Grüne Tulpe - X-Kicker: 1:0

Die X-Men greifen an

Kein normaler Gegner trat en Tulpen an diesem Montagabend gegenüber. Die X-Kicker von Tom Tykwers X-Filmen wagten sich das erste Mal aus ihrer Zelluloid-Welt, um ausgestattet mit Superkräften am Poststadion anzugreifen. Und nur denkbar knapp gelang es den Grünen, den Angriff der Mutanten abzuwehren.

Während den Grünen gerne immer wieder aus ihrer Ursprungszeit eine gewisse Technik-Feindlichkeit nachgesagt wird, die aber wohl nur noch ausschließlich auf dem Fußballfeld tatsächlich zu beobachten ist, stehen sie den genetischen Eingriffen ins Erbgut von Pflanzen und Tieren unverändert kritisch gegenüber. Die unabsehbaren Folgen solcher Veränderungen verlangen zumindest nach einer sicheren Rechtsgrundlage, die die Verursacher für ihr Handeln verantwortlich macht und ihnen etwaige Schäden in Rechnung stellt. Gegen die Mutanten selbst richtet sich diese politische Haltung aber keinesfalls, die X-Kicker waren ein erfrischend fairer und guter und dementsprechend willkommener Gegner.

Von Beginn an entfachte Storm (mit seinen Wetter-beherrschenden Superkräften) einen Angriffswirbel vor dem Tulpen-Tor. Doch mit unkontrollierbarer Klimaveränderung kennen die Grünen sich aus. Der Grüne Libero Stefan Witt hatte dem mit nur einem Fuß (den Linken hat er bloß zum Stehen) wenig aber Wirkungsvolles entgegenzusetzen. Immer wieder klärte er die heranzischenden Bälle kompromisslos – KAWUMM – bis in die Spielfeld-umgebende Flora.

Doch schließlich – ZAWOSCH – ein hoher Ball, Storm springt dank seiner Superkräfte einen Kopf höher als der eigentlich um einen Kopf größere Stefan Witt, Kopfball – BOING – Aushilfstorwart Stefan Bauer ist schon geschlagen: Tor. Doch da greift Schiri, der Superheld in Gelb, ins Geschehen ein: Einsatz von Superkräften ist nicht erlaubt. Er pfeift mit seiner magischen Superpfeife: Aufgestützt, Tor zählt nicht.

Schnell werden die Mutanten mit den Superkräften müde, doch die Tulpe kann trotzdem nicht ihr Spiel aufziehen.

Ein langer Pass von Coach Wienges auf den Flügelflitzer Robbi – TSCHING – der ist durch, allein vor dem Torwart, lupft den Ball Richtung Gehäuse. Aber – SWOOSHHH – Magneto lenkt den Ball mit seinen geheimen Kräfte ab und der Ball geht vorbei. Ansonsten ist die erste Halbzeit seltsam ereignislos.

In der Pause aber fehlt Jean-Luc Picard als Anführer der X-Men, scheint, dass er gerade auf der Enterprise unabkömmlich war. Die Mutanten können ihre Superkräfte nicht wieder aufladen und zollen der Hitze sowie den zahlenmäßig überlegenen Tulpen und ihrem schnelleren Spiel der zweiten Hälfte allmählich Tribut.

Es entstehen Räume, die die Tulpen nun für – ZING – schnelle, gefährliche Angriffe nutzen. Kurios dann aber das 1:0. Abstoß, Querpass und Asgar Ergin schaltet den Turbo zu. ZISCH Er fängt den Ball ab, und noch bevor Magneto seine Spulen heiß bekommt, schiebt Ergin ein.

Erst in der Folgezeit verdienen sich die Tulpen ihre Führung und kommen vermehrt zu Chancen, die sie aber alle KLING KLANG KLONG kläglich vergeben. Nach einer Ecke kommt der rekonvaleszente André Bornstein frei zum Kopfball und – als hätte er nie gefehlt – zeigt er unverändert Treffsicherheit mit dem Kopf: PONG Einen Meter neben dem Tor prallt der Ball gegen den Zaun.

Eigentlich wollte Coach Wienges mit seiner Einwechslung die Abwehr stabilisieren. Doch nun hatten die X-Kicker noch einmal eine Drangperiode. Und ein neuer Superheld zeigt sich dem staunenden Publikum:

SWIOUUM Ein hoher Ball senkt sich hinter den zweiten Aushilfstorwart Rati in die Maschen, doch da springt Super-Rati rückwärts – TOOOON – sein Arm scheint lang und länger zu werden und er lenkt den Ball mit einer Hand und Kopf noch um den Pfosten. Die Schüsse und Flanken zischen um sein Tor. Da will auch Christian Griebenow mittun. Ein langer Ball vom Gegner rollt Richtung Toraus, Griebenow sichert ab, dass kein X-Kicker den Ball mehr erreichen kann. Doch einen Meter vor der Grundlinie nutzen die X-Men telepathische Fähigkeiten – WAOUUMMM – und suggerieren Christian, den Ball perfekt an Super-Rati vorbei vor das leere Tor zu flanken. Zum Glück erreichte die telepathische Botschaft den X-Kicker-Stürmer nicht mehr rechtzeitig und der Ball rollte weiter am Tor vorbei.

Doch die X-Kicker-Angriffe nehmen an Tempo auf, zwingen die Tulpen in Laufduelle.

Ein solcher über links kommt durch, Storm zieht ab auf das lange Eck. Und wieder hechtet Super-Rati – FLING – und faustet den Ball weg.

Das reicht. Die X-Kicker ziehen sich zurück. Lesen Sie demnächst auf diesen Seiten Teil II "Die X-Men schlagen zurück".

FAZIT: Nichts gegen Mutanten, aber Superkräfte helfen dann doch nur begrenzt.

PS: Dem geneigten Leser sei hiermit kundgetan, dass in der kommenden Woche die Literaten wieder zu Gast sind, und die Belletristik dem Comic folgen wird.