Rede von Kai Gehring Kitas und Schulen

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18.11.2021

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im letzten Jahr haben Kinder und Jugendliche einen ziemlichen Zickzackkurs bei der Pandemiebekämpfung mitmachen müssen. Wir alle stehen als politisch Verantwortliche in der Pflicht, Kindern und Jugendlichen Bildung, Chancen und Teilhabe zu ermöglichen. Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Gesundheit, und sie haben ein Recht auf Bildung. Dieses Recht auf Bildung hat besonders gelitten, und das ändern wir jetzt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Kinder, Jugendliche und ihre Eltern haben die Hauptlast des Schul-Lockdowns getragen. Sie, Erzieher/-innen und Lehrkräfte sind über sich hinausgewachsen. Und da können wir nur Danke sagen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Kinder und Jugendliche waren in der Pandemiekrise hochsolidarisch und müssen nun mit ansehen, wie sich manche Erwachsene rücksichtslos vergnügen, in geschlossenen Räumen Karneval feiern oder dichtgedrängt in Fußballstadien stehen. Solidarität ist in der Pandemie aber keine Einbahnstraße. Kinder und Jugendliche und ihre Förderung gehören jetzt endlich in den Mittelpunkt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP])

Ein Ende der Pandemie ist nicht in Sicht. Darum sollen Länder und Kommunen Maskenpflicht anordnen können, Abstandsgebote verhängen, Luftfilter nachrüsten, Wechselunterricht anbieten, zur Gefahrenabwehr notfalls einzelne Klassen oder sogar Schulen vorübergehend schließen dürfen. Aber: Ein pauschaler Lockdown und flächendeckend bundesweit von jetzt auf gleich alle Bildungseinrichtungen dichtzumachen, das ist mit dem Recht auf Bildung nicht mehr vereinbar.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Denn geschlossene Schulen bedeuten Bildungsverluste für Kinder und Jugendliche. Geschlossene Schulen schaden besonders Kids mit ohnehin geringen Bildungschancen. Hinzu kommen psychosoziale Belastungen. Deswegen müssen und wollen wir mit Schulschließungen deutlich sorgfältiger und verhältnismäßiger umgehen, als es die Vorgängerregierung getan hat.

Wir wollen gute Bildung, aber sicher, und das müssen wir im ganzen Land endlich besser hinkriegen. In vielen Ländern gibt es – nach sehr langem Zögern auch beim Bund – Programme, um Klassenräume mit Luftfiltern auszustatten. Doch hochbürokratische Vorgaben blockieren, dass sie schnell vor Ort den Schülerinnen und Schülern zugutekommen.

Selbst Privatinitiativen helfen nicht: Bei mir im Ruhrgebiet wollten Eltern Luftfilter privat spenden und in der Schule für ihre Kids aufstellen. Das NRW-Bauministerium sagte schroff Nein – Zitat –: „Denn es könnten Geräte gekauft werden, die nicht gut genug sind.“ Statt Blockaden und hochbürokratischen Antragsverfahren brauchen wir mehr Agilität und mehr Pragmatismus in der Umsetzung.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der FDP)

Unsere Aufgabe als Bundestagsabgeordnete ist doch jetzt, die Nachlässigkeit der noch amtierenden Regierung zu korrigieren und den Ländern viel stärker unter die Arme zu greifen, damit Programme endlich fliegen und endlich stärker ans Laufen kommen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, Impfen, Impfen, Impfen, das ist immer noch das beste Mittel, um die Pandemie beherrschbar zu machen. Die Impflogistik muss jetzt deutlich schneller wieder hochgefahren werden, und zwar planmäßig und zackig, für die Erst- bis zu den Drittimpfungen und in Kürze dann auch für die Impfungen der unter Zwölfjährigen. In meiner Kindheit waren Impfungen gegen Kinderkrankheiten ein selbstverständliches Gruppenevent in Kitas und Schulen, und diese Selbstverständlichkeit wünsche ich mir für heute zurück.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des Abg. Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP])

Impfstoffe sind Meisterstücke der Wissenschaft, zivilisatorischer Fortschritt, und sie retten Menschenleben. Für mich ist es daher unerträglich, wenn einzelne Erzieher/-innen und Lehrkräfte die Impfung verweigern und so in Kauf nehmen, die Gesundheit auch ihrer Schutzbefohlenen zu gefährden. Darum unser Appell: Lassen Sie sich endlich impfen! Der beste Schutz für noch ungeimpfte Kinder sind geimpfte Erwachsene.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der FDP und des Abg. Matthias W. Birkwald [DIE LINKE])

Auch die Berufsverbände und Gewerkschaften bitte ich: Wirken Sie auf Ihre Mitglieder stärker ein!

Das Risiko, das Virus zu übertragen oder daran zu erkranken, ist durch die Impfung deutlich vermindert. Darum ist es folgerichtig, eine Impfpflicht für einzelne Berufsgruppen ins Auge zu fassen, in Verantwortung gegenüber Kindern, zum Selbstschutz und im Übrigen auch zur Befriedung in den einzelnen Einrichtungen.

Impfen ist gelebte Solidarität, damit nicht mehr Kinder und Jugendliche die Hauptlast zu tragen haben und sie endlich alle Unterstützung bekommen beim Nachholen und Aufholen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Stephan Albani [CDU/CSU] und Dr. Jens Brandenburg [Rhein-Neckar] [FDP])

Vizepräsidentin Claudia Roth:

Vielen herzlichen Dank, Kai Gehring. – Nächster Redner: für die FDP-Fraktion Dr. Jens Brandenburg.

(Beifall bei der FDP)