Grüne Tulpe - Postbank Berlin: 3:2

Die Postbank – keine Bank

Die Postbank schneidet in Tests und Rankings meist hervorragend ab. Und die Grünen haben ihrerseits als erste Partei begriffen, dass der Finanzmarkt einen sehr effektiven Hebel für eine nachhaltige Entwicklung darstellt, was sie erst vor anderthalb Wochen auf ihrer Finanzmarktkonferenz in Frankfurt unter Beweis stellten. Denn institutionelle Investoren mit längeren Anlagehorizonten haben durchaus ein genuines ökonomisches Eigeninteresse, auch ökologische und soziale Folgen von Investitionen zu berücksichtigen, da diese langfristig durchaus auch ökonomische Auswirkungen zeigen können.

Insofern hätte man an diesem Montagabend ein Aufeinandertreffen der Avant Garde aus Politik und Wirtschaft auf dem Fußballplatz erwarten können. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – und Denken war an diesem Abend eindeutig nicht die Stärke einiger Protagonisten.

Es begann, wie alle es erwartet hätten: Die Finanzwelt nutzte ihre Überlegenheit an physischer Ressource und kam schon mit der ersten Chance des Spiels aus sehr abseitsverdächtiger Position zum 1:0.

Doch die Politik ließ sich von der Macht der großen Lobby nicht einschüchtern und begann nun immer konstruktiver zusammen zu spielen. Und die Lobby, was ursprünglich die Wandelhalle im Parlament bezeichnete, bot nie geahnte oder zu erhoffende Räume. So kam die Tulpe allmählich dem Tor der Banker gefährlich näher. Und schon diese Entwicklung war ein Orakel des absurden Fußballspiels, das in der Folge entstehen sollte. Das vermeintlich schwächere Team war im Rückstand und spielte zunehmend stärker, während die führende und vermeintlich stärkere Mannschaft sich zunehmend mit Wortgefechten in den eigenen Reihen und mit dem Schiedsrichter selbst zerfleischte und schließlich völlig aus dem Konzept brachte.

Einfallslos wurde in die immer gleichen Assets der Postbank investiert und die kopfballstarken Stürmer in der Spitze mit langen Bällen gesucht. Doch lange Bälle stellen sich als wenig langfristig nachhaltig heraus, da sie meist sehr kurzfristig zurückkommen. Denn Hartwig Mayer sprang nahezu jedes Mal höher und war immer schneller. Kontrolliert leitete er die Tulpen-Angriffe ein und fand mit zunehmender Spieldauer Kraft und Räume für eigene Angriffe.

Der Ausgleich fiel dann aber wenn auch nicht unverdient, doch überraschend und kurios. Neuzugang Florian Voß nimmt einen Einwurf im Mittelfeld in vollem Lauf mit und schießt aus gut 25 Metern einen perfekten Top Spin Lob, wie ihn selbst Boris Becker in seinen besten Zeiten und auf Rasen nicht besser hätte spielen können, über den Torwart ins Netz. Selbigen Torwart frustrierte dieses Gegentor derart, dass er sich für den Rest des Spiels nur noch äußerst widerwillig daran beteiligte.

Der Frust der selbsternannten Ballkünstler von der Bank hinter den McPaper-Supersonderangeboten in der Postfiliale gleich um die Ecke wuchs angesichts der immer größeren Lücke zwischen Selbstbild und schnöder Wirklichkeit auf dem Platz. Und damit auch die Lautstärke der Beschwerden über Ball, Platz, Schiedsrichter, Windverhältnisse, Gegner und die Schlechtigkeit der Welt überhaupt. Anders wäre auch kaum zu erklären, dass die eindeutig überlegene und der verdientermaßen der Sieg gebührenden Mannschaft, quasi dem Hoeneß-FC Bayern unter den Banken, ein Befreiungsschlag von Tulpe-Innenverteidiger Wienges durchrutscht und Stürmer Manu Sharma den Ball am noch immer weitgehend unbeteiligt wirkenden Kassenhüter vorbei ins Tor zum 2:1 schießt.

Erst kurz vor der Pause greift der Schiedsrichter noch einmal ein und überlegt sich, nachdem der Ball schon geklärt ist, dass er einen Elfmeter gesehen hätte. Nun verlieren auch einige einschlägige Tulpen den Kopf und möchten eine große Anfrage an den Schiedsrichter stellen. Der ist auf dem Platz aber die Regierung und antwortet ungefähr so überzeugend wie die Koalition. Der Strafstoß bringt das absurde wie schmeichelhafte 2:2 für die Konventionalbanker. Und das eine Minute vor dem Halbzeitpfiff. Doch so wenig Innovation bedeutet Stillstand. Zwar beruhigt die Pause die Gemüter vorübergehend etwas, aber die Banker sind mit zu kleiner Bank angereist und betreiben so Raubbau an den eigenen Ressourcen in der zweiten Halbzeit.

Dennoch kommen sie zur ersten Chance nach Wiederanpfiff. Endlich findet eine lange Postwurfsendung seinen Abnehmer, der eilt alleine auf das Tor zu, doch Tulpen-Keeper Christian Meuschke  verkürzt geschickt den Winkel, um das Paket zu liefern. Der mögliche Einschuss-Schlitz wird zu eng und der Ball geht am Tor vorbei.

Schon besser macht es dagegen Torjäger Kristoffer Born kurz darauf. Eine Postwurfsendung des Torwarts aus seinem rechten Strafraum quer über das Feld in seine Füße geschleudert, schießt der aus knapp 25 Metern direkt ins Tor zurück. Der Ball springt noch einmal auf, aber der Schalterbeamte im Tor wirkt noch immer teilnahmslos und bemüht sich nicht einmal, den Ball noch zu erreichen: 3:2.

Danach haben die Tulpen spielerische Vorteile, die privatisierten Ex-Beamtenmannschaft verbale Vorteile – und noch immer hat sich alles gegen sie verschworen. So schlimm trifft es sonst nur die Italiener. Aber endlich trägt diese absurde Strategie der geistigen Selbstverstümmelung Früchte. Asgar Ergin lässt sich zu einer Reaktion provozieren, nach der ihm seine Mitspieler raten, sich ein wenig zu erholen. Die Provokanten ihrerseits halten eine Ruhepause nicht für angebracht und bleiben auf dem Feld, wie hätten sie auch wechseln sollen, die Bank war eindeutig nicht die Stärke der Postbank.

Noch einmal erreicht der Postillion im Sturm seine Sendung und stürmt allein auf das Tulpe-Tor zu, wird von den nahenden Verteidigern zum Schuss gezwungen, den Keeper Meuschke mit einem kurzen Zucken seines Armes -wie weiland Edwin van der Saar im Spiel gegen Russland- glänzend abwehrt. Dann spielen die Finanzer, die mehr reden als die Parlamentäre, noch einige Bälle unbedrängt ins Aus, und schließlich hat auch der Schiedsrichter ein Einsehen und läutet die Schlussglocke.

Fazit:  Was Gorbatschow als allgemeines historisches Gesetz formulierte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Das gilt auch auf den Finanzmärkten und Fußballplätzen: Wer nicht nachhaltig investiert, die Realität als solche nicht aktzeptiert und einseitig spielt, hat am Ende die kleinere Rendite. Oder sogar gar keine.