Rede von Claudia Müller

Handwerk

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05.05.2021

Claudia Müller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Handwerkerinnen sind unsere Partnerinnen für den Klimaschutz: Sie bauen und sanieren Gebäude, auch energetisch. Sie installieren Solarzellen und Windräder. Sie reparieren und warten Fahrräder, Pkws, Lkws. Sie verwerten und veredeln regionale Produkte der Landwirtschaft. Kurz: Regionale Wertschöpfung ist ihre Stärke. Sie sind damit für unsere Zukunft unersetzlich und unverzichtbar.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Trotz all der großen Worte, die wir eben gehört haben, muss man sagen, dass auch diese Novelle dieser Bedeutung nicht gerecht wird. Ja, der Gesetzentwurf nimmt viele kleine und wichtige Änderungen vor; aber die Attraktivität des Handwerks wird mit dieser Novelle nicht genügend gestärkt. Die wichtigen Zukunftsfragen – die Frage, wie wir die Fachkräfteabwanderung tatsächlich stoppen, die Frage, wie wir Ausbildung und Weiterbildung und auch die Tarifbindung stärken – werden hier nicht genügend angegangen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Die Bundesregierung will zum Beispiel keine sektorübergreifende Analyse durchführen, wo Fachkräfte für die Bewältigung der Klimakrise in Zukunft verstärkt gebraucht werden und was dafür getan werden müsste. Das finde ich wirklich fahrlässig, liebe Kolleginnen von Union und SPD.

Im Handwerk und auch in vielen kleinen Unternehmen steht eine Nachfolgewelle bevor. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente, und es fehlt der Nachwuchs. Schon seit Jahren spürt man das insbesondere in den ehrenamtlichen Organisationen des Handwerks, in den Kammern und in den Innungen. Die Herausforderungen dieser Zukunft können wir jedoch nicht tatenlos lösen. Deswegen wäre es höchste Zeit, dass sich Arbeitnehmer/‑innen, Arbeitgeber/‑innen, Bildung und Forschung zu diesem Thema gemeinsam an einen Tisch setzen und Lösungen für diese Probleme suchen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das heißt auch gewerkeübergreifende Zusammenarbeit, auch mit der Industrie. Denn teilweise existieren schon jetzt ähnliche Berufsbilder in beiden Bereichen, und wir sehen – es ist mehrfach angesprochen worden – die Abwanderung von Fachkräften aus dem Handwerk in die Industrie. Sie folgen den besseren Löhnen, sie folgen häufig den besseren Arbeitsbedingungen, den besseren Aufstiegschancen, ja, der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das sind schlagende Argumente dafür, wo Fachkräfte hingehen, und das müssen wir auch im Handwerk deutlich verbessern.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Auch wurde versäumt, die Frage der kostenfreien Meisterausbildung bzw. der Weiterentwicklung des Meister-BAföGs anzugehen. Wir brauchen hier einen individuellen Mix aus Darlehen und Zuschuss, sodass Maßnahmekosten und Lebensunterhalt sozial gestaffelt tatsächlich auch denjenigen zur Verfügung gestellt werden. Hier wurde wirklich eine Chance vertan.

Für die Zukunft: Wir kommen jetzt aus der Coronakrise heraus. Gleichzeitig ist die Herausforderung der Klimakrise nicht kleiner geworden. Wir müssen jetzt kleine Unternehmen und insbesondere das Handwerk unterstützen und auf diese Zukunft vorbereiten. Wir brauchen zuverlässige Hilfsangebote. Wir brauchen Beratung, Beratungsinfrastruktur, eine Veränderung der Ausbildung, eine Verbesserung von Chancen für Quereinsteigerinnen und auch eine realistische und klischeefreie Berufsorientierung an allen Schulen. Das sind die Baustellen, um die wir uns jetzt kümmern müssen. Dafür reicht die Novelle nicht aus. Sie ist ein erster Schritt, aber der nächste muss folgen.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vizepräsidentin Dagmar Ziegler:

Vielen Dank, Kollegin Müller. – Zum Abschluss der Debatte geht das Wort an Jens Koeppen von der CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)