Türkiyemspor Berlin - Grüne Tulpe: 1:7

Eine wunderbare Freundschaft: Die Grünen und die Türkei

Die Türkei in die EU aufzunehmen, stärkt die Union. Xenophobische Ängste zu schüren, um den Beitritt zu verhindern, ist Ausdruck ausgrenzender Politik und wohl kaum rationaler Überlegungen - unter den Bedingungen der Globalisierung. Dass die Grünen für Europa eine Allianz mit der Türkei anstreben und ihren Beitritt unterstützen, ist insofern nur logisch. Die Grünen sind seit jeher für ein offenes und buntes Europa.

Die Grüne Tulpe kickte schon seit Ihrer Gründung 1983 als bunte Truppe und machte vor, wie es geht. Große Talente wie Cem Oezdemir, der heutige grüne Parteivorsitzender und damit der erste deutsche Parteivorsitzende mit Migrationshintergrund, reifte schon in den biederen Kohl-Jahren in der grünen Erfolgsmannschaft heran. Während Cem Oezdemir nun die grüne Partei führt, schaltet und waltet mit Asgar Ergin seit 2000 ein türkisch-stämmiger Berliner im grünen Mittelfeld der Tulpe. Und wie unersetzlich er fürs grüne Team ist, sah man auch jetzt wieder im Spiel gegen die Altherrenmannschaft von Türkiyemspor Berlin.

Das Freundschaftsspiel im Katzbachstadion stand unter dem Motto "Mit WUMS in die EU" - für einen EU-Beitritt der Türkei. Als Schiri des besonderen Kicks stand mit Hans-Christian Ströbele ein prominenter grüner Kreuzberger Pate, der nur deswegen nicht pünktlich anpfeifen konnte, weil der Stadionsprecher - wie es sich gehört- alle 22 Spieler auf dem Rasen per Name vorstellte und danach auch nicht die Auswechselspieler vergaß. 

Beide Mannschaften

Schnell nahm das Spiel an Fahrt auf und Türkiyemspor ließ die Tulpen zunächst erstmal nicht ans Bällchen kommen. Da war gleich zu erkennen, wer technisch und spielerisch besser mit dem Leder umzugehen wusste. Türkiyemspor! Die alten Herren  demonstrierten eindrucksvoll all ihre Stärken am Ball und ihre Übersicht. Dagegen stellte die Grüne Tulpe ihre Laufbareitschaft und Schnelligkeit, die bei der stehenden Hitze noch von entscheidener Bedeutung sein sollte. Aber dazu später.

Mit dem ersten Angriff hätte Türkiyemspor fast das 1:0 markiert. Eine verunglückte Flanke von rechts - oder war es ein cleverer Torschuß- segelt Richtung Green Goal. Der grüne Schlußmann Christian Meuschke wird überrascht und kann die Bogenlampe gerade noch über die Latte lenken.

Türkiyemspor bestimmte in den ersten 15 Minuten das Geschehen und ließ den Ball immer wieder elegant durch die eigenen Reihen zirkulieren, um gelegentlich eine Tulpe zum Tänzchen zu bitten. Es war schön anzuschauen und bei solchen Aktionen ging immer wieder ein Raunen des Staunens durch die Zuschauerreihen, doch das passierte alles weit weg von grünen Strafraum. Bei der grünen Hintermannschaft stimmte die Zuordnung und die Ansagen von Teamchef Sebastian Wienges wurden diszipliniert beherzigt.

Überhaupt bestimmten die Grünen dann mehr und mehr das Spiel und nutzten vor allem ihre läuferischen Vorteile. Sie legten auch mehr Zielstrebigkeit an den Tag, spielten die Bälle schneller in die Vertikale und kamen so zu einigen Gelegenheiten. Dennoch kam das 1:0 eher überraschend. Marek Dutschke schoss für ihn eher ungewohnt ansatzlos von halblinks auf Höhe der Strafraumgrenze und versenkte das Spielgerät perfekt oben im rechten Eck.

Bis Ende der ersten Halbzeit hatten die Tulpen zwar noch die besseren Gelegenheiten, darunter auch der notorische Dutschke, diesmal allerdings von rechts kommend. Allein vor dem Torwart scheiterte er aber diesmal mit einem kläglichen Schuss, den der Türkiyemspor-Schlussmann sicher festhalten konnte. Dennoch: Dutschke war der Mann der ersten Halbzeit.

Danach verloren die Tulpen ohne Not zunehmend ihre Ordnung, Türkiyemspor versetzte die Tulpen-Abwehr plötzlich ein ums andere mal in Nöte. Insbesondere der 10er in ihren Reihen war einfach nicht vom Ball zu trennen. Nur Zählbares brachten sie daraus nicht zustande, was auch daran lag, dass entweder Hartwig Mayer oder Andre Bornstein im irren Tempo deren Steilpässe abliefen. Hinten hielt man die Null und vorne vergab man beste Chancen.

