Rede von Kai Gehring

Forschung und Klimakrise

18.01.2019
Kai Gehring
Sprecher für Forschung, Wissenschaft und Hochschule

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! „Fridays for Future“: Eingangs ein ganz dickes Dankeschön an all die Engagierten, die heute Flagge für mehr Klimaschutz in der Republik gezeigt haben! Das macht Mut.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir alle wissen: Der Klimawandel ist menschengemacht. Die Verfeuerung fossiler Brennstoffe ist massiv klimaschädlich: kleine Gase, große Wirkung. Um den Treibhauseffekt und die Klimakrise zu bremsen, müssen wir die CO 2 -Emissionen drastisch senken. Sonst setzt die Zivilisation ihre Zukunft aufs Spiel.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Diese gesicherten Erkenntnisse verdanken wir bisheriger exzellenter Klimaforschung. Danke daher an alle, die forschen, ob im Labor, auf den Forschungsschiffen in Ozeanen und Polargebieten oder bei der Klimadatenauswertung an den Hochleistungsrechnern! Sie alle leisten wertvolle Arbeit für unser Land und die Zukunft der Menschheit.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN)

Aber es braucht noch mehr Erkenntnisse der Klimaforschung, weiteres Wissen über Wirkungsweisen und Klimafolgen. Deswegen fordern wir Grünen im Bundestag eine weitere schnelle und beherzte Stärkung der Klimaforschung in Deutschland.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Welche konkreten Folgen hat die globale Erdüberhitzung ganz lokal, sei es in Hamburg, in Essen oder im Allgäu? Wie stark werden einzelne Regionen bei Dürreperioden oder Überschwemmungen betroffen sein? Welche Verwerfungen bei Artenvielfalt und Landwirtschaft verursacht ein globaler Temperaturanstieg von über 1,5 Grad? Und sind die Infrastrukturen in unseren Städten und unseren Dörfern robust genug? Welche neuen Gesundheitsgefahren drohen durch die Klimakrise? Das sind keine Fragen für Panikmache, sondern Forschungsfragen, deren Beantwortung überlebenswichtig ist.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir Grünen im Bundestag werben dafür, Klimaforschung zur Top-Priorität der Forschungsagenda der Bundesregierung zu machen – durch ein Forschungsrahmenprogramm gegen die Klimakrise. Dafür fordern wir 100 Millionen Euro mehr pro Jahr, um noch bestehende Wissenslücken auch zu schließen. Damit wollen wir die Kapazität von Klimaforschung erhöhen und die Vernetzung über Disziplingrenzen hinweg weiter stärken. Unser Vorstoß ist eine Investition in die Existenz unseres Planeten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Denn Sie haben sicher von den Kipppunkten gehört, nach denen die Erdüberhitzung sich vermutlich unkontrollierbar beschleunigt. Dazu gehören das Auftauen der Permafrostböden und das Wegschmelzen des Grönlandeises. Um dessen Folgen noch präziser vorherzusagen, müssen physikalische, biologische und chemische Daten noch besser zusammengebracht werden. Dafür sind modernste Hightech-Forschungsinfrastrukturen und internationale Wissenschaftskooperationen unerlässlich. Das kostet, und das muss uns mehr wert sein.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Auch die Geistes- und Sozialwissenschaften gehören stärker mit ins Klimaforschungsboot; denn längst heizt die Klimakrise weltweit bewaffnete Konflikte an, verknappt Ressourcen und löst Fluchtursachen aus. Das zu ignorieren, wäre absolut unverantwortlich. Auch deshalb braucht die Klimaforschung mehr Mittel.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Unser Appell richtet sich an die Regierungsfraktionen und an Forschungsministerin Karliczek – vielleicht können Sie das weiterleiten, Herr Staatssekretär –, aber auch an Heimatminister Seehofer. Denn Katastrophenschützer vor Ort schauen längst mit Sorge auf Extremwetter- und drohende Klimawandelrisiken. Doch die systematische Erforschung der Folgen für die zivile Sicherheit im Land ist eher eine Leerstelle.

(Ralph Lenkert [DIE LINKE]: Ja!)

Dabei muss dieses Wissen dringend hinein in die Katastrophenschutzpläne; denn Klimaschutz ist auch Heimatschutz.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Klimaforschung zeigt uns, worauf wir uns unweigerlich einstellen müssen. Sie zeigt uns auch, was wir noch retten können. Jedes Zehntelgrad Temperaturanstieg, das wir verhindern können, schützt unsere Lebensgrundlagen, bewahrt die Vielfalt unserer Natur und Tierwelt und rettet ganz konkret Menschenleben.

Packen wir es also an! Deutsche Klimaforschung ist jetzt schon weltweit hoch anerkannt. Sie ist aktive Zukunftsvorsorge. Geben wir ihr einen weiteren Schub. Das sind wir unseren Enkeln und unserem Planeten schuldig.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)