Rede von Ulle Schauws

Frauen in Führungspositionen

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25.02.2021
Foto von Ulle Schauws MdB
Ulle Schauws
Sprecherin für Frauenpolitik Sprecherin für Queerpolitik

Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Frauen dürfen mitmachen, aber nur ein bisschen. – Das ist die Botschaft, die von Ihrem Gesetzentwurf ausgeht. Und das reicht nicht. Es reicht nicht, weil Frauen führen wollen und weil sie es können.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es reicht nicht, weil die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft stockt, wenn es keinen Kulturwandel in den Führungsetagen gibt. Nach 20 Jahren freiwilliger Selbstverpflichtung der Privatwirtschaft müssen wir konstatieren: Führende Männer sind an der Aufgabe gescheitert, es ohne gesetzliche Vorgaben zu schaffen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Deswegen brauchen wir eine feste Quote auch für Unternehmensvorstände. Die gläserne Decke ist nicht gut sichtbar, aber sie wirkt weiter. Sie bremst Frauen aus und potenziert ihre Wirkung, wenn weitere Diskriminierungsmerkmale wie Herkunft, Behinderung oder sexuelle Identität mit dazukommen.

Meine Damen und Herren, als die Aufsichtsratsquote für eine kleine Pilotgruppe von etwas mehr als 100 Unternehmen im Jahr 2015 auf unser Drängen und durch den unermüdlichen Kampf von FidAR und anderen Frauenverbänden endlich durchgesetzt wurde, war das ein guter Anfang. Wir stellen fest: Die Quote wirkt. Die betroffenen Unternehmen haben die Quote alle eingehalten, und sie führt zu einer Professionalisierung der Arbeit in Aufsichtsräten.

Und was machen Sie damit? Warum wenden Sie diese Erkenntnis bei dem neuen Gesetz nicht an? Statt einer festen Quote für Unternehmensvorstände soll es nur eine Mindestbeteiligung geben. Noch schlimmer: Die Mindestbeteiligung gilt nur für 70 Unternehmen. In etwas mehr als der Hälfte dieser Unternehmensvorstände gibt es aber bereits mindestens eine Frau. Das heißt, es fehlen weitere 30 Frauen in Vorständen, und dann wäre Ihr neues Gesetz schon erfüllt.

(Renate Künast [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ach!)

Sie machen ein Gesetz für 30 Frauen? Das ist kein Fortschritt, das ist Symbolpolitik!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Ich sage Ihnen: Eine Frau im Vorstand reicht nicht. Sie allein kann die verkrusteten Strukturen nicht aufbrechen. Diversität braucht die kritische Masse von mindestens einem Drittel Frauen; so haben wir es in unserem Grünenantrag gefordert.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das, was einige gegen die Quote einwenden, schaffen wir in Wahrheit erst mit der Quote: dass Qualität sich durchsetzt und nicht Geschlecht.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie der Abg. Nadine Schön [CDU/CSU])

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Frau Kollegin, erlauben Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Bystron, AfD-Fraktion?

Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Nein, danke schön. – Führungspositionen werden aktuell eben nicht ausschließlich nach Qualifikation vergeben. Männer werden befördert durch eine informelle Männerquote. Eine Frauenquote ändert diese Spielregel, und das schafft Gerechtigkeit.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist entscheidend, dass der Blick aus den Führungsetagen auf die Welt nicht nur ein männlicher ist; denn Probleme werden immer komplexer. Um sie zu lösen, brauchen wir alle guten Köpfe. Wir brauchen Frauen, Diversität und kein Weiter-so mit einem männlichen Blick.

Ich fordere Sie auf, aus dem ersten Schritt einen Sprung zu machen. Eine echte Quote für Vorstände ist jetzt fällig. Frauen sind längst startklar.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vizepräsident Wolfgang Kubicki:

Vielen Dank, Frau Kollegin Schauws. – Nächste Rednerin ist die Kollegin Josephine Ortleb, SPD-Fraktion.

(Beifall bei der SPD)