Grüne Tulpe - Theater des Westens: 6:0

Da kickt der Schuh des Manitu

Der Gründungsvater und erster Manager der Grünen Tulpe war noch einmal ins Stadion gekommen. Mit Zigarre und Frau, wie es sich gehört für einen seines Kalibers. Bevor er mit seinem alten Benz gen Heimat nach Bonn abreiste, wollte er auch noch mal seiner guten alten Tulpe "Tschö" sagen. Die war gerührt und als Willi ein letztes Mal auf Berliner Bühne zum Anstoß antrat, hielt nicht nur die grüne Mannschaft inne...

Fast wie im Musical, wo es immer ein Happy End gibt, nahm so auch diese große Historie ein gutes Ende. Doch die Grüne Tulpe bat zum Tanz, und wer hätte da ein besseres Gegenüber sein können, als das Theater des Wilden Westens in Starbesetzung. Der ganze Stamm ist da - fast, der Häuptling kommt erst kurz nach Anpfiff aufs Feld und aus Rücksicht auf Jackeline spielen sie auch nicht zu schnell. Die Tulpe kann ihren Stiefel locker runterspielen, können Ball und Gegner im Zaumzeug halten und haben heute Abend alle Teile der Schatzkarte, die ihnen den Weg zum Tor weist.

Als die Sonne noch drei Finger über dem Horizont steht, sendet die Tulpe eine Ecke in den Strafraum der Puderosa Ranch. Im Hinterhalt lauerte der große weiße Bruder André Bornstein, der heranfliegt wie der Falke und per Skalp unhaltbar zum 1:0 trifft.

Nur wenig später ist es der bärtige Weiße aus dem Lande der Wälder und Seen Andreas von Beckerath, der mit einem Hüftdrehschuss Abahachi trifft, von dem aus der Ball zum 2:0 im Netz landet.

Die Sonne ist wenig weiter gewandert – diese Betrachtungsweise zeugt vom geozentrischen Weltbild, das sich vom heliozentrischen Weltbild der Grünen unterscheidet, das energisch ein Solarzeitalter heraufbeschwört statt geopolitischer Machtphantasien zu frönen und den Klappstuhl auszugraben – da senkt sich das Leder gefährlich unter die Latte. Doch dieses mal streckt sich Torwart Schwarzer Handschuh, fliegt mit der Eleganz des darstellenden Künstlers durch die Lüfte und wischt den Ball noch über die Latte.

Nun folgen einige wilde Angriffe, die geschickt von Winnetouch und Stewart Ranger geführt werden. Mit der notwendigen Unterstützung der Tulpen kommen so auch einige Schüsse auf das Tor, die aber immer zielsicher Aushilfssheriff Sebastian Wienges im Grünen Tor treffen, der sich bei keinem rechtzeitig in Deckung bringen kann. Wieder werfen die wilden Westler alles nach vorne, unter anderem auch den Ball, der genau auf André Bornsteins Fuß landet, der ihn postwendend in die linke Spitze sendet, perfekt in den Lauf von Tulpen-Pistolero Kristoffer Born, der allein vor dem Torwart mit Außenrist zum 3:0 vollendet.

Endlich Halbzeitpause. Jeder darf sich ein Eis holen und dann geht's weiter.

Nachdem die Spieler wieder auf das Feld der Ehre zurückgekehrt sind, beginnt ein offener Schlagabtausch. Die spielerische Linie der Tulpen ist nun dahin. Stattdessen wird gerannt und gekämpft in Angriff und in Abwehr und dazwischen klafft ein großes Loch. Eigentlich kontern beide Mannschaften. So tauchen die Rothäute plötzlich allein vor dem inzwischen ins Tor gewechselte Torhüter Born auf, der aber sensationell mit dem Fuß pariert.

Auf der anderen Seite kommt einer der Konter von der Seite hinein zu Legionär Simon Bruhn, der für die Tulpe zum 4:0 einschiebt. Und weil es so schön war, wiederholt er das gleich noch einmal, diesmal von der anderen Seite des Strafraums: 5:0.

Endlich gelingt es Ranger nach einer Ecke einmal, den Ball gefährlich aufs Tor zu köpfen. Doch dieses mal steht das Aluminium im Wege. Nun breitet sich endgültig Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation aus.

Aber noch hat André Bornstein noch nicht zum letzten Mal seinen Stepp(en)tanz aufgeführt. Drehschuss von Präsident Kurdziel, der Torhüter pariert, doch kann nicht festgehalten und schon ist er da. Der Schatten von Bornstein. Mit dem Oberschenkel bugsiert er den freien Ball am Torwart vorbei und – man weiß nicht, ob der Ball mit ihm oder er mit dem Ball tanzt, aber er macht es. Der Ball liegt zum letzten Mal an diesem Abend im Netz: 6:0.

Fazit: Gegen die Theaterjungs sah man großes Kino. Ein würdiges Abschiedsspiel für unseren Gründervater Willi Ruhl. Die Grüne Tulpe ist mit ihm im letzten Vierteljahrhundert durch alle Höhen und Tiefen gegangen und muss jetzt beweisen, dass sie auch ohne die Bonner Urpflanze in Berlin auf dem Grün mit dem Bällchen siegreich tanzen kann.