Zwei  Bundesfreiwilligendienstleistende besuchen im Rahmen ihres Freiwilligendienstes beim Pflegedienst pro vita eine Seniorin und leisten ihr Gesellschaft. Gemeinsam sitzen sie am Tisch und trinken Kaffee.

Bürgerschaftliches Engagement

Engagement kann man leben, egal wie alt, ob arm oder reich.

  • Millionen Menschen mischen mit und bringen sich ein. Sie tragen im Kleinen zum großen Ganzen, zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Eine starke Zivilgesellschaft ist das Rückgrat unserer Demokratie.
  • Manchmal ist Engagement auch unbequem, stellt Fragen, stört Routinen und missachtet Hierarchien. Gerade auch um unsere Demokratie lebendig zu halten, ist es deshalb so wichtig, sich zu engagieren. Wir Grüne im Bundestag möchten engagierte Menschen unterstützen und Engagement erleichtern.
  • Im Bundestag arbeiten wir an Konzepten und parlamentarischen Initiativen, um mehr Geld für Begleitung und Weiterbildung von Engagierten bereitstellen zu können, die Freiwilligendienstplätze zu verdoppeln, mit einem modernen Gemeinnützigkeitsrecht für mehr Rechtssicherheit zu sorgen und eine Engagementkarte einzuführen.

Grüne Engagementpolitik hat alle im Blick, denn Engagement kann man von klein an leben – ob reich oder arm, woher man auch kommt.

Vielfalt: Engagement in der Kirche, für die Umwelt oder Menschenrechte

Engagement ist vielfältig und bunt: Es reicht von der Feuerwehr bis zur Geflüchteten- und Nachbarschaftshilfe, vom Chor über den Sportverein bis zum Engagement in Kirche, Synagoge und Moschee. Es erstreckt sich vom Einsatz für Umwelt, Menschenrechte bis zum Kampf für globale Gerechtigkeit. Engagement organisiert sich selbstbestimmt und freiwillig. Darin liegt seine Stärke, dadurch entfaltet es auch ein kritisches Potenzial: Es spürt Lücken im staatlichen und behördlichen Handeln auf. Es zeigt, was zu tun ist und wie es gehen kann. Verpflichtende Dienste lehnen wir ab. Stattdessen setzen wir auf den ureigenen Wunsch von Menschen, mitzugestalten. Die Tendenz, Engagement zu entlohnen, führt in die falsche Richtung. Sie schafft neue Abhängigkeiten und verändert die ursprüngliche Motivation, selbstbestimmt und freiwillig zu handeln.

Wir fordern:

  • Eine vielfältige Kultur der Anerkennung und Wertschätzung des Engagements durch Nachweise für Lebensläufe, die Übernahme von Haftpflicht- und Unfallversicherung und Auszeichnungen wie Ehrenamtsnadeln oder die Einführung einer bundesweiten Engagementkarte.
  • Engagierte mit Beratung, Begleitung und Fortbildungen zu unterstützen und dafür Gelder im Haushalt für bereitzustellen.
  • Schrittweise die Ehrenamts- der Übungsleiterpauschale anzugleichen.

Freiräume schaffen: Engagement neben Schule und Beruf ermöglichen

Engagement braucht den Willen und das Interesse, aber auch Zeit und Gelegenheit. Denn Schule, Studium oder Beruf gehen in der Regel vor. Wir wollen die Voraussetzungen dafür verbessern, freiwilliges Engagement mit den Notwendigkeiten des Lebens vereinbaren können. Wir wollen den Menschen mehr Mitsprachemöglichkeit über ihre Arbeitszeit geben. Sie sollen mitentscheiden können, wann und wo sie wie viel arbeiten. Unternehmen, öffentliche Verwaltungen, Schulen und Hochschulen sollten freiwilliges Engagement fördern und ermöglichen.

Wir fordern:

  • Zeitpolitische Lösungen, die es den Menschen ermöglichen, ihre Zeiten für Familie, Arbeit, Freunde und Engagement in Einklang zu bringen und souveräner zu gestalten.
  • Schulen zu offenen Orten mit kreativen Freiräumen für alle Kinder zu machen.
  • Lokale Anlauf- und Vernetzungsstellen wie Freiwilligenagenturen, -zentren und -börsen, Seniorenbüros oder Selbsthilfekontaktstellen besser zu fördern, damit die vielen Menschen, die sich gern (mehr) engagieren möchten, die für sie passenden Aktivitäten finden.

Gemeinden und Kommunen: Engagement vor Ort stärken

Was vor Ort getan werden kann, soll auch dort getan werden. Denn die Zivilgesellschaft ist den Menschen und ihren Problemen näher als der Staat. Menschen engagieren sich meistens in ihrem unmittelbaren Umfeld, im Sportverein oder der Flüchtlingsunterkunft ihrer Gemeinde oder Kommune. Genau dort muss das Engagement erleichtert, gestärkt und verstetigt werden. Das gelingt vor allem mit einer Stärkung der vor Ort bestehenden Engagementstrukturen und des professionellen Freiwilligenmanagements.

Wir fordern:

Freiwilligendienste: Plätze für junge Menschen verdoppeln

Freiwilligendienste führen zu Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nie treffen würden und schaffen neue Horizonte, die sich sonst nie eröffnen würden. Sie dienen nicht nur dem Gemeinwohl, sondern fungieren auch als Bildungs- und Orientierungszeit für die Freiwilligen. Jeder junge Mensch soll die Möglichkeit bekommen, sich im Rahmen eines freiwilligen Jahres für unsere Gesellschaft zu engagieren. Wir wollen die Freiwilligendienstplätze deshalb in einem ersten Schritt verdoppeln.

Wir fordern:

  • Die Freiwilligendienstplätze auf 200.000 zu verdoppeln.
  • Das begleitende Bildungsprogramm vollständig in die Hände der Träger zu legen, qualitativ weiterzuentwickeln und den Freiwilligen ein persönliches Coaching mit Angeboten zur Berufsfindung, Ausbildung und Studienplanung anzubieten.
  • Im Freiwilligendienst erworbene Kompetenzen zu zertifizieren und als Ausbildungs- oder Studienleistungen anzuerkennen.

Bürgerbeteiligung: Neue Bezeiligungsformen finden und etablieren

Engagement und Beteiligung gehören zusammen. Bürgerinnen und Bürger wollen mehr, als alle vier Jahre ihr Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Um die Gesellschaft und das eigene Lebensumfeld zu gestalten, sind andere, neue demokratische Beteiligungsformen gefragt. Wir Grüne im Bundestag möchten Menschen frühzeitig und auf Augenhöhe einbeziehen: bei der Gestaltung von Parks, der Entscheidung über Großveranstaltungen oder der Planung von Bauvorhaben. Auch in Schule, Ausbildung und Studium gilt es, neue Beteiligungsformen zu finden und zu etablieren.

Wir fordern: