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Strategie ohne Perspektive für nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus

Zur heute im Kabinett beschlossenen Nationalen Tourismusstrategie erklärt Stefan Schmidt, Sprecher für Tourismuspolitik:

Die Nationale Tourismusstrategie ist nichts weiter als ein oberflächliches Sammelsurium aus Zielen, Worthülsen und Maßnahmen, die die Bundesregierung längst angekündigt oder beschlossen hat. Unter dem Finanzierungsvorbehalt verkommen aber selbst die vorgeschlagenen Maßnahmen zum reinen Wünsch-Dir-Was. Wo bleibt die Gesamtstrategie für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus, für einen Tourismus, der unsere vielfältigen Reiseregionen stark macht, Natur und Umwelt schützt und sich für die Rechte von Reisenden stark macht?

Der beinahe ideologische Fokus auf die kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit greift viel zu kurz. Der Schwerpunkt auf mehr Flugverkehr und Kreuzfahrten wird den Herausforderungen des Tourismus in Zeiten der Klimakrise in keiner Weise gerecht. Klima- und umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten oder neue Ansätze für die Mobilität vor Ort verkommen im Papier allerdings fast schon zur Randnotiz. Vor dem Hintergrund der Klimakrise nehmen die Maßnahmen für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung in der Strategie viel zu wenig Raum ein. 

Der Verbraucherschutz bleibt ein blinder Fleck in der Strategie. Die Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitskräften sind eine reine Mogelpackung und lösen das akute Personalproblem nicht. Das Ende des 8-Stunden-Tages macht die Branche noch unattraktiver für Beschäftigte. Die steuerfreien Überstundenzuschläge gehen an der Lohnrealität der Tourismusbranche völlig vorbei.

Warme Worte für die Tourismusbranche allein reichen nicht aus. Es braucht eine langfristige Strategie, damit der Tourismusstandort Deutschland auch in Zeiten der Klimaneutralität ab 2045 wettbewerbsfähig bleibt. Diese Perspektive für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismusstandort Deutschland fehlt in der Strategie komplett.