Veröffentlicht am

EU-Mercosur Abkommen vorläufig in Kraft setzen

  • Angesichts der geopolitischen Lage muss die EU mit anderen Ländern, die Interesse an Regeln und verlässlicher Kooperation haben, Bündnisse schließen.
  • Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die EU-Kommission den Handelsteil des EU-Mercosur-Abkommens jetzt vorläufig in Kraft setzt.
  • Es war ein Fehler, dass es im Europaparlament auch mit Stimmen der Rechtsextremen zu einer Mehrheit für die rechtliche Prüfung des Abkommens kam.

In Zeiten von Handelskriegen und rücksichtsloser Großmachtpolitik ist es wichtig, neue wirtschaftliche Partnerschaften zu schließen, um unseren Außenhandel zu diversifizieren. Deshalb ist es von großer geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung, dass die EU-Kommission den Handelsteil des Abkommens der EU mit den Mercosur-Staaten – wie in vergleichbaren Fällen – in die vorläufige Anwendung bringt.

Zur EU-Mercosur Abstimmung

Die Entscheidung des Europaparlaments das EU-Mercosur Abkommen zur rechtlichen Prüfung an den europäischen Gerichtshof (EuGH) zu überweisen, war mit Blick auf das politische Signal falsch. Doch es war keine Entscheidung gegen das Abkommen. Das Abkommen kann trotzdem ohne Verzögerungen vorläufig in Kraft treten. Dazu kommt, dass die polnische Regierung eine rechtliche Prüfung ohnehin angekündigt hatte. 

Es war ein Fehler, dass es unbeabsichtigt auch mit Stimmen der Rechtsextremen zu einer Mehrheit für die Prüfung kam. Die Brandmauer ist wichtig, es darf auf keiner Ebene eine Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen geben. Neben den Linken, den Rechten und der Mehrheit der Grünen/EFA Fraktion haben auch 43 Konservative, 34 Sozialdemokrat*innen und 24 Liberale für die rechtliche Überprüfung des Abkommens gestimmt. Das zeigt: Wir brauchen in der pro-europäischen Mitte verlässliche demokratische Mehrheiten, damit die Mehrheitsverhältnisse bei Abstimmungen nicht bis zuletzt völlig unklar bleiben. Doch leider arbeitet gerade die konservative EVP unter Manfred Weber im EU-Parlament immer wieder gezielt mit Rechtsextremen zusammen.

In den Verhandlungen haben wir uns erfolgreich dafür eingesetzt, dass Klimaschutz und der Schutz des Amazonas-Regenwaldes und anderer Ökosysteme sowie die Achtung von Menschenrechten eine zentrale Rolle in dem Abkommen spielen. Auch wenn aus aktuellen geopolitischen Gesichtspunkten der zügige Abschluss des Abkommens die richtige Entscheidung ist und die Grüne Bundestagsfraktion auch die Beschlussfassung des Abkommens unterstützt, gibt es Bestandteile des Abkommens, die wir kritisch sehen. Trotz der Aufnahme des Pariser Klimaabkommens als essenzieller Teil des Abkommens und der erstmaligen Ergänzung des Nachhaltigkeitskapitels um Waldschutzziele, fehlen weiterhin konkrete und wirksame Umsetzungsmechanismen. 

Unser Ziel als Grüne Bundestagsfraktion bleibt unverändert: Wir wollen faire und langfristige Beziehungen mit unseren globalen Partnern stärken und ausbauen. Das haben wir detailliert bereits in unserem Wirtschaftsantrag 2045 klargestellt.

Für globale Regeln und Kooperation

Wir erleben einen Epochenbruch – Völkerrecht, die jahrzehntelang stabile internationale Ordnung und der Multilateralismus sind massiven Attacken ausgesetzt. Deshalb wollen wir eine „Allianz der Gegenmacht“ schmieden – ein pragmatisches Bündnis der Staaten, die auf faire Zusammenarbeit und verlässliche Regeln setzen. Dazu gehören Partner wie Kanada, Japan oder Australien, aber auch Länder des Globalen Südens. Wenn ein Partner unter Druck gesetzt wird, stehen wir füreinander ein – etwa durch gegenseitigen handelspolitischen Beistand.

