Pressemitteilung vom 25.04.2021

Atom-Katastrophe von Tschernobyl muss in Erinnerung bleiben

Blick auf den zerstörten Unglücksreaktor 4 des Kernkraftwerkes Tschernobyl im April 2011.
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Atom-Katastrophe von Tschernobyl muss in Erinnerung bleiben

Zum 35. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe erklärt Sylvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Umweltausschusses:

Dreieinhalb Jahrzehnte nach dem Super-GAU in Tschernobyl scheint selbst in der Ukraine die Erinnerung an die schreckliche Zerstörungskraft von Atomenergie zu verblassen. Nicht anders ist es zu erklären, dass der staatliche Atomkonzern Energoatom die Lebenszeit seiner alten Atomkraftwerke sowjetischer Bauart ohne nennenswerte Modernisierungen auf 60 Jahre verdoppeln will. Das provoziert geradezu den nächsten verheerenden Atomunfall. Leider hat sich seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl in Sachen Atomsicherheit auch in Europa wenig getan. Zwar werden kaum neue Reaktoren gebaut, dafür alte entgegen ihrer ursprünglichen Lebensdauer hinaus betrieben - etwa in unseren Nachbarländern Frankreich, Niederlande oder Schweiz. Damit steuert Europa auf ein massives Sicherheitsrisiko zu, denn je älter ein AKW ist, desto anfälliger wird es für Materialschäden.

Auch in Deutschland wird der Atomausstieg konsequent umgangen. Vor wenigen Wochen wurde der klammheimliche Einstieg eines russischen Staatskonzerns in die Atomfabrik im niedersächsischen Lingen bekannt. In der Brennelementefabrik könnte nun zukünftig Brennstoff für Risikomeiler in Osteuropa und die Krisenregion Ukraine produziert werden. Statt diese Geschäftemacherei zu verhindern, lässt die Bundesregierung die Öffentlichkeit im Dunkeln. Sie öffnet lieber dem russischen Konzern die Türen zum europäischen Atommarkt. Nach der Genehmigung von Uran-Exporten nach Russland, die nach EU-Recht verboten sind, ist das bereits das zweite Mal, dass zuständige Behörden und Wirtschaftsministerium durch ihre laxe Vorgehensweise auffallen. Solch ein Vorgehen ist gefährlich.

Die Bundesregierung muss endlich für Transparenz sorgen und die Atomgeschäfte hierzulande einschränken. Zudem darf sie nicht tatenlos zusehen, wie im Ausland Laufzeitverlängerungen einfach hingenommen werden. Deutschland muss auf die bestmögliche Sicherheit der Anlagen drängen und sich auf EU-Ebene gegen die Förderung der Atomkraft einsetzen. Nur so kann ein echter und konsequenter Ausstieg aus der Atomkraft gelingen.