Pressemitteilung vom 28.11.2019

Wildflüsse und Naturschutzgebiete bewahren

Zum heute erschienen Wasserkraft Bericht der Naturschutzorganisation Euronatur, geota, Riverwatch und WWF erklärt Steffi Lemke, Sprecherin für Naturschutzpolitik:

Die letzten Wildflüsse Europas sind durch die europaweit anhaltende Verbauung mit Wasserkraftwerken bedroht. Artenreiche und frei fließende Flusssysteme weichen immer häufiger kleinsten Wasserkraftanlagen die kaum Energie erzeugen. Statt einen relevanten Beitrag zur Energiewende zu leisten, werden dabei vielmehr die letzten unberührten Flusslandschaften Europas unwiederbringlich zerstört und das Artensterben befeuert. Besonders fatal ist der geplante Bau von über 2300 Wasserkraftanlagen in Naturschutzgebieten. Es ist absurd wenn dabei auch noch europäische Fördergelder eine Rolle spielen – diese Praxis muss gestoppt werden. Deutsche und europäische Entwicklungsbanken dürfen nicht als Geldgeber für die Finanzierung von Wasserkraftprojekten in geschützten Gebieten auftreten. Die neue EU-Kommission muss in bevorstehenden und laufenden EU-Beitrittsgesprächen deutlich machen, dass das Einhalten von EU-Naturschutzrichtlinien, unverzichtbarer Bestandteil europäischer Politik ist.

Hintergrund:

Wasserkraft ist in Europa weiterhin ein boomendes Geschäft auf Kosten der Natur. Insbesondere die für die Energiewende so unbedeutende Kleinstwasserkraftanlagen verzeichnet das größte Wachstum. Der Bericht von Riverwatch, Euronatur, Geota und dem WWF umfasst eine aktuelle Bestandsaufnahme aller existierenden europäischer Wasserkraftanlagen, geplanter und in Bau befindlicher Anlagen. Die vorliegenden Daten offenbaren die massiven Dimensionen von Wasserkraft in Europa. Insgesamt gibt es bereits 21,387 Anlagen, 8507 Anlagen befinden sich in Planung und 278 werden aktuell gebaut. Besonders fatal ist die große Anzahl von Kleinst-Wasserkraftanlagen die nur einen minimalen Beitrag zur Energiewende leisten, aber einen dramatischen ökologischen Schaden hinterlassen. Der Bericht zeigt dass allein 2396 Anlagen in Naturschutzgebieten geplant sind und möglicherweise bis zu 30 Fischarten aufgrund dieser Anlagen unwiederbringlich aussterben. Der Ausbau wird insbesondere auf dem Balkan und in der Türkei wider besseren Wissens vorangetrieben. Auf dem Balkan befinden sich die letzten weitestgehend unberührten Flusssysteme Europas.  

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

Steffi Lemke
Parlamentarische Geschäftsführerin Sprecherin für Naturschutzpolitik