Grüne Tulpe - Rostige Rampe 6:3

So wie Politik die Kunst des Machbaren ist, ist Fußball die Kunst des Achtbaren. Ein Spiel kann immer nur so gut sein, wie die Gegner sich gegenseitig achten und respektieren. Nur wer die Stärken und Schwächen des Gegners erkennt, kann die eigenen Stärken ausspielen und die eigenen Schwächen ausgleichen. Doch für dieses Erkennen bedarf es des Respekts für den Gegner. Doch selbst dann wird ein Spiel erst zu einem guten Spiel, wenn dies beiden Gegnern gelingt, und jede Mannschaft, selbst wenn sie unterlegen ist, um einen Achtungserfolg zu ringen bereit ist. Schlecht eingespielte Torsos, in denen vor allem viele Verletzte fehlen, sind dazu definitiv nicht in der Lage. Eben jene Beobachtung drängte sich den Zuschauern am Montagabend unausweichlich auf.

Die Tulpen traten durch die Verletzungsmisere arg dezimiert mit sechs Spielern plus drei neuen Spielern plus drei vom Gegner kurzfristig transferierten Spielern an gegen die rostige Rampe. Die haben ihren Namen von der Wiese zwischen Schweizer Botschaft und Hauptbahnhof, wo sie regelmäßig gepflegt auf Jackentore spielen, und waren ihrerseits mit ca. 17 Spielern angereist. Ein geordneter Spielaufbau bei einer der beiden Mannschaften war in dieser Konstellation kaum ernsthaft zu erwarten, aber beiden Mannschaften gelang es auch noch die schlimmsten Erwartungen zu unterbieten.

Zunächst schien die Tulpe fast ohne Gegenwehr und ohne jegliche Spielkultur zu einem ungefährdeten Sieg zu kommen. Eine Ecke von rechts und Nicolas Scharioth kommt vollkommen frei zum Kopfball, den er nicht sonderlich platziert in die Nähe des Torwarts unter die Latte zum 1:0 setzt. Kurz darauf eine Flanke von links und der sonst nicht eben als Kopfballungeheuer bekannte Manu Sharma steigt wieder ungedeckt in der Mitte hoch und köpft zum 2:0 ein. Um wiederum nur wenig später einen Angriff per trockenem Flachschuss vom Sechzehner zum 3:0 am Torwart vorbei einzuschießen.

Aber wo andere Mannschaften sich aufgeben und vermehrt mit sich selbst zu beschäftigen beginnen, fanden die Rampen über unermüdliche Offensivversuche zu durchaus passablen Angriffsvarianten. Keeper Christian Meuschke musste ein ums andere mal retten, bis auch er ausgespielt war, der Ball auf den freien Sturmführer im Fünfmeterraum abgelegt wurde, der nur noch zum 3:1 einschieben musste.

Und nach der Pause übernahmen die Kicker von der oxidierten Schräge immer mehr die Feldhoheit. Die Tulpen wussten weder defensiv noch offensiv wirklich auch nur halbwegs achtbaren Einsatz oder Spielansatz zu zeigen und gaben die Initiative komplett ab. Ein langer Ball springt einmal auf, zweimal, ein geringer Körpereinsatz ein Schuss vom Strafraum auf den mittlerweile das Tor hütenden Jochen Schieborn, der sich bückt, aber den Ball in bester Pannen-Olli-Manier durch die Beine und ins Netz trudeln lässt. 3:2

Und es sollte noch besser kommen, ein Pass aus dem Mittelfeld in die Tiefe. Wieder ist es der Sturmtank, der zur Hochform ramps up und das Spiel quasi im Alleingang dreht. Überlegt schiebt er ins lange Eck zum 3:3 ein. Sollte die Sensation möglich sein und das schon verloren geglaubte Spiel noch einmal gedreht werden?

Doch da schlägt der Einkauf Matthias eine Flanke von ganz rechts hoch und weit hinein. Und der Ball senkt sich, Nicolas Scharioth läuft zum langen Pfosten und genau dort fällt der Ball auch ins Netz zum 4:3.

Nun ist das Spiel zwar nicht gut, aber doch zumindest spannend und daraus können Jahrhundertspiele werden. Doch dazu reicht dieser bemitleidenswerte Kick nun wirklich nicht. Aaron Greicius schlägt einen Freistoß vom rechten Strafraumrand herein, hüfthoch am Torwart vorbei. Wieder ist Nicolas Scharioth in der Nähe, doch dieses mal springt der Ball vom rostigen Rechtsverteidiger an den Innenpfosten und ins Tor: "Sie haben uns nicht gek'iegt. Wi' haben uns selbst ve'senkt!"

Einmal rettet Jochen Schieborn noch in größter Not gegen den alleine vor ihm auftauchenden Sturmtank und kann sich so auch noch auszeichnen. Und dann gelingt der Tulpe doch noch ein Spielzug mit Pass in die Tiefe, den Matthias tatsächlich erläuft und souverän zum 6:3 in die Maschen haut.

Achtbar war an diesem Spiel wohl nur Moral und Spaß am Spiel der Rampen, während man den Beitrag der Tulpen wohl eher verächtlich als getrost vernachlässigbar betrachten kann. Nur allzu oft ist Fußball leider die Kunst des Ächtbaren.