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Eine gemeinsame Perspektive für Landwirtschaft und Ernährung
- Aktuell finden auf EU-Ebene die Verhandlungen zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen und zur Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 (GAP) statt. Die Kommission hatte am 16. Juli 2025 einen Vorschlag dafür vorgelegt. Dieser ist kein zukunftsfähiger Reformvorschlag, sondern ein beispielloser Rückschritt in der Geschichte der GAP.
- Wir setzten uns für eine starke GAP nach 2027 ein. Diese muss eine zukunftsfähige, widerstandsfähige, klimafreundliche und ökologische Landwirtschaft in den Mittelpunkt stellen.
Für eine Gemeinsame Agrarpolitik mit Zukunft – gemeinwohlorientiert, ökologischer, einfacher
Aktuell finden auf EU-Ebene die Verhandlungen zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen und zur Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2027 (GAP) statt. Die Kommission hatte am 16. Juli 2025 einen Vorschlag dafür vorgelegt. Dieser ist kein zukunftsfähiger Reformvorschlag, sondern ein beispielloser Rückschritt in der Geschichte der GAP. Basisregeln, Umweltstandards und Förderkriterien sind in Zukunft nun Sache der Mitgliedsstaaten. Das Einzige was sicher ist, sind die Direktzahlungen an Landwirt*innen. Sie sollen weiterhin gezahlt werden, ganz ohne ökologische Gegenleistung. Auf der anderen Seite gibt es für Ökolandbau, Agrarumwelt- und -klimamaßnahmen keine festen Gelder mehr.
Die vorgeschlagene Ausrichtung gefährdet die Erreichung der europäischen Klima-, Umwelt- und Sozialziele, anstatt diese voranzutreiben. Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt und Unsicherheiten können die Folge sein. Unsere Ernährungssicherheit wird riskiert. Das sieht auch der EU-Rechnungshof so. Die Bundesregierung hat sich bis heute offiziell nicht dazu positioniert und Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer glänzt mit Abwesenheit bei Agrarrats-Sitzungen. Damit wird sie ihrer Rolle als Fürsprecherin einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft in Deutschland nicht gerecht. Das ist dramatisch.
Um in Europa auch für die nächsten Jahrzehnte eine vielfältige Landwirtschaft und Agrarstruktur zu erhalten, ist eine nachhaltige Ausrichtung – sozial, ökologisch und ökonomisch – unabdingbar. Die kommende Förderperiode bietet die Chance, das in der Wissenschaft und durch Branchengremien breit abgestimmte Ziel – pauschale Flächenprämien konsequent in wirtschaftlich attraktive Umwelt-, Klima- und Tierschutzmaßnahmen von Bäuerinnen und Bauern umzuwandeln – tatsächlich zu verwirklichen sowie gleichzeitig die Struktur der GAP zu vereinfachen.
Denn klar ist, öffentliche Gelder müssen für öffentliche Leistungen ausgegeben werden. Steuergelder müssen einen Mehrwert für die Gesellschaft leisten. Die GAP sollte zudem im Einklang mit entwicklungspolitischen Zielsetzungen stehen und die globale Ernährungssouveränität stärken.
Was wollen wir erreichen?
Wir wollen die GAP zu einem echten Hebel für Umwelt-, Klima- und Tierschutz machen. Ziel ist eine krisenfeste, vielfältige und zukunftsfähige Landwirtschaft in allen Regionen Europas. Dafür brauchen wir eine starke, gemeinsame Agrarpolitik, die konsequent auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Wir kämpfen für eine hundertprozentige gemeinwohlorientierte Gemeinsame Agrarpolitik.
Europa muss beim Schutz der biologischen Vielfalt, der Renaturierung von Landschaften und dem klimafreundlichen Umbau der Landwirtschaft vorangehen. Denn nur mit gesunden Böden, sauberem Wasser und stabilen Ökosystemen sichern wir unsere Ernährung, sowohl heute, als auch für die kommende Generationen. Um das zu erreichen, fordern wir in unserem Antrag eine grundlegende Überarbeitung des Kommissionsvorschlags, sodass öffentliche Gelder für öffentliche Leistungen ausgegeben werden.
Warum wollen wir das?
Wenn Arten sterben, Böden erodieren und Extremwetter zunehmen, trifft das zuerst die Landwirtschaft, aber am Ende uns alle. Doch die EU verfehlt schon heute ihre Biodiversitätsziele. Laut EU-Kommission sind 80 Prozent der Lebensräume in schlechtem Zustand. Gleichzeitig lohnt es sich für die Landwirt*innen meistens finanziell nicht, Umwelt-, Klima-, oder Tierschutzmaßnahmen umzusetzen. Wir wollen das ändern: mit fairer, einfacher Förderung, die öffentliches Geld für öffentliche Leistungen einsetzt. Landwirt*innen, die im Sinne des Gemeinwohls wirtschaften, sollen spürbar profitieren. So stärken wir ländlichen Räume, sichern die Ernährung und erhalten unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Das bedeutet Resilienz, Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit.
Was fordern wir konkret ?
- EU-weit einheitliche ambitionierte ökologische sowie soziale Mindeststandards: Diese müssen als Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln aus der GAP gelten.
- Pauschale Flächenprämien der GAP müssen auslaufen: Sie müssen durch eine vollständige Honorierung von Umwelt-, Klima- und Tierschutzleistungen ersetzt werden.
- Eigenständiger Natur-Fonds zur Umsetzung des Nature Restoration Law: Die Wiederherstellung unserer Ökosysteme braucht eine verlässliche Finanzierung.
- Junglandwirt*innen, Frauen und Neueinsteiger*innen gezielt fördern: Die Zukunft der Landwirtschaft braucht neue Ideen und engagierte Menschen. Wir wollen diese gezielt fördern.
- Öko-Vorreiter entlasten: Wer schon heute besonders umweltverträglich wirtschaftet, muss weniger dokumentieren und kontrollieren. Das „Green by concept“-Prinzip schafft klare Anreize für den Bio-Umstieg.
- Menschen in ländlichen Räumen unterstützen: Wir setzen uns dafür, dass Programme zur Förderung der ländlichen Entwicklung und zur Unterstützung von Menschen und Initiativen vor Ort (LEADER) erhalten und ausgebaut werden.
Unsere Vision: Eine GAP, die Zukunft sichert
Die GAP muss mehr sein als ein Förderinstrument, sie ist ein Schlüssel zur Zukunft der europäischen Landwirtschaft. Eine Zukunft, in der Bauernhöfe klimafest sind, der Natur wieder Räume gibt und die Menschen in ländlichen Räumen Perspektiven haben.
Das Letzte, was es dafür braucht, ist der Abbau von Umweltstandards unter dem Deckmantel des Bürokratieabbaus. Wir stehen für eine europäische Agrarpolitik, die Umweltschutz, Tierschutz und Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Die GAP nach 2027 muss ein Motor für den Green Deal und die Umsetzung internationaler Abkommen wie dem Weltnaturabkommen von Montreal werden.
Jetzt ist die Zeit, Weichen richtig zu stellen. Die aktuellen EU-Verhandlungen sind dafür eine Richtungsentscheidung. Wir sagen klar: Rollback stoppen. Zukunft gestalten.
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