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Deutsch-britischer Freundschaftsvertrag – Enge Partnerschaft braucht starkes Fundament
Anlässlich der Unterzeichnung des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags am 17. Juli 2025 erklären Omid Nouripour, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss, und Chantal Kopf, Sprecherin für Europapolitik und Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union:
Das Vereinigte Königreich ist für Deutschland einer der engsten Partner außerhalb der EU. Uns verbindet nicht nur eine enge Freundschaft, sondern auch die Mitgliedschaft in der NATO, den Vereinten Nationen sowie der G7 und G20. Gerade in Zeiten wachsender Bedrohungen und Angriffe auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung – insbesondere durch Russland – ist es wichtiger denn je, dass wir als europäische Partner eng zusammenstehen.
Es ist zu begrüßen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz heute gemeinsam mit seinem Amtskollegen Keir Starmer den deutsch-britischen Freundschaftsvertrag in London unterzeichnet und damit den Prozess zum Abschluss bringt. Der Vertrag geht auf eine Initiative der Ampel-Regierung zurück und wurde bereits unter der Federführung des Auswärtigen Amtes unter Außenministerin Annalena Baerbock verhandelt. Die Vertiefung der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich ist eingebettet in eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union. Auch dieses gesamteuropäische Interesse muss die Bundesregierung mit Verve unterstützen.
Für uns steht fest: Um ein neues Kapitel der deutsch-britischen Beziehungen im Post-Brexit-Zeitalter aufzuschlagen, bedarf es eines starken und umfassenden Fundaments. Daher ist es folgerichtig, die strategische Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft weiter zu stärken und ergänzend zu Artikel 5 des NATO-Vertrags und dem Trinity House Agreement ein gegenseitiges Beistandsbekenntnis zu bekräftigen. Neben der vertieften Zusammenarbeit in der Außen-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Klimapolitik gilt es auch, die zivilgesellschaftlichen Verbindungen zu stärken. Denn ein verlässliches bilaterales Verhältnis entsteht nicht zuletzt durch einen intensiven kulturellen, akademischen und wissenschaftlichen Austausch.
Deshalb erwarten wir vom Vertragsgesetz ebenso wie vom angekündigten Aktionsplan, dass sie konkrete Projekte enthalten, die spürbare Verbesserungen im Alltag der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und dem Vereinigten Königreich bewirken und den Austausch nachhaltig stärken. Dazu zählen etwa ein visafreier Jugendaustausch, gemeinsame Technologie- und Forschungsprojekte sowie der Ausbau von Bahnverbindungen. Wir erwarten, dass im weiteren Verlauf die wichtige Rolle der Parlamente angemessen berücksichtigt wird, und wir unterstützen Ideen wie ein deutsch-britisches Parlamentsstipendium.