Veröffentlicht am

Konsequent gegen Diskriminierung im Alter

  • Der Neunte Altenbericht bestätigt, dass Teilhabechancen sozial ungleich verteilt sind. Dies wird besonders deutlich, wenn mehrerer Merkmale sozialer Ungleichheit zusammenkommen.
  • Diskriminierung aufgrund des Alters, eines Migrationshintergrunds oder der sexuellen Orientierung kann zu gravierenden Benachteiligungen führen. Doch die Bundesregierung drückt sich vor entschiedenen Gegenmaßnahmen.
  • Wir Grüne im Bundestag setzen uns für eine diversitätssensible Pflege und Altenhilfe, für mehr Sichtbarkeit von Vielfalt und für die Absicherung von Unterstützungsnetzwerken ein.

Wenige Antworten auf Bewerbungen mit 55 Jahren? Kaum spezialisierte Pflegeangebote für queere Menschen oder andere Kulturen? Der Neunte Altenbericht hat dargelegt, dass dies keine Klischees, sondern Realitäten sind.

Teilhabechancen sind ungleich verteilt – Diskriminierung findet statt

Studien zeigen, dass ältere Menschen im Vergleich zu jüngeren seltener Arbeitsplatzangebote und weniger Angebote für Weiterbildung, Beförderungen und neue Aufgabenbereiche erhalten. Der sogenannte „Ageismus“ äußert sich am Arbeitsplatz, aber auch durch Witze oder herabwürdigende Kommentare aufgrund des Alters. Ältere Menschen mit Migrationshintergrund verfügen im Durchschnitt über niedrigere Bildungsabschlüsse und eine niedrigere Rente als deutsche Senior*innen. Sie stoßen auf Sprach- oder Informationsbarrieren im Gesundheitswesen. Ältere LSBTQI*-Personen leben häufiger allein und haben im Durchschnitt eine höhere psychische Belastung als Heterosexuelle. 

All dies sind wichtige Befunde des Berichts der Neunten Altenberichtskommission Alt werden in Deutschland – Vielfalt der Potenziale und Ungleichheit der Teilhabechancen“, der unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Martina Brandt erarbeitet wurde. Er wurde im Auftrag der ehemaligen Bundesseniorenministerin Lisa Paus im Zeitraum von 2022 bis 2024 verfasst und leistet den wichtigen Beitrag, die verschiedenen Formen der Diskriminierung sichtbar zu machen und die vorhandene Vielfalt in der älteren Generation darzustellen. 

Die Bundesregierung steckt den Kopf in den Sand

Wir Grüne im Bundestag haben eingefordert, dass die dazugehörige Unterrichtung und Stellungnahme der Bundesregierung im Plenum des Bundestages debattiert wird. Und das war auch wichtig, denn die Bundesregierung stellte direkt zu Beginn ihrer Stellungnahme zum Bericht klar, dass knappe Haushaltsmittel keinen Spielraum für neue Ausgaben und damit Maßnahmen ließen. Stattdessen solle geprüft werden, inwiefern vorhandene Haushaltsmittel für eine teilhabeorientierte Altenpolitik genutzt werden könnten. Ansonsten verweist sie auf vorhandene Maßnahmen und Programme. Übersetzt heißt das: Es passiert nichts. Doch das können und sollten wir uns als Gesellschaft nicht leisten. 

Dabei hat die Kommission des Neunten Altenberichts wertvolle Empfehlungen ausgesprochen. Zielbild ist die Förderung und Ermöglichung der selbstbestimmten und gleichberechtigten Teilhabe aller älteren Menschen in Deutschland. Dafür müssen ungleiche Teilhabechancen bewusst ausgeglichen und benachteiligte Gruppen gezielt integriert und angesprochen werden. 

