Fußball‑WM 2026: Ein Eigentor für die Menschenrechte?
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist ein globales Ereignis, auf das sich Sportler*innen und Fans seit Langem freuen. Aktuelle politische Entwicklungen unter der US-Präsidentschaft Donald Trumps sowie die Menschenrechtslage in Mexiko, rücken menschenrechtliche Fragen rund um die WM jedoch zunehmend in den Fokus.
Aus diesem Anlass diskutierten Vertreter*innen der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen unter Moderation von Jonas Burgheim mit Vertreter*innen aus Politik, Sport und Zivilgesellschaft über zentrale Risiken – von restriktiven Einreisebestimmungen bis zur Verantwortung von FIFA und Gastgeberstaaten.
Max Lucks, Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe (Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion), betonte in seiner Begrüßung die enge Verflechtung von Sport und Politik. Mit Blick auf die USA stellte er die Frage in den Raum, für wen die WM angesichts der Einschränkungen von Freiheitsrechten und möglichen Zugangshürden für Fans und Teilnehmende sicher sein wird. Lucks stellte klar, dass menschenrechtliche Sorgfaltspflichten ernst genommen werden müssten und nicht zu Lippenbekenntnissen verkommen dürften.
Boris Mijatovic, Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe (Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion), Nicole Kumpis, Präsidentin von Eintracht Braunschweig, Tabea Kemme, ehemalige Nationalspielerin und TV-Expertin, und Maja Liebing, Vertreterin von Amnesty International diskutierten in Panel 1: „Menschenrechte im Kontext der WM 2026“ über die menschenrechtlichen Risiken der WM.
Im Fokus standen die Risiken für marginalisierte Gruppen, LSBTIQ-Personen, Migrant:innen und rassifizierte Personen in den USA sowie die Frage, inwiefern Spieler*innen und Fans bedenkenfrei an den Spielen teilnehmen können. Thematisiert wurden auch Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit, insbesondere durch verschärfte Einreisebestimmungen in den USA. Kritisiert wurde auch, dass gerade die US-Amerikanische Behörde ICE, für die Sicherheit der Spiele zuständig sei.
Auch die anhaltend hohe Gewaltkriminalität in Mexiko, die Tatsache, dass das mexikanische Militär die WM-Spiele im Inland sichern soll sowie Einschränkungen Recht auf Versammlungsfreiheit & freie Meinungsäußerung insbesondere in Bezug auf Mütter von Verschwundenen wurden von Maja Liebing kritisch hervorgehoben.
Zwar soll die WM erstmals vollständig unter den menschenrechtlichen Statuten der FIFA stehen, doch bestehen erhebliche Umsetzungsdefizite. So kritisierte Liebig unzureichende Aktionspläne sowie die Zurückhaltung von Verbänden, klare Positionen zu beziehen. Die „Autonomie des Sports“ dürfe keine Ausrede sein, ergänzt Boris Mijatović.
Als queere ehemalige Nationalspielerin und Journalistin stellte Tabea Kemme heraus, wie wichtig ihr Gleichberechtigung im Sport sei. Wenn man Haltung lebe, müsse man sie nicht zeigen – davon sei der DFB jedoch noch meilenweit entfernt. Auch Nicole Kumpis stimmte überein, dass es wichtig sei, mit der eigenen Stimme Haltung zu zeigen. Sie appellierte dafür, den Kontext der WM kritisch zu reflektieren und nicht stumpf die Spiele zu konsumieren.
Darauf folgte das Talkformat: „Fans, Fußball, Freiheit – Die WM 2026 im transatlantischen Stresstest“ bei dem Claudia Roth, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss (Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion), Helge Limburg, Mitglied im Ausschuss für Sport und Ehrenamt (Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion), Julia Zeyn, Mitarbeiterin der Koordinationsstelle Fanprojekte bei der Deutschen Sportjugend (dsj) und Oke Göttlich, Präsident des FC St. Pauli und Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gemeinsam mit dem Publikum über die Rolle von Fans, Öffentlichkeit und Politik diskutierten.
Claudia Roth hob die WM als globales Kulturereignis hervor, das nur als offener Raum für Medien und Zivilgesellschaft funktionieren könne. Einschränkungen von Meinungs- und Medienfreiheit gefährdeten diese Rolle. Oke Göttlich kritisierte die Dominanz wirtschaftlicher Interessen im Fußball, während Helge Limburg und Julia Zeyn auf die wachsenden Hürden für Fans hinwiesen – von hohen Kosten bis zu Einschränkungen bei der Einreise in die USA.
