Grüne Tulpe- T.I.B.: 5:1

Zidan in Moabit

Was hier so klingt, als ob die Italiener endlich einen bestechlichen Richter gefunden haben, der den französischen Maître des Fußballs für seinen unglücklichen und gänzlich ungewollten Zusammenstoß, den Materazzi böswillig herbeiführte, indem er in provozierender Weise auf den um verbale Klärung einiger grober Anzüglichkeiten bittenden Zidane aggressiv zulief, der im letzten Moment, um sein Gesicht vor einem zu befürchtenden Schlag zu schützen, seinen Kopf nach unten beugte und dabei unabsichtlich die Brust des Italieners leicht berührte, in die berühmte Haftanstalt, in der schon Erich Honecker zweimal einsaß, befördert hat, hat einen ganz anderen Hintergrund...

Wer am Wochenende gesehen hat, wie herzlich der Mainzer Zidan von seinen Ex-Kollegen von Werder Bremen begrüßt wurde, versteht, wie sehr der Fußball auch über die Grenzen gegnerischer Mannschaften hinweg verbindet. Ähnlich auch an diesem Abend in Moabit.

Da T.i.B. mit gewohnt spielstarker Besetzung, aber nur zu zehnt angereist war, wechselte der weiße Zidan - Fraktionsneuling Andree- kurzerhand die Seiten und verstärkte die T.i.B.-Kicker. Doch war nicht nur für den aufmerksamen Beobachter gut zu erkennen, dass die Tulpe sich da in Zukunft auf eine Verstärkung freuen kann. Der weiße Zidan, der im Übrigen mit dem Mainzer lediglich die Frisur teilt, ansonsten aber eine komplett andere Spielanlage entfaltet, wurde zum stärksten Akteur in einer technisch durchaus beschlagenen T.i.B.-Truppe.

Auch schon das vorletzte Aufeinandertreffen von T.i.B. und Tulpen einen Tag nach dem bezeichnenden Zusammenstoß von Materazzi und Zidane begann mit einem kuriosen Tor: Damals erzielten die Tulpen das 1:0 durch einem Distanzschuss, den der Torwart nur interessiert von der Seite verfolgte – aus heiterem Himmel. Heute gingen die T.i.B.-Kicker nach einer Flanke von rechts in Führung. Tulpe- Torwart Christian Meuschke hatte ihn schon sicher in Händen, dann aber flutschte das rutschige Leder doch durch seine Pranken und von dort ans Knie eines TiB-Angreifers und so ins Tor zum 1:0. – aus heiteren Händen sozusagen. Und damals wie heute drehte die zurückliegende Mannschaft das Spiel eindrucksvoll.

Trotz großer Laufbereitschaft von T.i.B., die mit ihrem laufstarken Mittelfeld über das ganze Spiel immer wieder Positionen verschoben und so den Ball geschickt wie spielerisch ansehnlich bis vor den Tulpen-Strafraum trugen, konnte die grüne Mannschaft dank ihrer inzwischen großen Eingespieltheit

das Spiel über weite Strecken kontrollieren.

Stefan Witt gab wieder einen modernen Libero vor der Abwehr, der die Angriffswellen von TiB immer wieder noch vor seiner Manndeckerreihe brechen konnte. Umgekehrt in der Offensive fiel es den Tulpen bis zum Schluss nicht leicht, ordentlich zu kombinieren. Auf dem seifigen Platz und gegen eine zweikampfstarke T.i.B.-Mannschaft war wieder einmal die Ballkontrolle prekär. So kam es oft zu langen Pässen in die Spitze und mussten Einzelaktionen für Gefahr sorgen.

Zwar führte eine schöne Kombination schon Mitte der ersten Halbzeit zu einer Schussmöglichkeit für Alex Bögle von außerhalb des Sechzehners, doch krachte sein gewaltiger Schuss gegen die Querlatte, von wo aus der Ball noch über den Zaun hinter dem Tor sprang. Aber in der 25. Minute brachte der nächste Lattentreffer, diesmal von Tresfore Dambe, nach einer schönen Bogenlampe aus 25 Meter Entfernung den Ausgleich. Von der Latte sprang der Ball gegen den einen Tick zu spät kommenden Torwart und fiel in die Maschen. 1:1 war auch der Halbzeitstand. Noch hatte die Feldüberlegenheit der Tulpen zwar Chancen gebracht, aber nicht die Wende.

Von Beginn der zweiten Halbzeit an dominierten die Tulpen und erspielten sich einige aussichtsreiche Möglichkeiten. Doch erst ein fast schon abgefangener Angriff über rechts bringt die Führung. Hartwig Mayer sichert den Ball, dreht sich an der Strafraumgrenze um sich selbst und schießt in bester Müller-Manier aus der Drehung. Der Torwart in Bedrängnis kann den Ball zwar mit einem gewagten Hechtsprung parieren, doch "Kapitano" Toffi Born ist zur Stelle und staubt -na was wohl- in Müller-Manier zum 2:1 ab.

