Pressemitteilung vom 12.02.2020

Glyphosat-Studien: Schlechte Laborpraxis

Zu Berichten über Glyphosat-Studien in den Skandal-Tierversuchslaboren der Firma LPT und zum Statement des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) dazu erklärt Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik:

Der Skandal um die LPT-Labore muss umfassend aufgeklärt werden. Nach allem, was bisher über gefälschte Versuche und Ergebnisse bekannt ist, müssen sämtliche LPT-Untersuchungen hinterfragt werden. Auch an der amtlichen Unbedenklichkeitsbescheinigung für Glyphosat des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), die Grundlage der aktuellen Wiederzulassung ist, war die Skandal-Firma beteiligt. Das dokumentiert der behördliche Risikobewertungsbericht schwarz auf weiß.

Dabei erfüllte LPT angeblich den hohen internationalen 'Gute Laborpraxis (GLP)'-Standard, der eigens geschaffen wurde, um weltweit korrekte und allgemeingültige Studienergebnisse zu garantieren. Das stellt den ganzen GLP-Standard in Frage, der eigentlich gerade dazu dienen soll, Fälschungen zu verhindern. Denn wenn Tierrechtsverstöße und wissenschaftlicher Betrug bei LPT jahrzehntelang keiner Behörde auffielen, wirft das auch Fragen im Hinblick auf andere GLP-Studien und Einrichtungen auf.

Ausgerechnet das BfR ist auch oberster Hüter des GLP-Standards in Deutschland und führt das Verzeichnis der angeblich 'guten' Labore, in denen das Skandallabor LPT bis heute zu finden ist. Es ist Grundaufgabe einer solchen 'GLP-Bundesstelle', in so einem Fall aktiv zu werden!

Die Aussage des BfR, dass Fälschungen nicht ausgeschlossen werden können, jedoch 'krimineller Energie' und 'hohem Aufwand' bedürfen, ist alarmierend. Kriminelle Energie ist die Voraussetzung für Fälschungen, und auch der Aufwand wird nicht gescheut, wie schon die bisher bekannten Fälle im LPT belegen. Wenn der GLP-Standard das nicht verhindern kann, was ist er dann überhaupt wert?

Der LPT-Skandal ist eine weitere deutliche Mahnung: die Studien dürfen auf keinen Fall in den Händen der Hersteller liegen. Die Zulassungsverfahren müssen so reformiert werden, dass Studien zur Risikobewertung von Pestiziden und anderen Chemikalien künftig öffentlich ausgeschrieben werden statt von den Konzernen selbst beauftragt. Finanzieren müssen sie das selbstverständlich trotzdem, über ein Gebührenmodell. Nur so können Interessenkonflikte vermieden werden, und damit auch gefälschte Studien. Der GLP-Standard alleine ist dazu offensichtlich nicht in der Lage, wie das BfR jetzt selbst eingeräumt hat.

Das BfR ist jetzt eine ganze Reihe weiterer Antworten schuldig. Was hat die Behörde seit Bekanntwerden der Betrugsvorwürfe unternommen, um Zulassungen zu überprüfen, in die zweifelhafte LPT-Studien eingeflossen sind? Warum wurden die Zustände bei LPT jahrzehntelang übersehen? Welche Konsequenzen werden aus diesem katastrophalen Kontrollversagen gezogen? Wie kann sichergestellt werden, dass vergleichbare Machenschaften nicht gängige Praxis in vielen anderen Laboren sind? Was bedeutet das für den GLP-Standard insgesamt? Julia Klöckner muss jetzt als zuständige Ministerin dafür sorgen, dass das BfR Antworten liefert.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Harald Ebner
Sprecher für Waldpolitik Sprecher für Gentechnik und Bioökonomiepolitik