Empfehlungen der Kommission umsetzen

Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen ist ein Schlüsselfaktor, um Armut im Rentenalter zu vermeiden. Eine Voraussetzung dafür ist eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in Deutschland. Die Kommission empfiehlt dazu die Einführung eines Lohnersatzes für pflegedingte Auszeiten während der Pflegezeit oder der Familienpflegezeit. Diese Forderung unterstützen wir Grüne im Bundestag. Die Bundesregierung hat zusammen mit den Bundesländern aber kürzlich erst beschlossen, dieses Thema bis 2027 unverbindlich zu prüfen - unter Berücksichtigung der Haushaltslage. Das kommt einer Absage gleich. 

Weitere Empfehlungen umfassen beispielsweise die Durchführung einer Kampagne gegen Ageismus, eine diversitätssensible Gestaltung von Altenhilfestrukturen und die Schaffung von generationsübergreifenden Orten der Begegnung der LGBTQI-Community. Außerdem müssen die Versorgungsnachteile einzelner Gruppen älterer Menschen im Gesundheitswesen abgebaut werden, etwa durch Sprachmittlung oder die Schaffung spezialisierter Pflegeangebote. Unsere pflegepolitische Sprecherin Simone Fischer hat in der Aussprache zum Neunten Altenbericht die Bundesregierung aufgefordert, den Hinweisen der Kommission zu folgen und aktiv zu werden. 

Weitere Texte und Dokumente zum Thema

Konsequent gegen Diskriminierung im Alter

Der Neunte Altenbericht zeigt: Teilhabechancen von älteren Menschen sind ungleich verteilt. Diskriminierung aufgrund des Alters, eines Migrationshintergrunds oder der sexuellen Orientierung findet statt.

Fachtext
Fachtext: Konsequent gegen Diskriminierung im Alter
Gewalt gegen Aktive vor Ort stoppen

Bedrohungen und Einschüchterungen von Politiker*innen und Wahlhelfer*innen sind nicht hinnehmbar. Die Anlaufstelle "Starke Stelle" bietet Unterstützung bei Bedrohungen oder Anfeindung.

Fachtext
Fachtext: Gewalt gegen Aktive vor Ort stoppen
Einstufung der AfD und mögliches Verbotsverfahren

Bei der AfD handelt es sich möglicherweise um eine "gesichert rechtsextremistische Bestrebung". Diese Einstufung wird gerade gerichtlich überprüft.

Fachtext
Fachtext: Einstufung der AfD und mögliches Verbotsverfahren
Autor*innenpapier: Aufschwung für die Wirtschaft - Was jetzt zu tun ist

Wir stehen entschieden: Für Technologien der klimaneutralen und ökologischen Zukunft, für Industrie und Produktion in Deutschland und Europa und für gute Jobs und sichere Arbeitsplätze. Ein lautes Ja zu neuem wirtschaftlichen Aufschwung.

Autor*innenpapier
Autor*innenpapier herunterladen: Autor*innenpapier: Aufschwung für die Wirtschaft - Was jetzt zu tun ist
Reformen angehen statt Stillstand verwalten - Für ein Sofortprogramm Zukunft

Die Rente reicht oft nicht, Arzttermine sind Mangelware und gute Pflege ist extrem teuer geworden. Wir schlagen deshalb ein „Sofortprogramm Zukunft“ vor, um unseren Sozialstaat endlich gerechter, digitaler und fit für morgen zu machen.

Autor*innenpapier
Autor*innenpapier herunterladen: Reformen angehen statt Stillstand verwalten - Für ein Sofortprogramm Zukunft
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

Ein Mann im Rollstuhl und eine Frau zusammen auf einem Weg in einem Park, darüber steht der Titel der Broschüre "Barrierefrei für alle", oben rechts das Logo der Grünen-Bundestagsfraktion

Barrierefrei für alle in Leichter Sprache

Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Barrierefrei für alle in Leichter Sprache

LSBTIQ*-Rechte sind Menschenrechte

Wir treten für den Schutz und die Würde von LSBTIQ*-Personen ein.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: LSBTIQ*-Rechte sind Menschenrechte

Menschenrechte stärken!

Unsere Menschenrechtspolitik stellt den Schutz der Schwächsten ins Zentrum: weltweit.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Menschenrechte stärken!