einem der Stürmer. Der schießt vom Ufer des Strafraumes, und gar nicht heldenwürdig lässt Libero Wienges die gebotene Entschlossenheit vermissen. Der Ball streicht unter seinem Beine auf rutsch'gem Grund ins lange Eck. 1:0

Doch unsere Helden finden langsam in das Spiel, noch immer auf der Suche nach dem hehren Dietrich, dem Zehnten im Bunde.

Ein Ball findet Marius Knaak, welcher mit kraftvollem Schusse, das Leder sanft aus 30 Metern Ferne in die Maschen haut. Zu neunt das 1:1. Nun ist der Kampfesmut erwacht.

Doch, ach, schon bald darauf rutscht ein Ball durch Bein und Fuß, verspringt vom eignen Manne und wieder ist Libero Wienges nicht voll der Tatenkraft, um sich noch in den Schuss zu werfen. So kommt erneut Fortuna den Glücksspielern zur Seite geeilt, die frei vor dem Tor das 2:1 erzielen.

Doch nun endlich naht Dietrich, befreit aus seinem tyrannischen Verlies, dem Klo in der Kabine, wo ihn (Der Letzte Schließt ab) die eigenen Mannen wohl ungewollt gefangen hielten. Der Warnruf schallt durch die Reihen der Gegner: "Es sind derer nun Zehne!"

Doch kaum verhallt, setzt der wachere Kapitano Born aus stolzer Distanz zum Blattschuss an und erzielt über den Recken im Tor hinweg das 2:2.

Zweiter Akt: Anscheinende Auflösung des Knotens

Stolz und Mut – das sind die Eigenschaften, aus denen Helden gemacht sind. Und so eilen die Tulpen in die zweite Halbzeit. Ihre Unterlegenheit in Zahlen ist nicht zu sehen. Sie drängen nach vorne und treffen schon zum zweiten Male das Gestänge. Vom Aluminium springt der Ball zurück und auf den Weg hinüber zum Angreifer, der mit einem einz'gen Haken vor der Abwehr die Lücke in den Reihen der tapferen Tulpen erspäht und sich seinen Raum im Mittelfeld mit einem gar straffen Schusse zum 3:2 zu Nutze macht.

Mehr scheint möglich für unsere Helden. Doch, ach, ein langer Pass, ein schneller Stürmer und ein eleganter Lupfer über den ihm entgegenstürzenden Hüter des Tores. Und schon ist das Spiel entschieden. 4:2. Das können unsere wackeren Helden nicht mehr aufholen. Es kommt, wie es kommen muss. Die Überzahl ist doch zu mächtig.

Dritter Akt: Rettung der Helden

Edelmut auch im Angesicht der nicht zu verhindernden Katastrophe – das zeichnet Helden aus. Und so spielen sie denn weiterhin fairen und schönen Fußball. Die gegenüber fahren ihnen ein ums andere mal auf nassen Grund wohl ohne Absicht in die Parade.

Eine Ecke kommt herein, abgewehrt, von der Seite müsste Asgar Ergin flanken, flankt… Ein Schubser, ein Schrei, ein Pfiff. Elfmeter. Ergin nimmt die Bürde auf sich: die Angst des Schützen beim Elfmeter. Er verwandelt souverän, flach, trocken rechts unten zum 3:4

Und weiter, immer weiter laufen die Helden, soweit ihre Beine sie tragen gegen die zahlenmäßige Übermacht der Lottonen. Einmal ist der Torwart schon ausgespielt, weit aus seinem Tor geeilt. Kristoffer Born schießt, doch einer der vielen wirft sich in letzter Sekunde in den Schuss. Marek Dutschke flankt, passgenau auf den Zehnten. Dietrich steigt hoch, frei vor dem verwaisten Tore, köpft, doch bringt das Leder nicht unter die Latte.

Doch endlich spielen die Tulpen alle Gegner aus, Marius Knaak setzt sich gegen ein Foul im Strafraum durch, spielt ab zum Nebenmann Ergin. Der lässt noch einen Verteidiger ins Leere laufen und schiebt ein zum 4:4.

Und es soll noch besser kommen. Fünf Minuten vor dem Ende ein Freistoß vor dem Strafraum, nach einer unredlich zunichte gemachten Chance. Born legt sich das Leder zurecht, zwei Schritte reichen und er schlenzt das Leder...und es ist, als sei das Tor um den Ball herum gebaut, so schön schlägt er zum 5:4 im Winkel ein.

Die Helden scheinen gerettet aus schier unrettbarer Not.

Vierter Akt: Katastrophe

Noch einmal eilt der hühnenhafte Lotto-Libero mit blutiger Nase noch nach vorne, kaum führt er den Ball, so rollt und hoppelt er munter vor ihm dahin. Doch auch keine Tulpe wirft sich ihm in seine grausliche Bahn. Da springt er wieder durch die Tulpen-Beine und keiner ist der Entschlusskraft hehr genug. So schiebt er denn wieder einmal frei vor Tor und Hüter zum 5:5 Endstand ein.

Die Moral von der Geschicht: Das Dumme an tragischen Helden ist eben immer, dass sie eben tragischer Weise immer ein wenig dumm sind und sich am Ende alles selbst vermasseln.