Antriebswende

Europa beendet das Zeitalter des fossilen Verbrenners

Eine Hand hält einen Ladestecker an die Steckdose eines Elektroautos. Im Hintergrund ein Getreidefeld, ein Windrad und blauer Himmel.
Bahn frei für die Antriebswende und den Klimaschutz. 2035 steigt die Europäische Union aus dem mit Benzin und Diesel betriebenen fossilen Verbrennungsmotor aus. istock | SimonSkafar
11.11.2022
  • Es ist ein Meilenstein grüner Klimaschutzpolitik: EU-Parlament, EU-Kommission und Europäischer Rat (Trilog) haben sich darauf geeinigt, dass Europa spätestens 2035 aus dem fossilen Verbrennungsmotor aussteigt.
  • Die Antriebswende hin zu klimafreundlichen batterieelektrischen Antrieben erhält einen verlässlichen rechtlichen Rahmen; Investitionen in neue Produktionen und Arbeitsplätze werden gesichert.
  • Die Verkehrswende kommt einen entscheidenden Schritt voran. Es braucht für mehr Umwelt- und Gesundheitsschutz aber ambitioniertere Grenzwerte für den Schadstoffausstoß von Pkw und Lkw.

Europäisches Parlament, EU Kommission sowie der Rat der 27 EU-Mitgliedsstaaten haben sich im so genannten Trilog auf ein historisches Ergebnis für den Klimaschutz geeinigt: In der Europäischen Union dürfen ab 2035 nur noch klimaneutrale Neuwagen neu zugelassen werden. Die Automobilhersteller werden verpflichtet, die Flottengrenzwerte, also den Gesamtausstoß neuer Pkw, bis dahin auf null zu senken. Ihre für den europäischen Markt produzierten Autos und Transporter dürfen dann im Betrieb kein CO2 mehr ausstoßen. Damit endet 2035 das Zeitalter herkömmlicher mit Benzin und Diesel betriebener Neuwagen mit Verbrennungsmotor.

Die Antriebswende kommt in feste Bahnen

Mit der Trilog-Entscheidung erhält die Transformation der europäischen Automobilindustrie einen verlässlichen Rahmen. Alle großen Automobilhersteller setzen bereits fest auf eine Zukunft mit batterieelektrischen Antrieben. Die Branche hat nun für weitere Investitionsentscheidungen, etwa in den Aufbau eigener Batterieproduktion, Rechts- und Planungssicherheit. Mit der Antriebswende hin zu klimafreundlichen Fahrzeugen werden zukunftssichere Arbeitsplätze in Europa entstehen.

Das klare Bekenntnis zur Elektromobilität als bevorzugte Antriebsart ist wichtig und war überfällig. Weitere Schritte zur Vermeidung oder zur Verlagerung von Verkehr müssen folgen, um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen.

Stefan Gelbhaar Leiter AG Mobilität

Vorschlag der Kommission zu Euro 7-Norm

Am 10. November 2022 hat die EU Kommission einen Verordnungsvorschlag für neue Euro 7-Standards zur Luftreinhaltung vorgestellt. Die Verordnung zur Euro-Norm legt die Grenzwerte für den Schadstoffausstoß eines Fahrzeugs fest (u.a. Stickstoffoxiden (NOₓ), Partikelmasse (PM) und Partikelanzahl (PN)) und trägt so wesentlich zu mehr Umwelt- und Gesundheitsschutz bei.

Während das Verbrenner-Aus bedeutet, dass ab 2035 nur noch Fahrzeuge neu zugelassen werden dürfen, die kein CO2 emittieren, regelt die Euro 7-Norm die Grenzwerte für Schadstoffe, die am Auspuff entstehen. Erstmalig werden auch Vorschläge zu Grenzwerten für den Schadstoffausstoß durch Reifen und Bremsen gemacht. Diese gelten im gleichen Maß auch für Elektrofahrzeuge.

Die neuen Euro 7-Standards sollen für alle Pkw, Transporter und Busse ab 1. Juli 2025 und für Lkw ab 1. Juli 2026 gelten. Dabei sollen die Testbedingungen im Realbetrieb und die Schadstoffgrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge und Busse deutlich verschärft werden. In einem nächsten Schritt werden sich der Europäische Rat und das Europaparlament zu dem Kommissionsvorschlag positionieren, danach wird eine Einigung im Trilogverfahren angestrebt.

Aus Sicht von uns Grünen im Bundestag ist es gut, dass der neue Kommissionsvorschlag den Blick auf das gesamte Fahrzeug weitet. Das kommt der Umwelt wie auch der Gesundheit von Mensch und Tier zu Gute. Auch die deutliche Grenzwertverschärfung für Lkw und Busse ist gut, denn deren Schadstoffausstoß bei Reifenabrieb und Bremsen fällt stärker ins Gewicht als beim Auto.  

Dennoch bleibt der Kommissionsvorschlag hinter den Empfehlungen des eigenen Expert*innen-Gremiums zurück. Im Pkw-Bereich bleiben die zehn Jahre alten Euro 6-Grenzwerte einfach bestehen. Das trägt nicht dazu bei, dass ab 2025 die Luft vor allem in Städten sauberer wird.

Wir Grüne im Bundestag setzen uns dafür ein, dass Deutschland sich im Europäischen Rat für ambitioniertere Schadstoffgrenzwerte im Bereich Pkw und leichte Nutzfahrzeuge einsetzt.

Verbrenner-Aus ist epochaler Schritt

Die Entscheidung der EU zum Verbrenner-Aus bleibt allerdings ein epochaler Schritt für den Klimaschutz im Verkehr: Seit 2017 haben wir uns dafür eingesetzt und dabei zunehmend Unterstützung von Expert*innen erhalten. Die neuen europäischen Vorgaben für Neuwagen festigen das nationale Klimaschutzziel: Bis 2030 müssen die CO2-Emissionen des Verkehrs um annähernd die Hälfte verringert werden. Bis dahin sollen mindestens 15 Millionen vollelektrische Pkw herkömmliche Pkw ersetzen und der Ausbau erneuerbarer Energie entsprechend fortgesetzt werden.

Um von seinen viel zu hohen CO2-Emissionen runter zu kommen, muss Verkehrsminister Wissing auf Grundlage des Klimaschutzgesetzes ambitionierte Maßnahmen für das Klimaschutzsofortprogramm im Bereich Verkehr vorlegen. Die Antriebswende allein kann die CO2-Lücke nicht schließen. Es müssen mehr Mittel für die Schiene als für die Straße im Haushalt verankert werden, um eine klima- und umweltfreundliche Verkehrsverlagerung voranzutreiben.