Rede von Beate Walter-Rosenheimer

Schlussbericht der Enquete-Kommission Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt

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23.06.2021

Beate Walter-Rosenheimer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Liebes Ausschusssekretariat, schön, dass Sie heute hier auf der Tribüne dabeisitzen!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, der FDP und der LINKEN)

Es ist geschafft: Drei Jahre Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ liegen hinter uns. Liebe Kollegen, liebe Kolleginnen, alle, die in der Enquete waren, wissen, dass es eine intensive und arbeitsreiche Zeit war, eine Zeit voll mit Licht und mit Schatten. Im Sinne einer Art Abschlussbesprechung – Lessons learned – tun wir gut daran, in einem kurzen Rückblick die guten, aber auch die nicht so gelungenen Aspekte der gemeinsamen Arbeit einmal näher zu beleuchten. Es wäre total schade, wenn wir das nicht im Sinne eines guten Wissensmanagements für zukünftige Projekte nutzen würden.

Zunächst einmal: Es ist gut und es ist wichtig, dass wir die Gelegenheit gehabt haben, in so einer Enquete miteinander zu diskutieren und uns intensiv und fundiert mit dem Thema der beruflichen Bildung in einer digitalisierten Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Das Thema – das wissen wir alle – ist brandaktuell; denn diese Arbeitswelt verändert sich gerade drastisch. Auf die neuen Herausforderungen müssen wir vorbereitet sein. Wir brauchen Ideen, kreative Konzepte, wie wir auf den Wegfall von Tausenden von Arbeitsplätzen reagieren und wie wir die Situation auch im Sinne der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen auffangen und neu gestalten.

Es gibt auch riesige Chancen. Viele neue Berufe entstehen. Fachkräfte für alle möglichen Bereiche und Branchen werden händeringend gesucht. Auf eine Kleine Anfrage antwortete uns die Bundesregierung, dass bis zum Jahr 2035 ein Bedarf von circa 800 000 Fach- und Arbeitskräften allein im Bereich Klimaneutralität besteht. Wo sollen die herkommen, wenn wir uns nicht jetzt intensiv darum kümmern?

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Ich nenne diesen Bereich nur exemplarisch.

Eine Fachkräfteoffensive muss zielgerichtet sein, und sie ist jetzt dringend erforderlich.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Hier können wir uns Stillstand und Abwarten nicht leisten; denn es geht um viel, weil die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes auf dem Spiel steht. Wir müssen innovativ sein, modern denken, auf der Höhe der Zeit sein und nicht im Alten verharren.

Das genau hat die Enquete in unseren Augen aber zu oft nicht getan. Es ist kein Geheimnis, dass wir Grünen finden, dass das Thema Digitalisierung nicht ausreichend, nicht weitblickend genug und nicht innovativ genug bearbeitet wurde. Zu viel wurde über den Status quo diskutiert, zu viel manchmal in alten Töpfen gerührt, und zu oft wurde darauf beharrt, dass unser Exportschlager, die duale Bildung, auch weiterhin so gut funktioniert wie bisher und ein Selbstläufer bleibt. So ist es aber leider nicht. Dem müssen wir ins Auge sehen, und dem müssen wir Rechnung tragen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Der aktuelle Berufsbildungsbericht zeigt uns deutlich, dass es nicht mehr einfach so weiterläuft. Wir haben einen neuen Tiefstand bei den Ausbildungsverträgen erreicht. Immer weniger Betriebe bilden aus, immer weniger Auszubildende und Betriebe finden zueinander. Das ist ohnehin schon alarmierend, und da ist die kommende Veränderung durch die Digitalisierung noch gar nicht mitgedacht.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir brauchen hier noch mutigere Debatten, mutigere Auseinandersetzungen; dann wäre der Abschlussbericht auch noch etwas ambitionierter und fokussierter geworden. Das ist ein Wermutstropfen, eine Chance, die in unseren Augen nicht so ganz genutzt wurde. Da wünschen wir uns mehr Mut; denn die Chance liegt im Wandel.

Andererseits gibt es aber auch viele positive Aspekte. Wir freuen uns, dass einige Forderungen von uns Grünen eingebracht werden konnten, sodass der Bericht auch etwas Zukunftsweisendes hat und wir nach vorne sehen können. So haben wir uns sehr gefreut, dass wir dann doch noch 400 Azubis befragt haben. Wir wollten ja mehr Öffentlichkeit, mehr Beteiligung. Da gab es anfangs schon ziemlich viel Skepsis. Ich sage da gerade Ihnen von der GroKo: Haben Sie doch mehr Mut zu Transparenz! Denn wir wollen die Menschen doch mitnehmen. Geben Sie sich künftig einen Ruck, und lassen Sie mehr Beteiligung zu!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wichtig war uns Grünen auch, die Fahne für Geschlechtergerechtigkeit und Inklusion hochzuhalten. Auch da ist noch Luft nach oben. Das merkt man, wenn man sich zum Beispiel die Besetzung anschaut. Im Sinne einer modernen Gesellschaft ist da einfach noch Luft nach oben. Es ist Zeit, das endlich selbstverständlich mitzudenken.

Ein großes Anliegen war uns außerdem die Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens. Auch das haben wir immer wieder fokussiert; denn auch das gehört zu einer modernen Gesellschaft ganz maßgeblich dazu. Berufsbilder werden künftig nicht in gleicher Form ein ganzes Berufsleben lang weiterbestehen. Wir wollen und müssen dem Wandel noch viel mehr Aufmerksamkeit und Engagement widmen. Auch das ist eine Herausforderung, von der ich hoffe, dass der nächste Bundestag sie angehen wird, dass er auf Basis des vorgelegten Berichts weiter daran arbeiten wird.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Abschließend möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen aller Fraktionen – ich exkludiere hier jetzt niemanden, wie die SPD-Fraktion – für die gute und kollegiale Zusammenarbeit bedanken. Es hat sich gezeigt, dass die Arbeit in einer solchen Enquete auch ein Herzstück unserer Demokratie ist. Ich freue mich über die viele geleistete konstruktive gemeinsame Arbeit, die Diskussionen, die Auseinandersetzungen, auch wenn hier noch einmal gesagt werden muss, dass wir uns in der zweiten Hälfte der Enquete durchaus weniger Schulterschluss der GroKo und mehr Offenheit für die Vorschläge der Opposition gewünscht hätten. Mein Dank gilt natürlich vor allem unseren Vorsitzenden, Herrn Kaufmann – schön, dass Sie heute hier sind! – und danach Frau Lezius; vielen Dank und auch vonseiten meiner Fraktion alles Gute für Ihren weiteren Weg. Mein Dank gilt meinen Obleutekolleginnen und ‑kollegen, unseren Sachverständigen und ganz besonders dem Sekretariat, das als Maschinenraum der Enquete ganz unglaubliche Arbeit geleistet hat.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD, der AfD, der FDP und der LINKEN)

Last, but not least: Was wären wir ohne unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Fraktionen und in unserem Büros? Ganz herzlichen Dank auch für Ihren großen Einsatz und das tolle Engagement!

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der Abg. Nicole Höchst [AfD])

Vizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich:

Vielen Dank, Frau Kollegin. – Der nächste Redner: der Abgeordnete Stephan Albani, CDU/CSU-Fraktion.

(Beifall bei der CDU/CSU)