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Kirsten Kappert-Gonther zu den Honorarkürzungen in der Psychotherapie
Zu den Honorarkürzungen in der Psychotherapie erklärt Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Obfrau im Gesundheitsausschuss:
Mit der Entscheidung des Erweiterten Bewertungsausschusses, die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung ab dem 1. April um 4,5 Prozent zu senken, wird eine bestehende Schieflage in unserem Gesundheitssystem weiter verschärft. Gekürzt wird ausgerechnet dort, wo der Versorgungsbedarf wächst und das Hilfesystem vielerorts schon heute an seine Grenzen stößt. Zwar werden gleichzeitig Strukturzuschläge erhöht, doch diese können die Honorarminderung nicht kompensieren.
Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen Sache der Selbstverwaltung. Es ist richtig, dass solche Entscheidungen nicht politisch getroffen werden. In diesem Fall sendet die Kürzung jedoch ein verheerendes Signal - vor allem an Menschen in psychischen Krisen, die dringend auf Unterstützung angewiesen sind.
Die psychische Belastung in der Bevölkerung nimmt seit Jahren zu, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig bleiben viele Betroffene ohne die notwendige Hilfe, weil Kapazitäten fehlen. Patient*innen warten oft monatelang auf einen Therapieplatz - das ist nicht hinnehmbar. Menschen in psychischen Krisen brauchen schnelle und verlässliche Unterstützung, sonst drohen Verschlimmerung und Chronifizierung. Die Honorarkürzung setzt zudem Fehlanreize zulasten gesetzlich Versicherter. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen.
Gerade jetzt brauchen wir das Gegenteil: nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen, damit Menschen schnell und passgenau Hilfe erhalten. Die Bundesregierung ist gefordert, niedrigschwellige Zugänge zu psychosozialer und psychotherapeutischer Versorgung zu schaffen. Die Reform der Bedarfsplanung sowie verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen für Psychotherapeut*innen in Weiterbildung sind überfällig.
Unser Ziel ist klar: mehr Hilfen, weniger Stigma und eine Versorgung, die sich am tatsächlichen Bedarf der psychisch kranken Menschen orientiert. Dafür setzen wir uns konsequent ein.