SG Deutscher Bundestag - Grüne Tulpe 0:3

Das runde Leder und die Globalisierung

Auch die Grüne Tulpe und ihre Gegner sind längst zu Nutznießern der Globalisierung geworden, deren Vorreiter im Fußball bezeichnenderweise die Fußball-Linken wie Luis Cesar Menotti waren, der seine Arbeitskraft, Spieler und Ideen schon in den 1970ern aus Argentinien nach Europa exportierte. Die SG Bundestag verstärkte sich insbesondere aus dem englischsprachigen Ausland, während die Tulpen auf Kinder und Inder setzen. Im vergangenen Jahr wurden allein vier Tulpen junge Väter, und seit diesem Montag spielt nun auch Manu Sharma für die Tulpe. Der kam allerdings erst einmal zehn Minuten zu spät, weshalb dankenswerter Weise Lutz vom Bundestag bei den Tulpen aushalf.

In den ersten 20 Minuten setzten die Abgeordneten-Verwalter die Abgeordneten-Zuarbeiter schwer unter Druck, ließen sie kaum aus der eigenen Hälfte heraus kommen und hatten deutlich mehr Spielanteile. Dass kaum klare Chancen dabei entstanden, war besonders einem vorzüglich aufgelegten Libero Stefan Witt, der schon vor seiner Dreier-Abwehrkette die gegnerischen Angreifer attackierte und außerdem noch zum eigenen Spielaufbau beitrug, und dem diszipliniert stehenden defensiven Mittelfeld zu verdanken. Gast Lutz, Rati Britvec und Alex Bögle markierten klar ihre Männer, während dahinter André Bornstein, Sebastian Wienges und Christian Griebenow die geschickt verschiebenden Angreifer übergaben und ihnen kaum Platz für ihre Angriffe ließen. Insbesondere Christian Griebenow zeichnete sich in diesem Spiel durch seine Schnelligkeit aus und brachte seine Gegenspieler ein ums andere Mal der Verzweiflung nahe, indem er ihnen selbst in aussichtsreichsten Positionen noch den Ball ablief, den dann zu verarbeiten fiel ihm gelegentlich bedeutend schwerer.

Nachdem die erste Drangphase der Politbürokraten überstanden war und denen die Puste für nutzlose Laufwege knapp wurde, zogen sie sich zunehmend zurück und entfalteten die Tulpen ihr gefürchtetes Kombinationsspiel. Coach Wienges scheint inzwischen die optimale Formation gefunden zu haben, indem er auf ein 4-5-1 umgestellt hat, in dem die zusätzliche Anspielstation im Mittelfeld plus dem vor der Abwehr spielenden Libero den Tulpen die nötige Flexibilität gibt, um viele kurze Pässe in der Horizontalen statt verlustreiche Pässe in die Vertikale zu spielen. Zusätzlich können die Defensivkräfte, allen voran der ungemein laufstarke André Bornstein, sich stärker ins Offensivspiel einschalten und haben dennoch nach hinten genügend Absicherung. Leiden muss einzig die einsame Spitze unter dieser Formation.

Doch nach einigen gefährlichen Angriffen, denen die Abnehmer oder Durchschlagskraft beim Abschluss fehlte, erntete die Tulpen-Offensive das erste Mal. Ein langer Ball, den der nächststehende Bundestag-Verteidiger schon sicher zu haben scheint, Toffi erkennt die Situation blitzschnell und sprintet von links über den Platz und kommt haarscharf vor dem Verteidiger, der seine schnellsten Tage schon eine Weile hinter sich hat, an den Ball. Wie eine Marabunta setzt sich nun das ganze Feld in Richtung Bundestag-Tor in Bewegung. Von hinten ein Ruf, Toffi schaut und passt den Ball perfekt in den Lauf von Tim Voll – Spann – Torwart wirft sich in den Schuss, der Ball prallt vom Waschbrett-Bauch ab, vor die Füße von Tim, der seinen zweiten Versuch zum 1:0 abschließt.