Deutschland und Europa müssen ihre internationalen Partnerschaften vertiefen, diversifizieren und besonders mit dem Globalen Süden eine gleichberechtigte Zusammenarbeit suchen. Um dieses Ziel zu erreichen, sollte die EU ein neues plurilaterales Handelsabkommen initiieren, welches faire Handelsbeziehungen mit hohen Standards zum gegenseitigen Vorteil ermöglicht. Das Abkommen über Klimawandel, Handel und Nachhaltigkeit (ACCTS) zeigt, dass gerechte und ökologische Handelsregeln möglich sind. Die EU sollte sich anschließen und weitere Partner einladen. Hinzu kommt die Notwendigkeit, sektorale Handelsabkommen für bestimmte Waren und Dienstleistungen, die schneller zu verhandeln sind, abzuschließen. 

Nicht nur auf Grund der US-Zollpolitik, ist die EU außerdem zwingend gefordert, den EU-Binnenmarkt zu vertiefen und diesen gegen unfaire Handelspraktiken mit den zur Verfügung stehenden Instrumenten zu schützen. Wirtschaft darf nicht länger als isoliertes Element, sondern im Kontext von strategischer Autonomie und Resilienz gesehen werden. Europa kann Spitzentechnologie produzieren, Rohstoffe durch Kreislaufwirtschaft in Europa halten und den Binnenmarkt zum zentralen Absatzmarkt für unsere Produkte weiter ausbauen. Nur so schaffen wir innere Stärke und damit Handlungsfähigkeit in einer Welt, die wir nicht dem Diktat autoritärer Kräfte überlassen dürfen.

Weitere Meldungen zum Thema

Wirtschaft jetzt stärken: Unser Sofortprogramm

Unsere Wirtschaft steht weiter vor großen Herausforderungen und der Bundesregierung fehlt die Strategie. Wir fordern jetzt ein Sofortprogramm der Bundesregierung und zeigen auf, wie wir unsere Wirtschaft stärken wollen.

Fachtext
Fachtext: Wirtschaft jetzt stärken: Unser Sofortprogramm
Stefan Schmidt: Strategie ohne Perspektive für nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus

Die Nationale Tourismusstrategie ist nichts weiter als ein oberflächliches Sammelsurium aus Zielen, Worthülsen und Maßnahmen, die die Bundesregierung längst angekündigt oder beschlossen hat.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Stefan Schmidt: Strategie ohne Perspektive für nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus
Katharina Dröge zu den Themen USA, Syrien und Lage der Wirtschaft.

Heute ist der Tag, an dem der Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen endgültig in Kraft tritt.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Katharina Dröge zu den Themen USA, Syrien und Lage der Wirtschaft.
EU-Mercosur Abkommen vorläufig in Kraft setzen

Angesichts der geopolitischen Lage gilt es neue Partnerschaften zu schließen. Die EU-Kommission sollte den Handelsteil des Mercosur-Abkommens jetzt vorläufig in Kraft setzen.

Fachtext
Fachtext: EU-Mercosur Abkommen vorläufig in Kraft setzen
Sebastian Schäfer: Bundesregierung verspricht viel und hält wenig

Der Haushaltsabschluss 2025 zeigt vor allem eines: Diese Bundesregierung kündigt vieles an, aber in der Wirklichkeit passiert fast nichts.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Sebastian Schäfer: Bundesregierung verspricht viel und hält wenig
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

5 Postkarten liegen auf einem Tisch

Postkarten-Set

Grüne Grüße aus dem Bundestag

Sonstiges
Zur Publikation: Postkarten-Set
Ein Vogel fligt auf eine Roboterhand zu.

Rückenwind für neue Ideen

Unsere Forschungspolitik ermöglicht Innovationen zum Wohl von Mensch und Umwelt.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Rückenwind für neue Ideen

Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag

Hier lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag