Bolz-Masters in Kassel- Der Turnierbericht

Die grüne Tulpe verteidigt ihren 5. Platz bei den BolzMasters

 

Eine Geschichte in 6 Akten

Sommermärchen, das war letztes Jahr. Wir erinnern uns noch gut: WM im eigenen Land und die Grüne Tulpe bolzte sich in Kassel fast ins Endspiel. Jetzt 2007, keine WM aber die  Dokumenta in Kassel. Und die Kunst auf dem Rasen kommt auch nicht zu kurz. Doch wie dem Sommer es dieses Jahr an Sonne fehlt, fehlte es der Grünen Tulpe dieses Jahr an Spielern. Doch die Probleme konnten in letzter
Sekunde überwunden werden. Doch bevor auf die Kunst des Runden zu sprechen kommen noch schnell ein kurzer Rückblick ins letzte Jahr.   

1. Akt: Rückblick Sommer 2006 – ein Fußballmärchen

Grüne Tulpe Kassel 2006Das deutsche Sommermärchen wird auf Ewigkeiten unvergessen bleiben und auch die Grüne Tulpe tourte durch Deutschland wie noch nie zuvor. Trotz großer Spielerdecke ergaben sich dabei auch personelle Engpässe, z.B. bei der ersten Teilnahme an den legendären Bolzmasters von Dynamo Windrad, die 2006 als Auftaktveranstaltung für die 6. Bolz-WM mit Mannschaften aus der ganzen Welt dienten. Ergänzt durch die lokale Fußballgröße Meik Voll und den MdB Matthias Berninger erkämpfte sich die Tulpe einen unfassbar guten 5. Platz von 57 Mannschaften und scheiterte erst vom Neun-Meter-Punkt aus im Viertelfinale an dem späteren Turniersieger "Die erste allgemeine Sprachverwirrung" mit großartigen Fußballern ganz verschiedener Nationalitäten.

2. Akt: Spielerüberschuss-Spielermangel

Viel wichtiger als das hervorragende sportliche Ergebnis war jedoch die großartige Stimmung rings um die Waldauer Wiesen mit ihren 6 Fußballfeldern. Die erneute Teilnahme im Nach-WM-Jahr musste somit gar nicht erst beschlossen werden. Das 2007 auch noch die 25-Jahrfeier von Dynamo Windrad brachte und in Kassel die documenta stattfinden sollte, hatte von uns dabei keiner im Blick. Nur eines war klar, so ein Turnier lässt man sich nicht entgehen. Die vielen Anekdoten des gelungenen Kassel-Wochenendes ließen denn auch die obligatorische Email-Abfrage überflüssig werden, die 8 Spielerplätze waren vergeben, bevor die Planungen angefangen hatten. Doch es kam, wie es kommen musste. Das Montagsspiel vor dem Turnier gegen die Nationalmannschaft der Schriftsteller forderte ihre Opfer. Balkanmaradona Britvec vergaß in all seiner Routine sich warm anzuziehen und musste mit Grippe absagen, Abwehrhühne Bornstein verknackste sich den Knöchel und auch die Tulpen im Exil Voll (Familie), Helm (Oberschenkel) und Böhling (Arbeit) erwischte es aus unterschiedlichen Gründen kurz vor der Abreise und die Turnierteilnahme somit auf der Kippe.

