Grüne Tulpe - Tasmania Bühne+Sport

Götterdämmerung

Theater und Fußball pflegen durchaus einige Gemeinsamkeiten – auch wenn der Bezeichnung "Schauspieler" auf dem Fußballplatz etwas Pejoratives anhaftet, und umgekehrt "Theatersport" unterhaltsam ist, aber doch nicht so ganz ernst genommen wird. Davon war bei der Begegnung der Grünen Tulpe mit den Mimen der Tasmania Bühne + Sport aber nichts zu merken. Zwei gleichwertige Gegner mit absolut vergleichbaren Waffenarten standen sich da gegenüber: beide Seiten beschränkt in ihrer Spielorganisation, insbesondere in der Defensive, und weitgehend auf überragende Einzelleistungen vertrauend in der Offensive. In beiden Genres ist die Rollenbesetzung und wie sich die jeweiligen Protagonisten über die gesamte Dauer der Aufführung präsentieren (Schau-)spielentscheidend. Ein verpatzter Einsatz, etwas zuviel oder zuwenig Pathos in der Pose, ein Blackout und das ist es, was das Ergebnis ausmacht und worüber die Kritiker schreiben. Doch nicht erst seitdem das Literarische Quartett Autoren zerriss und ihnen erst dadurch die Verkaufszahlen echter Stars bescherte, wissen wir, dass die Geschichtsschreibung am Ende nicht immer den Sieger verewigt, sondern den, der Zeitloses, Göttliches vollbringt.

Dass solch zeitloses Geschehen an diesem Abend nicht zu erleben sein würde, dürfte den wenigen Anwesenden an diesem Abend schon bald klar gewesen sein. In der Ode an die Freude dichtete Beethoven "Freude schöner Götterfunken". Von Spielfreude oder auch nur Freude unter den Zuschauenden war aber wenig zu spüren, eher von Häme über die eigene Tollpatschigkeit –  allein das Bemühen wollte niemand den Akteuren absprechen.

So ergibt sich wenig Ansehnliches, kaum gelungene Spielzüge, hüben wie drüben. Einen Elfmeter schießt Präsident Kurdziel kurzentschlossen wie weiland Uli Hoeneß über die Querlatte. Doch bald darauf rutscht eine Flanke von links durch Freund und Feind hindurch bis auf den im Strafraum völlig freistehenden André Bornstein. Der kontrolliert den Ball und schießt ihn in der für ihn typischen Manier kompromisslos ins Netz zum 1:0. Immerhin war er mitgelaufen.

Eine ähnliche Situation folgt, doch diesmal macht sich Markus Kurdziel lang und länger und spitzelt den Ball zum 2:0 über die Linie. Eleganz sieht anders aus, aber die Tulpe scheint nun Herr des Geschehens zu sein. Doch noch vor der Pause schlagen die Meister der Mimik zurück. Irgendwie kommt der Ball zu ihrem Sturmführer, der nicht eng genug gedeckt wird und den Ball in die Maschen drückt. 2:1.

Und wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Eine Kerze im Strafraum fällt dem hellwachen tasmanischen Sturmführer vor die Füße. Der nimmt ihn direkt und wieder ist Ahmed Sheriff nicht nah genug am Mann. Ausgleich – 2:2.

Noch vor der Pause hat Bornstein Gelegenheit, sein Tor zu kopieren. Doch diesmal visiert er den linken Winkel an, und heroisch reißt der Torwart von down under die Fäuste hoch und klärt zur Ecke.

Nach der Pause entwickelt sich ein offenes Spiel. Vorteile sind für keinen zu erkennen. Da zappelt der Ball plötzlich im Netz der Bühnenkünstler. Ein Geistesblitz und eine ebenso schnelle Aktion von Hartwig Mayer bringen die Tulpen wieder in Front. Ecke von rechts und per Dropkick zischt der Ball unhaltbar von Mayers Fuß zum 3:2.

Fast unmittelbar erhöhen die Tulpen. Ein satten Schuß aus 20 Metern von Hartwig Mayer kann der Tasmania-Keeper nur nach vorne abklatschen und da steht Born goldrichtig und staubt mit rechts zum 4:2 ab.

Postwendend nach dem Wiederanpfiff gelingt aber den Artisten der Bretter, die die Welt bedeuten, der Anschlusstreffer. 4:3. Torwart Hake ist der Verzweiflung nahe. Seine Vorderleute müssen einen im Tee haben, so sträflich lassen sie sich übertölpeln.

Doch schon folgt die nächste kuriose Ungeschicklichkeit. War es ein Pass, Querschläger, Fehlpass? Wer will das noch beurteilen. Die Tulpen laufen mit einem Mal zu dritt mit Ball und ohne Gegenspieler auf das gegnerische Tor zu. Bornstein läuft in den 16er und passt im richtigen Moment wunderbar quer auf Born und es steht 5:3.

Nur zehn Minuten mag es bedurft haben, um dem Spiel diese Wende zu geben, nur zehn Minuten bringen die Entscheidung zweier gleichwertiger Mannschaften. Der Rest des Spiels ist Makulatur.

Den Tulpen gelingt gegen den nun geschlagenen Gegner noch das 6:3. Ein langer Ball aus der eigenen grünen Hälfte, der letzte Tasmanier scheint ihn zuerst zu erreichen und schon sicher zu haben. Doch, oh weh, er lässt ihn springen und der Ball springt weit. Im Nu ist Tulpe-Stürmer Born an ihm vorbei und mit Ball allein vor dem Torwart. keine Frage für den Tulpen-Rekordtorjäger. Doch damit ist die Vorstelung noch nicht zuende.

Denn in der Schlussminute fällt gar noch das 6:4, was Torwart Hake endgültig mit seinen Mitspielern hadern lässt. Genug ist genug entscheidet auch der Schiedsrichter, etwas Zeitloses für die Geschichtsschreibung wird wohl keiner Seite mehr gelingen. Das Spiel wird nicht mehr angepfiffen.