Veröffentlicht am

Militärische Evakuierungsmission im Sudan

  • Die Sicherheitslage im Sudan verschlechterte sich im April 2023 rapide. Zunehmend sind auch Zivilistinnen und Zivilisten von der Gewalt betroffen.
  • Der Bundestag stimmte nachträglich einer militärischen Evakuierungsmission deutscher Staatsangehöriger aus dem Sudan zu.
  • Derzeit sind keine weiteren Evakuierungsflüge durch die Luftwaffe geplant. Das Mandat endet am 31. Mai 2023.

Einheiten der sudanesischen Armee und der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) liefern sich seit Mitte April erbitterte Kämpfe mit zahlreichen Toten und Verletzten. Direkt nach Ausbruch der ersten Kampfhandlungen trat am 15. April das erste Mal der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt zusammen. Vor dem Hintergrund dieser Gewalteskalation entschied sich die Bundesregierung, ebenso wie andere Partnernationen, für eine militärische Evakuierungsmission. Dabei stimmte sich die Bundesregierung eng mit den Hilfsangeboten anderer befreundeter Staaten ab.

Seit dem 23. April wurden durch die Bundeswehr mehr als 700 Personen, darunter mehr als 190 Deutsche, weitere berechtigte Personen und Staatsangehörige von über 40 Ländern aus dem Sudan ausgeflogen. Derzeit sind keine weiteren Evakuierungsflüge durch die Luftwaffe geplant.

Nachträgliche Mandatierung

Das Mandat für die Evakuierungsmission ist ein Sonderfall. Nach § 5 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes bedürfen Einsätze zur Rettung von Menschen aus besonderen Gefahrenlagen keiner vorherigen Zustimmung, solange durch die öffentliche Befassung des Bundestages das Leben der zu rettenden Menschen gefährdet würde. "Bei Gefahr im Verzug ist die Bundesregierung“, laut Bundesverfassungsgericht (2 BvE 6/11), „ausnahmsweise berechtigt, den Einsatz bewaffneter Streitkräfte vorläufig allein zu beschließen.“ In solchen Fällen muss sie das Parlament dann umgehend mit dem Einsatz befassen.

Dies ist am 26. April geschehen. Der Bundestag hat der Evakuierungsmission nachträglich und ohne Gegenstimmen zugestimmt. Das Mandat ist bis zum 31. Mai 2023 befristet. Dies stellt sicher, dass die Bundesregierung über die notwendige Flexibilität verfügt, um notfalls in den kommenden Wochen weitere Evakuierungen vornehmen zu können. Im Rahmen des Mandats können bis zu 1.600 Soldatinnen und Soldaten eingesetzt werden. Die völkerrechtliche Grundlage des Mandatstexts bildet die Zustimmung der sudanesischen Regierung.

Ausblick Lage im Sudan

Unter dem Machtkampf im Sudan leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Der Gewaltausbruch ist ein herber Rückschlag für die Demokratiebewegung in dem Land. Der Sudan ist mit seinen Vorkommen an Öl und Gold ein besonders rohstoffreiches Land – trotzdem lebt ein Großteil der circa 46 Millionen Einwohner in Armut. Ihre Lage hat sich durch die Kämpfe nochmal verschlechtert. Das Welternährungsprogramm musste seine Tätigkeit vorläufig einstellen.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat bekräftigt, dass die Bundesregierung sich „auf allen diplomatischen Kanälen“ für einen Waffenstillstand in Sudan einsetzt. Die Menschen im Sudan benötigen sofortige humanitäre Hilfe. Es braucht dringend humanitäre Zugänge ins Land. Annalena Baerbock unterstrich in der Bundestagsdebatte am 26. April 2023: „Ich möchte an dieser Stelle […] deutlich machen: Wir schauen nicht weg. Wir schauen weiter hin, auch wenn das Thema aus den Medien jetzt schon langsam verschwindet; denn die Menschen im Sudan brauchen weiter unsere Hilfe.“

Antrag

Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte zur militärischen Evakuierung aus Sudan

Weitere Meldungen zum Thema

Deutschland resilient machen - mit einem KRITIS-Dachgesetz

Zugausfälle wegen Angriffen auf Bahngleise oder ein lahmgelegtes Bürgeramt. Fast täglich gibt es digitale und physische Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur. Wir brauchen einheitliche Schutzstandards um resilienter zu werden.

Fachtext
Fachtext: Deutschland resilient machen - mit einem KRITIS-Dachgesetz
Sebastian Schäfer und Robin Wagener: Beschaffungspolitik Marine: Mut statt Milliardengrab

Verschwiegen, verschleiert, ohne klaren Kompass. Viel zu lange hat Minister Pistorius dem Beschaffungsdesaster rund um die Fregatte F 126 zugesehen.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Sebastian Schäfer und Robin Wagener: Beschaffungspolitik Marine: Mut statt Milliardengrab
Irene Mihalic und Konstantin von Notz: Verhaftung einer mutmaßlichen Spionin zeigt: Behörden müssen weiter wachsam sein!

Die Ermittlungen des Generalbundesanwalts zeigen erneut die immanente Bedrohung durch Spionage für unsere Sicherheit.

Pressemitteilung
Pressemitteilung: Irene Mihalic und Konstantin von Notz: Verhaftung einer mutmaßlichen Spionin zeigt: Behörden müssen weiter wachsam sein!
Fraktionsvorstandsbeschluss: Für eine europäische Strategie der Gegenmacht - Für globale Regeln und Kooperation

Wir sind überzeugt: Multilateralismus ist in dieser Zeit kein „nice to have“, sondern essenzielle Überlebensstrategie für unser aller Sicherheit. Fraktionsvorstandsbeschluss vom 19. Januar 2026.

Beschluss
Beschluss herunterladen: Fraktionsvorstandsbeschluss: Für eine europäische Strategie der Gegenmacht - Für globale Regeln und Kooperation
Fraktionsvorstandsbeschluss: Für eine europäische Strategie der Gegenmacht - Für globale Regeln und Kooperation

Wir sind überzeugt: Multilateralismus ist in dieser Zeit kein „nice to have“, sondern essenzielle Überlebensstrategie für unser aller Sicherheit. Fraktionsvorstandsbeschluss vom 19. Januar 2026.

Beschluss
Beschluss herunterladen: Fraktionsvorstandsbeschluss: Für eine europäische Strategie der Gegenmacht - Für globale Regeln und Kooperation
Es wurden keine Treffer gefunden.

Unsere Publikationen

Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag

Hier lernen Sie uns und unsere Arbeit kennen.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Die grüne Fraktion im 21. Deutschen Bundestag
Das Logo für Menschenrechte, das die Silhouette einer offenen Hand mit der eines Vogels (Friedenstaube) vereint, in Blau auf grünem Hintergrund.

Im Auftrag der Zukunft: Grüne Außenpolitik

Wir treiben eine strategische Neuausrichtung und wertegeleitete Außen- und Sicherheitspolitik voran.

Flyer & Broschüren
Zur Publikation: Im Auftrag der Zukunft: Grüne Außenpolitik
Zwei illustrierte Pakete auf und der Zeitschriftentitel Entlastungen, die wirken

Entlastungen, die wirken

profil:GRÜN 12/2022

Zeitschrift
Zur Publikation: Entlastungen, die wirken