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Renaissance der Atomkraft ein Etikettenschwindel
- Atomkraft schafft Abhängigkeiten, ist teuer, unsicher und hinterlässt strahlenden Müll für die Ewigkeit, dessen Entsorgung nicht abschließend geregelt ist.
- Konzepte wie SMR (small modular reactor) sind nicht neu, haben dieselben Nachteile wie große AKW und erneuerbare Energien sind die weit bessere Option.
- Wie Kommissionspräsidentin von der Leyen vor diesem Hintergrund eine Renaissance fordern kann, ist unverantwortlich.
Atomkraftwerke (AKW) mit ihren Betriebs- und Folgekosten sind und bleiben wahnsinnig teuer und unsicher. Der Müll stellt uns noch für viele Generationen vor große Probleme und eine Produktion von Atomstrom geht nicht, ohne von Putin oder Trump abhängig zu sein. Wie Ursula von der Leyen vor diesem Hintergrund vom Atomausstieg als „strategischen Fehler“ und von einer „Renaissance der Atomkraft“ sprechen kann, ist nicht unverantwortlich. Die Kommissionspräsidentin war Teil der Bundesregierung, die 2011 den deutschen Atomausstieg im Nachgang der Reaktorkatastrophe von Fukushima final beschlossen hat. Nun in der Woche des 15. Jahrestages dieses Super-GAUs wieder das Hohelied der Atomkraft zu singen, ist geschichtsvergessen. Solange es die Atomkraft gibt, können solche Katastrophen passieren.
Der Schwindel der neuen Atomtechnologien
Darüber hinaus ist und bleibt Atomkraft ein Milliardengrab. Wenn eine Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer staatliche Finanzhilfen braucht und es deutlich bessere Alternativen gibt, sollten wir endlich den Schlussstrich ziehen. Wirtschaftlich ist die Atomkraft tot und weil sie nie rentabel war, muss man sich fragen, ob sie jemals lebte. Die herbeigeschriebene „Renaissance“ ist der letzte Versuch der Atomlobby uns Bürger*innen mit längst widerlegten Heilsversprechen aus den 50er Jahren zu täuschen.
Auch die deutsche Wirtschaftsministerin Reiche macht aus ihren Sympathien für Experimente mit nuklearem und wirtschaftlichem Risiko keinen Hehl. Ihren wachstumsfeindlichen Feldzug gegen die Erneuerbaren möchte sie ebenfalls am liebsten mit einem Griff in unsere Steuerkassen finanzieren. Die laut Expert*innen unökonomische Atomkraft künstlich am Leben zu halten, während wir mitten in der globalen erneuerbaren Energierevolution stecken, wäre volkswirtschaftlicher Wahnsinn und damit leider vermutlich genau nach Katharina Reiches Geschmack.
Der neueste Trick der Atomlobby ist ein Etikettenschwindel unter dem Namen SMR (small modular reactor). SMR bezeichnet allerdings nichts weiter als entweder herkömmliche AKW im Miniaturformat oder experimentelle Designs, die über Jahrzehnte auch in Deutschland, zum Beispiel in Jülich, erprobt wurden. Störfälle statt Marktreife waren das Ergebnis der damaligen Investitionen des Staates. Technologischer Fortschritt Fehlanzeige. Am Ende werden die Steuerzahler*innen zu Kasse gebeten, wie sich bei der Strahlenruine des Hamm-Uentrop-Experiments und beim Forschungszentrum Jülich zeigt. Wer wie Kommissionspräsidentin von der Leyen solche jahrzehntealten Experimente als „neu“ bezeichnet, bestätigt nur, dass der Trick der Atomlobby funktioniert. Expert*innen warnen zudem davor, dass Strom aus experimentellen Kleinreaktoren voraussichtlich noch teurer wäre als es der aus herkömmlichen AKW ohnehin schon ist.
Das Ziel einer unabhängigen Energieversorgung rückt darüber hinaus in weitere Ferne, wenn die EU jetzt auf mehr Atomkraft setzt. Mehr Atomkraft bedeutet mehr Uran-Importe und damit eine größere Abhängigkeit von Russland oder den USA. Der geplante Einstieg von Putins Staatskonzern Rosatom in die Brennelementefertigung in Lingen zeigt, dass die Atomindustrie es nicht schafft sich aus dieser strukturellen Abhängigkeit zu befreien.
Erneuerbare Energien – Sauber, sicher, unabhängig
Wer in eine Zukunft mit bezahlbarem Strom und einer unabhängigen Energieversorgung investieren möchte, investiert heute schon in erneuerbare Energien. Die meisten Staaten der Welt haben das auch bereits verstanden – nur die schwarz-rote Bundesregierung tut gerade alles dafür, den Erneuerbaren-Ausbau abzuwürgen. Der Anteil, der Atomkraft an der globalen Stromerzeugung hat sich seit den 1990er Jahren fast halbiert. Es gibt einfach zu wenig wirtschaftliches Interesse am Neubau, und die globale AKW-Flotte wird gefährlich alt und störanfällig. Im Gegenzug sind über 90 Prozent der neu zugebauten Stromkapazitäten erneuerbar. Das ist ein eindeutiges Zeichen diesen Erfolgsweg weiterzugehen.
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