3. Akt: Was nicht passt, wird passend gemacht – Grüne Tulpe mit der Basis vereint

Grüne Tulpe Kassel 2006Zu fünft stand die Tulpe nun bei der Turnieranmeldung auf dem Platz und hoffte auf den alternativen Fußballgedanken des Spielertauschs, damit man nicht jedes Spiel in Unterzahl beschreiten müsste. Nicht weniger schlecht erging es den Kickern der Grasnarbe 06 von den Kasseler Grünen, die sich ebenfalls angemeldet hatten und nun nur zu dritt auf dem Feld standen. Die logische Konsequenz der Vereinigung braucht jedoch noch einiger politischer Diskussionen, schließlich war der fußballerische Anspruch vor Turnierbeginn ein anderer und die Sorge bestand, dass wir letztendlich dann doch zu viele Spieler haben würden. Doch der Gedanke der Basisdemokratie setzte sich durch und gleich zu Anfang wartete der erste Knaller: die Waldauer Herzbuben – eine Mannschaft zusammengesetzt aus (ehemaligen) Dynamo-Spielern, die letztes Jahr 11. waren. Wie erwartet lief bei der durchmischten Mannschaft noch nicht viel zusammen, aber der Einsatz stimmte – bis ein eigener Freistoß in bester Absicht zu schnell ausgeführt wurde und der anschließende Konter uns die 0:1 Niederlage bescherte.  Würde noch zusammen wachsen, was zusammen gehört?

4. Akt: "Glaubt nicht, dass ich nicht Fußballspielen kann!" – das Fußballmärchen Teil 2

Platz 2 in der Vorrundengruppe musste aber erreicht werden, um in das Tableau der besten 32 Mannschaften einziehen zu können. Leicht gefrustet vom Auftaktspiel stand auf einmal Noreen Küster, 18jährige Abiturientin vor uns, um zu erklären, sie hätte keine Mannschaft aber ein grünes Trikot. Obwohl die Aufnahme in die Tulpe selbstverständlich war, teilt Noreen uns noch mit, dass wir jetzt nicht denken dürften, sie könne kein Fußball spielen, es gebe da ja so Vorurteile. Zumindest der erste Teil der Aussage sollte sich noch bestätigen. Zunächst gab es jedoch trotz weiteren qualitativ hochwertigen Spielerzuwachs in Person von Deniz ein enttäuschendes 0:0 gegen den Kasseler Asta. Das Vorrundenaus war aber noch nicht besiegelt, da im Abschlussspiel gegen die flinken Jugendlichen von VSBF noch die Chance bestand, sich durch einen Sieg bei Punkt- und Torgleichheit für Runde der besten 32 Mannschaften zu qualifizieren. Mittlerweile kam mit Mustafa ein weiterer Leihspieler, den man am Abend zuvor gebeten hatte, die Personallücke zu füllen. Mustafa und Deniz sind Kasseler Filmemacher, die mit Jugendsozialprojekten schon einige Preise gewinnen konnten du noch dazu gute Fußballer. Mit neuer Taktik – die beiden Abwehrspieler sollten nicht mehr ausgewechselt werden – und den eigentlichen Tulpenspielern als Starter wirkte das Spiel auf einmal eingespielter und flüssiger und die Integration der vielen neuen Spieler klappte deutlich besser. Sehr zum Leidwesen der jungen VSBFler, die ihren 1:0 Vorsprung nicht verteidigen konnten und nach Toren von Mustafa und Thomas Flügge noch 1:2 verloren.

Im Spiel um den Einzug ins Achtelfinale wartete dann jedoch Marokko. Letztes Jahr waren die Nordafrikaner zweiter, dieses Jahr absoluter Turnierfavorit und problemlos durch ihre Gruppenphase waren sie auch noch marschiert. Deniz musste leider vor dem Spiel seine Freundin wegbringen und konnte erst danach wiederkommen, aber immerhin konnte Mustafa noch zum Bleiben überzeugt werden. Noch motiviert von dem Leistungssprung im letzten Spiel kämpfte die Tulpe gegen Marokko wie die Löwen und ließ den technisch hervorragenden Spielern aus Nordafrika keine wirkliche Torchance zu und so kam es zur Auseinandersetzung vom Punkt. Nach Toren von Mustafa, Deniz (der schneller zurück war als erwartet), Thomas und Torhüter Markus Nees sowie zwei Paraden des letztgenannten war die Sensation perfekt und unser Ruf als Favoritenschreck machte erstaunlich schnell die Runde.

5. Akt: Kommen und Gehen – aber der 5. Platz bleibt

Erneut kämpfte die Tulpe also um den Einzug in Runde der letzten 8 (zur Erinnerung: von 63 Mannschaften) und trotz der Fluktuation von Spielern – Mustafa musste jetzt gehen, Deniz war wieder da, Jörn von den Kasseler Grünen war neu dabei, Noreen versuchte so lange wie möglich zu bleiben und so spät wie möglich zu ihrem Job zu kommen – war die Taktik gefunden. Torhüter Markus stand natürlich außer Frage und hielt auch wieder wie ein Verrückter. Thomas spielte in der Abwehr neben dem Spieler, der noch übrig war (wahlweise Mustafa oder Deniz oder Ahmed, aber dazu später mehr), Christoph Benze und Markus Meyer verrichteten die Laufarbeit im Mittelfeld und Jürgen Stark rieb sich als einzige Spitze auf. Dazu die Kassler Grünen Gernot Rönz und Jörg Naber, die sich auf allen Offensivpositionen von außen kommend in das Spiel kämpften und sich 100% für die Tulpe einbrachten.

Zurück zum Turnier ein Berliner Stadtduell gegen die Jungs von 11mm stand an und es war ein Rückfall in die alte Spiel(un)kultur mit Hektik und unvorhergesehenen Wechseln. Aber eine behielt die Ruhe und Übersicht: Noreen Küster, zweikampfstark wie in den Spielen zuvor, setzte sich an der Strafraumecke durch und erzielte mit trockenem Schuss das 1:0. Leider reichte der Vorsprung nicht bis Ende, aber im anschließenden Siebenmeterschießen reichten die Treffen von Mustafa, Deniz und Markus N. zum Einzug ins Viertelfinale.

Mit den Söhnen der Mutter wartete eine bekannte Lokalgröße, die auch für die Tulpen zu groß waren – im wahrsten Sinne des Wortes. In der ganzen Spielanlage überlegen war es ein Kopfballtor in den Winkel, das die Entscheidung brachte. Damit war die Tulpe ausgeschieden, aber immerhin Platz 5 könnte es wieder werden.

6. Akt: "Ihr habt uns das Genick gebrochen" – die Grüne Tulpe wird international

Parallel zum zwischenzeitlichen Siegeszug gibt es noch die Geschichte des einstigen Turnierfavoriten Marokko. Sie spielten im Teilnehmerfeld der Plätze 17-32 und standen dort außerhalb jeder Konkurrenz. Tore – so schien es – schossen sie nur noch, wenn sie sich mit der Hacke den Ball zuspielten oder sie mindestens 3mal den Torwart ausgedribbelt haben.

Der Grünen Tulpe begegneten sie jedoch mit erstaunlichem Respekt, wir waren für sie die Abwehrriesen und hätten das Spiel gegen sie verdient gewonnen und somit das Genick gebrochen. Zum Glück war es jedoch soweit nicht gekommen und unser Bedarf an Spielern stieg auch wieder – schließlich saß Deniz mittlerweile wieder über seiner Diplomarbeit, Noreen musste zur Arbeit und Jürgen und Jörg konnten nur noch das eine Spiel machen. Somit ergänzte unser Team im Spiel gegen Deuchland Ahmed und durch ein Tor von Jürgen konnten wir es auch 1:0 gewinnen und im Spiel gegen die GmbH waren dann nur noch vier Tulpen, ein Stadtgrüner und 3 Marokanner für uns im Einsatz, die auch noch unsere letzten 3 Tore erzielten. Der 5. Platz war verteidigt – wenn auch nicht ganz aus eigener Kraft, so doch mit einem unglaublichen Teamgeist und positiven Auftreten.

Schlussszene bzw. Fazit: Das deutsche Fußballmärchen ist unvergessen, das der Grünen Tulpe noch gar nicht vorbei!