Kurz darauf wieder über rechts: Nach einem abgefangenen Angriff schalten die Tulpen blitzschnell von Verteidigung auf Angriff. Stefan Witt stürmt mit nach vorne, wird aber übersehen. Marek Dutschke spielt einen etwas zu langen Ball in den Strafraum auf den stürmenden Toffi, der erläuft den Ball, kann ihn aber nur noch mit der Sohle zurückziehen. Dort erkämpft ihn sich Tresfore gegen die "Tapfere aber inzwischen Besorgnis erregend verunsicherte Abwehr, passt genial quer vor das Tor auf den immer noch dort wartenden Stefan "Beckenbauer" Witt, der nach der tollen Ballstafette ganz

locker zum 3:1 einschiebt.  

Danach macht sich Unmut zwischen den T.i.B.-Mannschaftsteilen breit. "Kann man Angriff und Offensive jetzt überhaupt noch koordinieren? (…) Defensive und Verteidigung? Was wird mit dem Mittelfeld? Was wird sein?" (Zitat für Fußballliebhaber) Das Team ist besser (ok, kleines B, das zählt nicht) als es sich hier verkauft. Nun wird mit offenem Visier angegriffen, und die Tulpe kann sich immer schlechter vom Druck befreien. Viele lange Bälle und verfrühte Abschlussversuche. Den Tulpen gelingt es nun nicht mehr den Ball zu halten und die wertvolle Zeit für sich spielen zu lassen.

Doch auch die T.i.B.- Kicker kommen kaum zu gefährlichen Einschussmöglichkeiten. Bei einer der wenigen Torchancen gelingt der Durchbruch auf der linken Seite des Strafraums, der weiße Zidan gibt den Ball am Torwart vorbei auf den mitgelaufenen Mittelstürmer per scharf und flach herein. Ein Meter vor der Torlinie, keine störenden Gegenspieler, Torwart bereits geschlagen, und Martin, der Mittelstürmer von T.i.B., weiß nicht ob linker oder rechter Schlappen, er ist nämlich Kopfballspezialist. Vielleicht hätte der Torjäger in Bodennähe doch einfach den Fuß nehmen sollen, statt 2 Millimeter über der Grasnarbe zum Flugkopfball anzusetzen. Und schon ist der Ball vorbeigeflogen. Am Spieler. Am Tor.

In der Folge erobert sich T.i.B. zwar die Feldüberlegenheit, die Tulpen ihrerseits kontern. Der ungemein laufstarke Marek Dutschke ist viel unterwegs. Immer wieder läuft er allein auf das Tor zu – manchmal überholt er dabei sogar den Ball – oder sprintet in die Spitze, um frei zum Schuss zu kommen. Zielsicher trifft er den ausweichenden Torwart, den Zaun hinter dem Tor, aber immerhin immer den Ball. Seine Laufbereitschaft ist davon ungebremst. Recherchiert er etwa für ein neues Buch mit Titel "Der Weg war umsonst"?

Nach einer abgewehrten Ecke rollt erneut ein Tulpen-Konter. Der Pass kommt butterweich in den Lauf von Marek, der geht allein auf weiter Flur und auch diesmal erwischt er den Torwart. Doch Ralf Südhoff ist mitgelaufen und schließt mit einem trockenen Schuss ins linke untere Eck zum 4:1 ab. Damit war alle gelaufen und die T.i.B.-Auswahl war endgültig geschlagen.

Ein letzter Konter über Toffi legt Marek die nächste 100%ige auf. Toffi passt schulmäßig auf Höhe des Fünf-Meter-Raum quer auf Marek. Der ordnet seine Füße und schießt – oder passt? –, in jedem Fall kommt der Ball quer zurück auf Toffi, der das Jojo-Spiel nun leid ist und den Ball zum 5:1 im Tor liegen lässt.

Ende Gelände...Abpfiff!

Fazit:

Der Sieg gegen T.i.B. war verdient, fiel vielleicht ein wenig zu hoch aus. Das Ergebnis täuscht ein wenig über den Spielverlauf hinweg, denn nichtsdestotrotz hatten die Tulpen bis zum Ende größten Respekt vor den Angriffen der T.i.B.-Kicker. Dank deren technischer Qualitäten und der Tulpen-Spielstärke blieb das Spiel auch bei diesem – für T.i.B.-Tulpe-Spiele sehr ungewöhnlichen Spielstand- ansehnlich und freundschaftlich: Eben Zidan in Moabit.