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Filmstandort Deutschland retten: Jetzt gesetzlich handeln
- Der kriselnde Filmstandort Deutschland muss nachhaltig gestärkt werden. Dafür sind klare gesetzliche Regelungen erforderlich.
- Die Pläne des Staatsministers für freiwillige Investitionen reichen nicht aus, sondern führen zu Nachteilen im europäischen und internationalen Wettbewerb.
- Kinos brauchen eine verlässliche Unterstützung und Planungssicherheit durch das erfolgreiche Programm “Zukunft Kino”.
Die Lage der deutschen Filmbranche ist äußerst ernst. 85 Prozent der Produzent*innen schätzen die wirtschaftliche Situation inzwischen als schlecht oder sehr schlecht ein. Das ist ein dramatischer Anstieg gegenüber den Vorjahren. Anstatt schnell zu handeln und klare gesetzliche Regelungen auf den Weg zu bringen, verschwendet die Bundesregierung seit Monaten wertvolle Zeit. Das ist eine Zumutung für die deutsche Filmbranche und gefährdet zahllose Arbeitsplätze.
Nachdem Ende 2024 noch unter der Ampelregierung mit der Reform der deutschen Filmförderung ein erster großer Grundstein für die Zukunft des Filmstandortes Deutschlands gelegt wurde, muss die Branche weiterhin auf eine nachhaltige weiterführende Reform warten. Der Staatsminister für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, hat zwar die Haushaltsmittel der deutschen Filmförderung deutlich aufgestockt, sich jedoch gegen eine gesetzliche Lösung entschieden, die die Filmbranche langfristig stärken würde. Obwohl der Staatsminister selbst diagnostiziert hat, dass die deutsche Filmwirtschaft „mit dem Rücken zur Wand“ stehe, weigert er sich, eine Investitionsverpflichtung für Streaminganbieter einzuführen. Obendrein sind seine Vorstöße nicht einmal in den Reihen der eigenen Koalition abgestimmt und führen nun zum öffentlichen Streit zwischen Union und SPD, während wertvolle Zeit verstreicht. Es ist offensichtlich, dass Weimer trotz großer Worte den Konflikt mit Netflix und Co. scheut und hofft, die Filmbranche mit kurzfristigen Schlagzeilen über möglichen Investitionen ruhig zu stellen. Doch die von ihm angekündigten Investitionssummen für den Filmstandort Deutschland sind eine große Luftnummer. Viele der Investitionen waren ohnehin geplant und was am Ende wirklich fließen wird, ist völlig unklar. Für den Filmstandort schafft das keine Planungssicherheit und damit keine nachhaltigen Lösungen oder Verbesserungen.
Neue Modelle einführen
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/die Grünen fordert in ihrem Antrag Film- und Kinostandort Deutschland stärken die Einführung eines steuerbasierten Anreizmodells nach Vorbild der Forschungs- und Entwicklungszulage und das die bestehende Filmabgabe ergänzt. Viele andere europäische Länder, die derzeit sehr viel erfolgreicher Filme produzieren, arbeiten bereits mit ähnlichen Steuermodellen. Zusammen mit einer gesetzlichen Investitionsverpflichtung würde der deutsche Produktionsstandort wieder deutlich gestärkt werden, Arbeitsplätze gesichert und der Braindrain verhindert werden.
Streaminganbieter einbeziehen
Streaminganbieter erzielen auf dem deutschen Markt mittlerweile erhebliche Umsätze und profitieren von den bestehenden Förderinstrumenten. Trotzdem tragen sie bisher nicht angemessen zur Finanzierung des Produktionsstandortes bei. Eine Investitionsverpflichtung würde einen fairen Beitrag der Plattformen zur Sicherung der kulturellen Vielfalt bedeuten. Dabei bleibt die unternehmerische Freiheit gewahrt. Auch hier haben viele andere europäische Länder wie Belgien, Spanien und Frankreich vorgemacht, wie eine erfolgreiche Investitionsverpflichtung den Produktionsstandort nachhaltig finanzieren würde. Es ist also jetzt Zeit zu handeln, um die kreative Kraft der deutschen Filmbranche auch in Zukunft zu bewahren.
Kinos stärken
Wer den Filmstandort Deutschland stärken will, muss auch die Kinos mitdenken. Sie sind wichtige Orte der Begegnung, besonders in ländlichen Räumen. Kinos haben Investitionsbedarfe für neue Projektoren, Renovierungen oder energetische Modernisierungen im dreistelligen Millionenbereich und das jährlich. Es ist fatal, dass die Bundesregierung für das „Zukunftsprogramm Kino“ im Haushalt 2026 keine neuen Mittel eingestellt hat. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, das erfolgreiche Zukunftsprogramm dauerhaft zu sichern und weiterzuentwickeln.
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