Turnierbericht: Grüne Tulpe beim Bolz-Masters in Kassel

Sensationeller fünfter Platz von 56 Teams

Kassel, Samstagmorgen, 9.30 Uhr, die Sonne brennt. Noch am Abend zuvor haben sich die Mannen der Grünen Tulpe am WM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft berauscht und sich direkt nach Spielende im Tulpen-Bus auf den Weg nach Hessen gemacht.

In alter Tradition startete die Tulpe recht schwerfällig ins Turnier. Das magere 1:1 gegen die Tretmaschinen überraschte beide Mannschaften gleichermaßen, schien doch das Spiel nach der frühen Tulpen-Führung ein Selbstläufer zu werden. In Miro-Klose-Manier hatte Außenverteidiger Arne Jungjohann in der dritten Minute den Ball beim zweiten Nachstochern über die Torlinie gedrückt. Doch der plötzliche Ausgleich fünf Minuten vor Schluss durch die einzige Chance des Gegners warf das Ziel über den Haufen, endlich einmal mit einem Sieg ins Turnier zu starten.

Grüne Tulpe Kassel 2006Unbeirrt hielt Teamchef Ronny Jäckel am variablen 2-1-2 fest. Völlig zu Recht, wie sich schon im nächsten Spiel erweisen sollte. Mit "Air Liquide" wartete ein junges Team, das laufstark und bissig Paroli zu bieten wusste. Doch trotz der Hitze am frühen Vormittag - die gefühlte 35°C-Marke war schon vor 11 Uhr erreicht - gelang der Mannschaft ein souveräner 1:0-Sieg durch einen Treffer von Yann Lafon.

Auch das nächste Spiel gegen die "Hephata Allstars" wurde mit 2:0 verdient gewonnen. Die Abwehr um Abräumer, Antreiber und Konditionswunder Meik Voll entwickelte sich mehr und mehr zum Garanten des Erfolges. Im nächsten Spiel lauerte der dickste Brocken und eigentliche Favorit in der Gruppe, "Hilfe! Jugend Ahnatal", die - ganz im Sinne ihrer brasilianischen Trikots - bis dahin alle Gegner schwindelig gespielt hatten. Die Taktik, hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott, ging voll auf. Nach einem starken Konter über zwei Stationen schoss Stürmer Yann Lafon mit einem beherzten Flachschuss zum hart verteidigten Siegtreffer ein.

Nun brach die schwerste Zeit in der Gruppenphase an. Die zwei Sturmpaare der Tulpen - Christoph Benze & Yann Lafon und Markus Meyer & Matthias Berninger - rissen tiefe Löcher in gegnerische Abwehrreihen, zwangen die Torhüter zu spektakulären Glanzparaden und halfen im eigenen 16er aus.

Doch das hohe Tempo am Vormittag forderte seinen Tribut gegen die stark aufspielende Mannschaft von "Meyer's Miet Mich", gegen die es um den Einzug ins Achtelfinale ging. Zum Entsetzen der Tulpe (und zum Erstaunen des Gegners) ertönte in der zweiten Minute der Pfiff des Unparteiischen: Siebenmeter gegen die Tulpe wegen Trikotzupfens. Der Gegner ließ sich diese Chance nicht entgehen und vollstreckte eiskalt. Doch Kampfeswille und Leidenschaft führten die Tulpe zurück auf den Weg in die Runde der letzen 16. Der viel umjubelte Ausgleich kurz vor Schluss sicherte mindestens den zweiten Gruppenplatz.

Grüne Tulpe Kassel 2006Hatte das Spiel der Tulpe zuvor an Leichtigkeit und Eleganz eingebüßt, so wurde das letzte Gruppenspiel zu einem wahren Fußballfest. Mit acht Toren in nur 15 Minuten wurden die Jungs von Tretlager Espresso nach Hause geschickt. Durch einen fulminanten Flugkopfball von Christoph Benze wäre der Sieg beinahe noch höher ausgefallen, doch der Ball ging knapp am Tor vorbei. Mit diesem Kantersieg sicherte sich die Grüne Tulpe den ersten Tabellenplatz und damit eine hervorragende Ausgangslage für die anstehende K.O.-Runde.

Achtelfinale

Am Sonntagmorgen gings dann weiter mit dem Achtelfinale. Trotz teilweise nur zwei Stunden Schlafs waren die Tulpen von Beginn an hellwach und setzten den Gegner, die "Asphalttreter", immer wieder angetrieben vom unermüdlichen Ratimir Britvec, der die Fäden im defensiven Mittelfeld zog, gehörig unter Druck. Völlig unerwartet musste die Grüne Tulpe dann doch das 0:1 hinnehmen. Doch über die disziplinierte Spielweise konnten mehr und mehr Chancen herausgespielt werden, von denen dann letztlich eine glücklich und doch verdient zum 1:1-Endstand verwandelt werden konnte. Siebenmeterschießen! Auch das noch! Noch ärgerten sich die Tulpen, denn dieses Spiel hätte bereits entschieden sein können. Doch letztlich behielt man auch am Strafstoßpunkt die Nerven, gewann 3:2 dank der Treffer von Maik Voll, Thomas Flügge und Arne Jungjohann und zog ins Viertelfinale ein.

Dort wartete das Team "Allgemeine Sprachverwirrung", ein interessanter Name, der die vielen unterschiedlichen Nationalitäten dieser Mannschaft unterstrich. Dieses Team hatte, wie sich später herausstellte, zwei der letzten drei Bolz-Masters-Turniere gewinnen können. So fand das Spiel auch auf hohem Niveau statt, die Grüne Tulpe hatte Mühe, den technisch sehr versierten Gegnern den Schneid abzukaufen. Immer wieder musste der an diesem Tag überragende Tulpen-Keeper Markus Nees eingreifen. Einmal konnte auch er leider überwunden werden und so lief die Tulpe abermals einem Rückstand hinterher. Etwas glücklich, aber nicht unverdient, konnte auch in diesem Spiel noch ein 1:1-Unentschieden erzielt werden. Siebenmeterschießen! Schon wieder! Mit den gleichen Schützen, aber nicht mit dem gleichen Glück wie im Achtelfinale unterlagen die Tulpe nun mit 2:3. Ausgerechnet Mittelfeldmotor Thomas Flügge in seinem (vorerst) letzten Turnier für die Grüne Tulpe, setzte seinen Siebener an den Pfosten, nachdem er vorher zweimal souverän verwandelt hatte. Leider war somit die Finalrunde für die Grüne Tulpe beendet.

Grüne Tulpe Kassel 2006

Im kommenden Spiel um die Plätze 5 bis 8 wartete das Team "Brooklyn" auf die Grüne Tulpe, ein etwas unangenehmer Gegner, wie die zahlreichen Diskussionen und Foulspiele zeigten. Die Tulpen taten sich abermals schwer, war doch die Motivation nach dem Ausscheiden aus der Finalrunde etwas verflogen. So endete auch diese Partie – wie könnte es anders sein – 1:1. Siebenmeterschießen! Das kannten die Jungs ja nun schon! Doch diesmal war das Glück erneut grün und die Tulpen sahen sich im "Endspiel" um Platz 5.

Fünfter Platz

Das "Trainingscamp Kannenberg" stellte sich als einer der schwereren Gegner dar, sehr ballsichere Jungs, die gute Kombinationen zeigten und schnell mit 1:0 in Führung gingen. Dann nahm Meik Voll das Zepter in die Hand, der grüne Abwehrspieler tauchte ein ums andere Mal gefährlich im Strafraum auf, umspielte Freund und Feind und vollstreckte schließlich zum 1:1. Gerade hatten sich die Tulpen ins Spiel gefunden, hatten sogar die größeren Spielanteile, da fiel etwas unverdient das 2:1 für das Trainingscamp. Doch abermals war es Meik Voll, der sich durch die gegnerische Abwehr tankte und mit einem Superpass auf Arne Jungjohann maßgeblich am 2:2-Endstand beteiligt war. Was dann kam? Ach ja: Siebenmeterschießen! Und die Stunde des grünen Keepers Markus Nees. In Uli Stein-Manier parierte er gleich zwei Siebener, die grünen Schützen Thomas Flügge, vom Schock erholt, und Arne Jungjohann, der an diesem Tag überhaupt keine Nerven zeigte, taten ihr übriges zum Gewinn des 5. Platzes.

Nach dem gemeinsamen Schauen des Finalspiels, welches im übrigen abermals die "Allgemeine Sprachverwirrung" gewann und der gelungene Siegerehrung fand ein wunderschönes Wochenende seinen Abschluss. Die Grüne Tulpe bedankt sich an dieser Stelle noch einmal bei Dynamo Windrad, den Ausrichtern der Bolz Masters für ein super Turnier – Wir freuen uns auf die Einladung im nächsten Jahr!

 

aj/rj