Pressemitteilung 04.08.2016

Tierhaltung: Reserveantibiotika verstärkt in Ställen eingesetzt

Zur Veröffentlichung der Abgabemengendaten für Antibiotika 2015 durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Die aktuellen Zahlen geben keine Entwarnung. Auch wenn die absolut abgegebene Menge abgenommen hat, wurden Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie bei Menschen jedoch noch intensiver in der Tierhaltung eingesetzt. 

Die Abgabe von Fluorchinolonen stieg gegenüber dem ersten Erfassungsjahr 2011 um 82 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Abgabemenge für Cephalosporine der dritten Generation um 52 Prozent. Das ist ein gefährlicher Trend, für den der Bundesminister Schmidt keine Lösung hat. 

Der Einsatz von besonders wichtigen antibiotischen Wirkstoffen, die beim Menschen als Reserveantibiotika dienen, muss strikt reglementiert werden. Wir fordern Minister Schmidt auf, das Arzneimittelgesetz zu ändern, damit der Einsatz von Reserveantibiotika bei Tieren nur noch in klar erkennbaren Ausnahmefällen möglich ist.

Damit die Reduktion dieser besonders sensiblen Antibiotikagruppen gelingen kann und der Wirkstoff nicht durch andere, ebenso wichtige Antibiotika ersetzt wird, müssen die Haltungsbedingungen verändert werden. Den Tieren muss mehr Platz, Zugang zu einem Außenbereich und artgerechte Beschäftigung gewährleistet werden. Denn in der drangvollen Enge industrieller Tierställe, die viel Stress für die Tiere bedeutet, haben Bakterien leichtes Spiel.

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