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Erinnern heißt kämpfen! Auseinandersetzung mit der NS-Zeit weiter nötig

Zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt Marlene Schönberger, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien:

Heute gedenken wir der Jüdinnen*Juden, der Sinti und Rom*nja, der Opfer des rassistischen Vernichtungskrieges, der politischen Gegner*innen des NS-Regimes, der queeren Opfer, der Kranken und Menschen mit Behinderungen, der Kriegsgefangenen, der von den Nationalsozialisten als „Asoziale“ diffamierten Menschen und den Wehrmachtsdeserteuren. 

Dennoch scheinen zunehmend mehr Menschen zu glauben, dass ein „Schlussstrich“ unter die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Täter*innenschaft gezogen werden sollte. Dass derart viele Menschen in Deutschland glauben, dass man sich zu Genüge mit dem Menschheitsverbrechen der Shoa und der Verantwortung für die Ermordung von über 6 Millionen Jüdinnen*Juden sowie Millionen weiterer Opfer durch Verfolgung, Ermordung und Krieg beschäftigt habe, ist eine in höchstem Maße erschreckende Entwicklung. 

Wir tragen Verantwortung. Es darf kein Vergessen geben. Das Gedenken an die Verbrechen der Nationalsozialist*innen ist eine bleibende und immerwährende Aufgabe. Der Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus verlangt auch angesichts des internationalen Wiedererstarkens der extremen Rechten mehr denn je von uns allen entschlossenes Handeln im Hier und Heute. Wir stehen an der Seite der Überlebenden und der Familien der Ermordeten und Verfolgten und teilen die Forderung: Erinnern heißt kämpfen! 

Antisemitismus, Rassismus, Ableismus, Antiziganismus und Queerfeindlichkeit müssen konsequent bekämpft werden. Beim Antisemitismus darf es keine Scheuklappen geben, jede Erscheinungsform bedroht Jüdinnen*Juden und unsere Gesellschaft als Ganzes: der völkisch-rechtsextreme Antisemitismus, der in Deutschland zur Shoa führte und heute erneut an Stärke gewinnt; krude Verschwörungserzählungen; islamistisch motivierter Judenhass; ebenso wie israelbezogener Antisemitismus, der auch in Teilen der politischen Linken auftritt und nicht zuletzt Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft. 

Entsprechend vielfältig und differenziert müssen auch die Strategien sein, mit denen ihm begegnet wird.

Dazu gehören insbesondere der dringend notwendige, wirksame Schutz von Jüdinnen*Juden und jüdischer Einrichtungen, ein konsequentes Vorgehen gegen antisemitische Hetze und Hasskriminalität, die Stärkung historisch-politischer Bildungsarbeit für alle Altersgruppen, sowie die Förderung einer gegenwartsbezogenen Erinnerungskultur, die von Überlebenden erkämpft wurde und heute von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in Gedenkstätten und an Gedenkorten getragen wird.