Danach dominieren die Tulpen. Doch das massierte Zentrum, denn im Bundestag wollen alle in die Mitte, wo doch nur die Grünen sitzen, erlaubt kaum Durchkommen. Die Tulpen kommen immer wieder geschickt über die Flanken: gekonnte Opposition zeichnet sich durch konstruktives, ideenreiches Spiel und eine Politik der Nadelstiche aus. Doch die meisten Flanken finden ihren Abnehmer nicht und werden vom souveränen Bundestag-Torhüter abgefangen.

Und gerade eine solche Abwehr führt zum nächsten Tulpentor. Der schon abgewehrte Ball fällt einem Bundestag-Verteidiger vor die Füße, der ihn in geistiger Umnächtung im Fünfmeterraum zurück zu seinem am Boden liegenden Torwart schiebt. Dem fehlt einen Moment der Überblick, und er nimmt den Ball mit der Hand auf: indirekter Freistoß vom Fünfmeterraum. Normalerweise gilt es in dieser Situation, den Ball nur anzuticken, so dass der Freistoßschütze den dann freien Ball ohne Anlauf über die Köpfe der zehn auf der Torlinie stehenden Spieler unter die Latte schießt, bevor der heraushechtende Torwart eine Hand an den Ball bekommt. Diese Variante hat bei den Tulpen aber noch nie funktioniert. So auch dieses Mal: Tresfore Dambe hält den Ball flach. Aber, wie er sagt, "Stehen die um die Zeit nie da" und so trifft er genau in die Lücke zum 2:0.

Auf der anderen Seite steht die Tulpenabwehr. Nur in einer Szene kann sich die brennende 10 der SG auf links durchsetzen, Libero Witts Grätsche kommt zu spät, die Mitte ist für einen Moment entblößt, Verteidiger Wienges stellt sich in den Weg, stört, doch das Spielgerät erobert er auch nicht, der Ball rutscht durch und dann an drei bis vier einschussbereiten Bundestäglern und ein bis zwei nicht minder abwehrbereiten Tulpen-Verteidigern vorbei. Nach dieser bemerkenswerten Serie von Luftlöchern wird der Bundestag zur Nacht, Tulpen-Torwart Hake beschwert sich in der Folge über Unterbeschäftigung.

Nach der Halbzeit unverändertes Bild, doch nun werden auch die Tulpen müde, stehen in der Defensive weniger diszipliniert und entblößen das Zentrum zunehmend. So kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen. Eine führt zu einem Freistoß aus aussichtsreicher Position an der Strafraumgrenze. Elegant streichelt der Bundestag-Mannschaftsführer den Ball über die Mauer in die unbesetzte Torhälfte. Doch Jochen Hake hat aufgepasst, erläuft den Ball, lässt ihn wieder aus den Händen gleiten Richtung Tor, doch da kommt irgendwoher eine weitere Torwart-Hand von Hake, die den Ball am Pfosten vorbei ins Aus jongliert.

Heute sollte es kein Durchkommen geben.

Aber auch in der Offensive tat sich nicht mehr viel. Um ein Haar hätte auch Manu Sharma sein Debut mit einem Tor gekrönt, doch als er einen langen Pass in den Lauf  einschießen wollte, wurde er im letzten Moment vom rüde einsteigenden australischen Bundestag-Libero gestoppt.

Nach einer Ecke, die der Torwart zu kurz wegfaustete, kam der Ball noch einmal in die Gefahrenzone zu Alex Bögle, der tanzte auf engstem Raum noch einen Gegenspieler aus, doch dann wusste er nicht mehr recht, was machen mit dem freien Ball und schob ihn dann aus zwei Metern passgenau dem Torwart nicht zu hart in die Arme.

Es folgte noch eine elegante Flanke von Tresfore Dambe vom linken oberen Strafraumeck, die sich über den Torwart auf die Querlatte senkte und von dort ins Feld zurücksprang, wo sie der nimmermüde Bornstein gekonnt einnetzte zum 3:0.

Ein eigentlich ausgeglichenes Spiel endete dank der besseren Chancenauswertung der Tulpen mit einem vermeintlich eindeutigen Ergebnis. Doch das täuscht. Auch wenn die Tulpen sich mit der Zeit eine gewisse Überlegenheit erspielten, war der Bundestag doch wie gewöhnlich ein ebenbürtiger Gegner.