Grüne Tulpe - Revolver FC: 1:4

 

R – E – S – P – E – C – T

"Find out what it means to me!" sang Aretha Franklin, und das taten die Grünen, die von ihrem Anbeginn an der Achtung vor dem anderen Geschlecht, der Natur und dem Menschen größte Bedeutung beimaßen. Und nur wer solchen Respekt vor dem Anderen hat, kann auch dessen Fähigkeiten und Wert für das Eigene erkennen. Das gilt auch und ganz besonders im Fußball.

Bei beißender Kälte und einem merkwürdig haltlosen Untergrund entwickelte sich ein eher unterdurchschnittliches Spiel. Viele Stockfehler, Pressschläge und gestreckte Beine. Die Tulpen konnten ihr Offensivspiel kaum aufbauen, die Pistoleros verließen sich meist auf ihre Helden und brachten wenige Pässe an den Mann. So blieb trotz klarer Feldüberlegenheit der "NRA-Lobbyisten" (NRA steht natürlich für Natur-RAsen) der Spielstand bei 0:0.

Erste Chancen wurden kläglich vergeben – hüben wie drüben. So wäre es überraschend aber nicht unmöglich gewesen, wenn die Grünen durch Kristoffer Born nach einem langen Einwurf von Teamchef Sebastian Wienges in den Lauf in Führung gegangen wären. Doch allein vor dem Torwart gab er den Ball in die Mitte, statt aus spitzem Winkel zu schießen. Vielleicht hatte ihn ein kleiner Britvec-Elf in letzter Sekunde ins Gewissen eingeflüstert doch noch den uneigennützigen Rückpass zu spielen. So wurde eine gute grüne Torchance vergeben und dass sollte sich sofort rächen. 

Denn danach brachte ein Standard die 1:0 Führung für die Revolverhelden. Eine Ecke auf den zweiten Pfosten, Wienges verschätzt sich und springt unter dem Ball durch statt seinen Gegenspieler in diesem fatalen Duell eng zu markieren und der köpft den Ball per Blattschuss locker ein.

Nur wenig später läut ein schneller Konter über links, ist eigentlich schon abgefangen, doch Charlton Hestons Enkel bekommt die Kugel, lässt wiederum Wienges einmal aussteigen und schießt, bevor der ziehen kann, ansatzlos aus der Hüfte mit dem rechten Außenrist ins linke untere Eck. Keeper Hake streckt sich umsonst, und das Geschoss touchiert noch leicht das Aluminium. 2:0

In der Halbzeit stellen die Grünen nun um, ein zweiter Stürmer kommt und die Abwehr spielt nun ohne Netz und schusssichere Weste. Und auf einmal zeigt sich der alte vor Autoritäten respektlose Offensivdrang der Grünen Tulpe. Schießer ist pleite und das Magazin ist leer. Ausgerechnet der bis dato überragende Libero tritt ein Luftloch und lässt den Ball vor dem allgegenwärtigen Hartwig Mayer im eigenen Strafraum abtropfen. Mayer zieht geistesgegenwärtig ab und setzt den trockenen Schuss schneller als sein Schatten in die Maschen, ohne dass der Keeper auch nur seine Hand hätte heben können. 1:2.

Und die Grünen drängen weiter. Der Ausgleich scheint möglich. Doch das führt zu Löchern in der Deckung. Billy the Kid schwindelt einmal mehr die Tulpen-Abwehr dribbelig und steht schon allein vor Keeper Hake.

...EIN SCHUSS BEREIT

Da kommt von hinten Abwehrchef Wienges angerutscht und nach dem Gesetz der Impulserhaltung ist eine eingesprungene Grätsche – einer trägen Masse – auf glattem Boden ohne nennenswerte Reibung schneller als ein antrittsstarker Sprint. So kommt der Alte noch einmal gerade rechtzeitig, um dem Kid Ball, Beine und Balance zu nehmen und ihn samt der Chance zur Entscheidung durch die kalte Märzluft zu wirbeln.

Doch nur wenig später fliegt eine Ecke herein und über kopfballbereite Angreifer, Verteidiger und unglücklicherweise auch Torwart Hake hinweg und trifft irgendeinen Helden schon auf der Torlinie so unglücklich am Schienbein, dass das Tor unausweichlich ist. 3:1. Nun stürmen die Tulpen zwar noch weiter, doch gelingen will ihnen nichts mehr. Ein weiterer Konter, der perfekt zu Ende gespielt wird und mit einem Querpass in die Mitte seinen Abschluss findet, führt zum 4:1.

Nur übertroffen durch ein herrliches Solo von Billy the Kid über den halben Platz. Ein wahrer Messi. Und dieses mal war niemand mehr da, der ihn noch im letzten Moment umpusten konnte. Er zieht vor Keeper Hake aufs kurze Eck ab, der kann mit dem Fuß den Ball nicht mehr abwehren und so zappelt das Leder zum 5:1 im Netz.

Danach hat Hartwig Mayer nach schöner Rücklage von Manu Sharma noch die Chance zu seinem zweiten Tor allein vor dem Torwart. Doch nicht nur die Rücklage durch Manu war schön, sondern auch die von Hartwig beim Schuss, durch die der Ball über die Querlatte streicht.

Diese kuriose Chancenverwertung wurde nur von der fast schon obligatorischen Kopfballchance von André Bornstein übertroffen. Eine Born'sche Flanke wie aus dem Lehrbuch und ebenso sein Kopfballaufsetzer, der perfekt neben den Pfosten passt, nur leider auf der Seite, wo das Tor nicht ist.

Fazit:

Auch ohne dass eine der beiden Mannschaften zu wirklicher spielerischer Größe aufgelaufen wäre, verdient die Leistung der Revolverhelden doch Respekt. Sie haben der Grünen Tulpe an diesem Abend gezeigt, wie viel man beim Fußball dadurch gewinnt, dass man gegen einen starken Gegner spielt, auch wenn man verliert. Die Grünen zeigten Charakter bis zum Ende und hatten viel Spaß an der Herausforderung.