Dementsprechend eindringlich war die Halbzeit-Ansprache, der allerdings nur die geteilte Aufmerksamkeit entgegengebracht wurde, da gleichzeitig Özcan Mutlu über die Brücke am Bosporus referierte, die Europa ja mit Asien verbindet – und nicht trennt.

Doch was politisch Früchte tragen wird, fehlte der Tulpe zunächst: Die Zuteilung wurde nicht besser und, nachdem der 3er von Türkiyemspor eine gefühlte Viertelstunde im Tulpen-Sechzehner eine Kopie des Okocha-Tores gegen Karlsruhe inszenieren wollte, inklusive Tulpen als unfreiwillige Statisten, wurde er dann doch noch gefoult, statt selber abzuschließen. Der Pfiff des Schiris war die logische Folge und die Chance zum Ausgleich für Türkiyemspor plötzlich da. Den fälligen Elfmeter setzte Metin dann allerdings derart platziert und überzeugend zwei bis drei Meter neben das Tor, das Christian Meuschke gar nicht erst einzugreifen musste.

Als kurz darauf dann ein schöner Angriff über rechts mit einer Flanke vom eingewechselten Kristoffer Born auf den mitgelaufenen Andre Bornstein per sehenswertem Flugkopfball zum 2:0 abgeschlossen wurde, war das Spiel vorzeitig entschieden. Die Tulpen konnten nun die Räume immer besser nutzen und auch die Schnelligkeit ihrer Stürmer entscheidend einsetzen.

Eine weitere Kombination von Born und Bornstein landete bei Asgar Ergin, der zu diesem Zeitpunkt schon längst das Tulpenheft in die Hand genommen hatte und die Grünen regierte. Mit einem trockenen Drehschuss schloss er zum 3:0 ab. Der Berliner mit türkischen Vorfahren bewies wieder einmal, welche Qualitätssteigerung im Spiel durch die Offenheit der deutschen Gesellschaft und der Grünen Tulpe möglich ist.

Aber offen sind die Grünen nicht nur politisch. Auch die Tulpenabwehr zeigte sich bei einigen langen Bällen recht offen. So konnte Metin seinen verschossenen Elfmeter durch einen wunderschönen Heber über Keeper Meuschke wieder wettmachen, der die doppelte Torhöhe erreichte, bevor er schließlich ins Tor fiel. Libero Hartwig Mayer versuchte zwar noch zu retten, konnte aber den Ball dabei auch nur noch zum 1:3 ins Netz schubsen. Türkiyemspor konnte durch diesen Anschlußtreffer nochmal hoffen, doch der "Grüne Zugfährt für Europa" und war nun nicht mehr aufzuhalten.

Tulpe-Captn Kristoffer Born fährt einen schnellen Angriff über links, umspielt noch schnell den herausgelaufenen Türkiyemspor-Keeper und schiebt zum 4:1 ein. Das 5:1 macht wieder Asgar Ergin wie Kontrahent Metin zuvor mit einem ebenso schönen Heber, ebenso wie das 6:1 kurz danach, nachdem er dieses mal den Torwart cool umspielt hat. Sein Hattrick ist perfekt und eigentlich ist man damit automatisch Mann des Spiels, doch er hatte die Rechnung ohne die Frauen gemacht.

Denn zum krönenden Abschluss gibt es im Katzbachstadion noch eine ganz besondere Premiere zu feiern: Die grüne Mittelfeldspielerin Sandra Ohlsen zieht kurz vor Schluß in Tornähe einfach mal von halbrechts ab. Der Türkiyemspor-Torwart bringt seine Hände zwar noch an den Ball, ist aber schon unterwegs in die falsche Ecke und kann das Leder nicht mehr entscheidend ums Tor ablenken. Sandra jubelt und erfährt nach dem Abpfiff, dass ihr mit dem 7:1 etwas gelungen ist, was es bei der Grünen Tulpe noch nie gegeben hat. Es war das erste Tulpen-Tor in 26 Jahren Tulpen-Historie, welches von einer Frau geschossen wurde! Lange haben die Grünen auf diesen Moment gewartet und ausgerechnet im Spiel gegen die alten Herren von Türkiyemspor Berlin wird der Bann gebrochen.

Fazit: Es war ein besonderes Spiel im Katzbachstadion, bei der das Ergebnis nur Nebensache war.  Das Spiel war nicht nur eine Demonstration für ein Europa, in der die Türkei gleichberechtigt mitspielen kann und das europäische Team komplettiert, sondern eine klare Botschaft an alle Gegner eines EU-Beitritts. Der Fussball zeigt schon lange wie es geht und wie erfolgreich das Miteinander ist. Denn seit 1962 ist die Türkei schon Mitglied der UEFA und hat den europäischen Fussball seitdem enorm bereichert.