Sofortprogramm Zukunft: Für Frauenrechte – Zeit zu handeln!

Salon

Veranstaltungsdetails

19:00 - 22:00 Uhr
Deutscher Bundestag, Marie-Elisabeth-Lüders-Haus , Veranstaltungsfoyer 1.101 Adele-Schreiber-Krieger-Str. 1 10117 Berlin
Zur Anmeldung
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Über die Veranstaltung

Sich stärker und besser vernetzen, sich wehren und nicht wegschauen. Unter diesen Eindrücken diskutierten die Vorsitzende der bündnisgrünen Bundestagsfraktion Britta Haßelmann, die Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf und die Autorin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal mit mehr als 50 Frauen und auch einigen Männern. Die zweite Veranstaltung der Reihe „Sofortprogramm Zukunft“, diesmal mit dem Titel „Für Frauenrechte – Zeit zu handeln“ fand im Veranstaltungsfoyer des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses im Deutschen Bundestag statt. Moderatorin Tanja Samrotzki führte durch den Abend. 

Der Gesprächsbedarf war sichtlich groß, der für die Beteiligung des Publikums reservierte Stuhl auf dem Podium heiß begehrt. Und das aus guten Gründen. Denn auch im Jahr 2026 ist die Lebenswirklichkeit vieler Frauen noch von Ungleichheit geprägt: Sie verdienen weniger als Männer, sind in Führungspositionen unterrepräsentiert. Sexismus und patriarchale Strukturen beeinträchtigen Frauen jeden Tag. Sexualisierte Gewalt ist unerträgliche Realität. Und viele Frauen haben zurecht das Gefühl: Es reicht! 

Düzen Tekkal stellte zu Beginn der Veranstaltung fest, dass Frauen noch immer nicht danach bewertet würden, was sie leisten, sondern was sie sind. Sie müssten sich im Kampf gegen patriarchale Strukturen bewusst machen, dass sie nie immer nur für sich selbst, sondern für alle Frauen kämpfen würden. Dabei müssten sie sich politisch nicht immer einig sein und dennoch füreinander einstehen. Sie berichtete von persönlichen Erfahrungen, die sie sensibel gemacht hätten für Strukturen, die darauf angelegt seien, Frauen verstummen zu lassen. Besonders die „digitale Lynchjustiz“, der sich Frauen – besonders wenn sie sich öffentlich exponieren – mehr und mehr ausgesetzt sehen, sei enorm. 

Genau mit diesem Phänomen sah sich Frauke Brosius-Gersdorf konfrontiert in der Zeit rund um das Scheitern ihrer im vergangenen Jahr geplanten Wahl zur Richterin am Bundesverfassungsgericht. Das Ausmaß an Hass und Hetze, das ihr zu diesem Zeitpunkt medial entgegenschlug, schätzten die Diskutierenden als klar frauenfeindlich motiviert ein. Frauke Brosius-Gersdorf wurde dann auch konkret bei ihren Forderungen: 

Frauen dürften sich nicht einschüchtern lassen, müssten tatsächlich überall gleichberechtigt sein. Sie forderte gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, gleiche Erwerbstätigkeit und Quotenregelungen. Und definitiv eine bessere und stärkere Regulierung von digitalen Plattformen und Auskunftsansprüchen, um Hass und Hetze im Netz endlich wirkungsvoll zu begegnen. 

Dass es einen offensichtlichen gesellschaftlichen Backlash gegen die Gleichstellung von Frauen gebe, stellte die bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann heraus. Die misogyne Kampagne gegen Frauke Brosius-Gersdorf und die dann gescheiterte Wahl sei hier ein deutliches Beispiel. Aber auch in der Führung der aktuellen Koalition seien Frauen fast nicht präsent. Was von den Verantwortlichen nicht einmal als Problem empfunden werde. Dabei seien die von der Koalition ins Spiel gebrachten Kürzungen im Sozialbereich sowie die fehlenden Maßnahmen bei Ehegattensplitting, Kinderbetreuung und einer eigenständigen Existenzsicherung von Frauen ein riesiges Problem. Es brauche auch Gesetze gegen das Repräsentationsproblem von Frauen in Parlament und Ausschüssen. 

Von den Gästinnen des Abends wurden weitere Aspekte thematisiert, zu denen ein intensiver Austausch folgte. Von der Rolle von Kampagnen rechtsnationaler Kreise über das Rollenverständnis junger Frauen bis zu der Forderung nach Mutterschutz für Selbstständige. Von Frauen in der Kommunalpolitik über den Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Arbeitsumfeld bis zu der Frage, wie Männer stärker in die Pflicht genommen werden können, wurden Themen breit diskutiert und auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung noch weiter vertieft. 

Was bleibt von diesem Abend? Die klare Erkenntnis: Wegducken ist keine Option. Neben den notwendigen gesetzlichen Regelungen, die Gleichstellung von Frauen verbessern und digitale Gewalt und Hetze sanktionieren, braucht es gegenseitige Unterstützung. Ein Zusammenstehen gegen Frauenfeindlichkeit und gegen Hass und Hetze – ob im analogen oder digitalen Raum – sind gerade auch dann wichtig, wenn man nicht dieselben politischen Ziele teilt. Dafür müssen die vielen bestehenden Netzwerke zu neuen Bündnissen zusammenfinden, um Schlagkraft zu entwickeln. Ein Gedanke, der auch nach diesem Abend noch weitergärt und hoffentlich zu fruchtbaren neuen Allianzen unter Demokrat*innen führt.

  • Veranstalter
    Öffentlichkeitsarbeit
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL. 030/227 59062

Programm

Einlass und Ankommen

Begrüßungsgetränk und kleiner Imbiss

18:00 Uhr

Begrüßung und Einführung

Britta Haßelmann MdB 
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

19:00 Uhr

Diskussion

Britta Haßelmann
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf
Professorin für Öffentliches Recht mit Schwerpunkt Verfassungs- und Sozialrecht,
Universität Potsdam

Düzen Tekkal
Autorin, Journalistin, Filmemacherin, Menschenrechtsaktivistin
 

Moderation: Tanja Samrotzki 

19:15 Uhr

Zusammenfassung

20:45 Uhr

Get together und Ausklang mit Getränken und Fingerfood

21:00 Uhr

Ende der Veranstaltung

22:00 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Britta Haßelmann
 

Fraktionsvorsitzende