Pressemitteilung vom 20.05.2020

Dramatische Ausbreitung des Corona-Virus im Jemen

Zur Ausbreitung des Corona-Virus im Jemen erklärt Omid Nouripour, Sprecher für Außenpolitik:

Das Corona-Virus hat sich im vom Bürgerkrieg geplagten Jemen in den vergangenen Wochen dramatisch ausgebreitet. Obwohl die Regierung und die Houthi-Rebellen offiziell zusammen nur etwa 130 Fälle gemeldet haben, zeichnen Vor-Ort-Berichte ein völlig anderes Bild. In der Stadt Aden wird von über 500 Toten in einer einzigen Woche berichtet –  weitaus mehr Todesfälle als sonst üblich. Laut Behörden in Aden zeigten 385 von ihnen Covid-19-Symptome. Auch die Weltgesundheitsorganisation geht inzwischen davon aus, dass sich das Corona-Virus im Jemen unerkannt ausbreitet. Die niedrigen offiziellen Infektionszahlen erklären sich zum einen dadurch, dass bis Mitte Mai in ganz Jemen gerademal 921 Tests durchgeführt wurden. Zum anderen gibt es Berichte, dass die Houthis positiv getestete Fälle verschleiern und medizinisches Personal einschüchtern, damit dieses sich nicht über die Ausbreitung der Krankheit äußert.

Das jemenitische Gesundheitssystem ist infolge des Krieges und gezielter Angriffe auf medizinische Einrichtungen nur noch rudimentär funktionsfähig. Mittelkürzungen v.a. der USA für humanitäre Hilfe in von den Houthis kontrollierten Gebieten und an die Weltgesundheitsorganisation haben die Situation verschärft. Neben Covid-19 wird die jemenitische Bevölkerung außerdem von schweren Überflutungen, Cholera, Malaria und anderen Krankheiten heimgesucht. Die Vereinten Nationen beschreiben die Lage im Jemen bereits seit 2019 als die schlimmste humanitäre Katastrophe weltweit. Um das Leid der geschundenen Zivilbevölkerung zu lindern, muss die Bundesregierung jetzt dringend handeln. Sie sollte ihre Kanäle in den Iran nutzen und Teheran davon überzeugen, auf die Houthis einzuwirken, damit diese die Unterdrückung medizinischen Personals beenden, Transparenz im Umgang mit Covid-19 einführen und aufhören, die Lieferung humanitärer und medizinischer Güter zu behindern. Ebenso sollte sie Druck auf Saudi-Arabien ausüben, dass die von der saudisch-geführten Koalition verhängte Blockade schnellstmöglich gelockert wird, um die Einfuhr dringend benötigter medizinischer Produkte zu erleichtern. Auch sollte sie gemeinsam mit den europäischen Partnern im Falle von Finanzierungslücken bei den Vereinten Nationen für fehlendes medizinisches Gerät, Testkits und Schutzausrüstung einspringen. Um die Kampfhandlungen im Jemen zu reduzieren, muss die Bundesregierung unter Verweis auf das kaum noch erträgliche Leid zudem auf die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Iran einwirken, die von ihnen unterstützten jemenitischen Akteure zu einer von den Vereinten Nationen zu vereinbarenden humanitären Waffenruhe zu bewegen. Zudem sollte sie das gegen Saudi-Arabien verhängte Rüstungsexportverbot endlich auch auf die anderen direkt oder indirekt am Jemenkrieg beteiligten Länder ausweiten. Dazu gehören auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten.
 

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