Auch ein möglicher Boykott der WM wurde diskutiert. Einigkeit bestand darin, dass die konsequente Umsetzung menschenrechtlicher Standards entscheidend ist und dazu beiträgt die WM als Raum für Teilhabe und demokratischen Austausch zu sichern.
Tina Winkelmann, Sprecherin für Sport und Ehrenamt (Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion), Michael Windfuhr, stv. Direktor des Deutschen Institut für Menschenrechte, Mareike Miller, Gesamtaktivensprecherin im Deutschen Behindertensportverband sowie Josefine Paul MdL und Ministerin a.D. in Nordrhein-Westfalen, debattierten in Panel 2 „Sportgroßveranstaltungen und ihre Verantwortung“ über die menschenrechtliche Verantwortung von Sportverbänden und Austragungsländern.
Hier hob Michael Windfuhr auf die wichtige Bedeutung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ab. Seit 2012 könne man zwar international Umsetzungsschritte bei Wirtschaftsunternehmen feststellen, aber im Sport gebe es bisher nur eine freiwillige Anwendung und lückenhafte Resonanz. So wäre die Menschenrechtserklärung bei der Fußball-Europameisterschaft EURO 2024 in Deutschland nur sehr kurzfristig angegangen worden und hätte zu wenig nachhaltige Effekte im Nachgang des Turniers gehabt. Bei der bevorstehenden Fußball-WM 2026 sei daran zu erinnern, dass theoretisch das Hauptausrichterland USA auch durch die veranstaltende FIFA auf Einhaltung der Menschenrechte verklagt werden könne.
Tina Winklmann hob auf die aktuellen sportpolitischen Themen in Deutschland hervor. Im neuen Sportfördergesetz müssten die Anbindung der Verbände an den Safe-Sport-Code und glaubwürdige Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt als zwingende Voraussetzung für die Sportförderung durch den Bund verankert werden.
Bereits im Bewerbungsprozess um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland müssten nach Ansicht von Mareike Miller konkrete Maßnahmen für die Umsetzung von Inklusion und die weitere Entwicklung des Parasports verankert werden.
Für Josefine Paul (Ministerin a.D. in Nordrhein-Westfalen) entfalte sich die menschenrechtliche Dimension des Sports in erster Linie an Teilhabe und Partizipation am Sport. Besonders im Kinder- und Jugendsport habe Sport einen wichtigen Bildungsauftrag für die Entwicklung der Persönlichkeit, daher seien „sichere und geschützte Sporträume entscheidende Voraussetzung für die Sportausübung“.
- Veranstalter
FB 4-Koordinationsbüro (Internationale Politik und Menschenrechte)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 58943
fachbereich5@gruene-bundestag.de
Programm
Begrüßung
MdB Max Lucks
Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Panel 1: „Menschenrechte im Kontext der WM 2026“
Boris Mijatovic MdB
Obmann im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Nicole Kumpis
Präsidentin von Eintracht Braunschweig
Tabea Kemme
Ex-Nationalspielerin und TV-Expertin
Maja Liebing
Amnesty International
Moderation: Jonas Burgheim
Ehrenamt, Präsident, Zentrum für Menschenrechte und Sport e.V.
Talkformat mit Publikumsbeteiligung: „Fans, Fußball, Freiheit – Die WM 2026 im transatlantischen Stresstest"
Claudia Roth MdB
Mitglied im Auswärtigen Ausschuss
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Helge Limburg MdB
Mitglied im Ausschuss für Sport und Ehrenamt
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Julia Zeyn
Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj
Oke Göttlich
Präsident vom FC St. Pauli und Präsidiumsmitglied des Deutschen Fußball-Bunds (DFB)
Moderation: Jonas Burgheim
Panel 2: „Sportgroßveranstaltungen und ihre Verantwortung“
Tina Winklmann MdB
Sprecherin für Sport und Ehrenamt
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Michael Windfuhr
Deutsches Institut für Menschenrechte
Mareike Miller
Athleten Deutschland
Josefine Paul MdL
Ministerien a.D.
Moderation: Jonas Burgheim
Zusammenfassung/Ausblick
Boris Mijatovic MdB
Ende der Veranstaltung