Rede von Erhard Grundl

Kulturelle Identität

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22.04.2021

Erhard Grundl (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es gibt Rettungsangebote, auf die kann man dankend verzichten, etwa auf die Rettung des Abendlandes durch die AfD.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU, der FDP und der LINKEN)

In den vorliegenden Anträgen geht es um eine angebliche kulturelle Revolution, herbeigeschrieben von Egon Flaig, Autor der neurechten Vierteljahresschrift „Tumult“. Dass Sie Flaigs Schriften zum Antrag erheben – der zum Nationalen Aktionsplan; es ist fast identisch, was Sie hier vorbringen –, das zeigt zwei Sachen: Erstens. Als Abgeordnete sind Sie inhaltlich ferngesteuerte Trabanten von Kubitschek, Flaig und Konsorten.

(Lachen des Abg. Dr. Marc Jongen [AfD])

Und zweitens: Das Übernehmen historischer Verantwortung ist nicht Ihre Sache.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Irgendwie soll zwar doch kulturelle Identität durch die eigene Geschichte entstehen, aber man möge sich doch bitte die guten Brocken herauspicken und den Rest vergessen.

(Martin Hohmann [AfD]: Das hat er gerade nicht gesagt!)

Weil wir das in Deutschland bisher nicht machen, beklagt Ihr Antrag – ich zitiere –, es würden bisher historische Persönlichkeiten geächtet. Wohlgemerkt, es geht Ihnen um geächtete Persönlichkeiten, die historisches Unrecht begangen haben.

Es folgt ein weiterer, bemerkenswerter Kurzschluss in den rechten Gehirnen: Diese Ächtung sei ein Faktor für Vandalismus gegenüber einzigartigen Kulturgütern. Sie beziehen sich da auf die versuchte Zerstörung von 60 Objekten im Neuen Museum, in der Alten Nationalgalerie und im Pergamon-Panorama am Kupfergraben im Oktober letzten Jahres. Hier versuchen Sie, eine Legende zu stricken, die nur zur eigenen Reinwaschung dienen soll. Das erinnert auf fatale Weise an übelste Geschehnisse in unserer Geschichte.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Sie versuchen nur noch ganz oberflächlich, Ihren braunen Neoprenanzug mit einem Deckmäntelchen zu übertünchen.

Schließlich soll das Rettungswerk im zweiten Antrag in einer Deutschen Akademie für Sprache und Kultur vollendet werden. Ihr Antrag richtet sich gegen eine diverse, geschlechtergerechte Sprache, gegen leichte Sprache und damit ausdrücklich gegen Menschen mit Behinderung.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD – Zuruf von der AfD: Nein!)

Stellenbesetzungen sollen ausdrücklich fern von Quoten erfolgen. Übersetzt ins Deutsche heißt das: Es soll ein finanzielles Vollversorgungswerk für die AfD und ihre Spießgesellen geschaffen werden.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN – Beatrix von Storch [AfD]: So viel dummes Zeug!)

Ausufernd widmen Sie sich der steilen Leerdenkerthese, wir Deutschen wären kulturell alle gleich. Ich sage es Ihnen: Es gibt innerhalb einer Nation eine Vielzahl von kulturellen Identitäten. Wie Jan Assmann schreibt, gründet sich das „Bewusstsein sozialer Zugehörigkeit … auf der Teilhabe an einem gemeinsamen Wissen und einem gemeinsamen Gedächtnis, die durch das Sprechen einer gemeinsamen Sprache oder … die Verwendung eines gemeinsamen Symbolsystems vermittelt wird“. Dazu gehören Trachten, Tänze, Speisen und Getränke.

Vielleicht wissen Sie es nicht, aber durch Bayern zieht sich der Weißwurstäquator. Ich sage Ihnen: Das ist eine echte kulturelle Hürde innerhalb einer Nation,

(Matthias W. Birkwald [DIE LINKE]: Außerdem trinkt ihr Bier aus Eimern!)

und wir müssen praktisch täglich an seiner Überwindung arbeiten – aber ohne Sie.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN und der Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU])

Sie haben keine Ahnung von kultureller Identität und davon, was sie wirklich ausmacht. Diese Anträge bestätigen das in trauriger Weise einmal mehr.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN und der Abg. Gitta Connemann [CDU/CSU])

Vizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich:

Ich erteile das Wort der Abgeordneten Elisabeth Motschmann, CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)