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Damit gutes Essen für alle einfach wird

  • Die Bundesregierung vernachlässigt Ernährungspolitik trotz ihrer zentralen Bedeutung für Gesundheit, Prävention, soziale Gerechtigkeit und langfristige Kosten im Gesundheitssystem.
  • Ernährung ist ein politikfeldübergreifender Gestaltungsbereich, in dem klare staatliche Rahmenbedingungen notwendig sind, um Marktversagen zu korrigieren, Orientierung zu schaffen und Verbraucher*innen wirksam zu unterstützen.
  • Gesunde und nachhaltige Entscheidungen müssen erleichtert werden, Transparenz gestärkt und die Interessen der Verbraucher*innen konsequent in den Mittelpunkt gestellt werden.

Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen einer unausgewogenen Ernährung nehmen in Deutschland seit Jahren zu. Ernährungsbedingte Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen belasten nicht nur die individuelle Lebensqualität, sondern auch das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem erheblich. Die daraus entstehenden Kosten tragen letztlich alle – über Krankenkassenbeiträge, Steuern und Produktivitätsverluste. Besonders problematisch ist die soziale Dimension: Haushalte mit niedrigerem Einkommen sind überdurchschnittlich von ungesunder Ernährung betroffen. Ursachen sind unter anderem Preisstrukturen, ein Überangebot ungesunder Junk-Food-Produkte und fehlende Orientierung im Alltag. Ernährung betrifft heute nicht mehr allein individuelle Entscheidungen, sondern erfordert klare gesellschaftliche und politische Rahmenbedingungen.

Trotz dieser Ausgangslage bleibt das Handeln der Bundesregierung im Bereich Ernährungspolitik weitgehend ambitionslos. Im Koalitionsvertrag finden sich keine konkreten Ziele oder Maßnahmen, die über allgemeine Absichtserklärungen hinausgehen. Statt einer aktiven Gestaltung beschränkt die Bundesregierung ihre Maßnahmen bislang im Wesentlichen auf die Aktualisierung bestehender DGE-Standards. Das ist fachlich sinnvoll, reicht aber nicht aus, um wirksame und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Ernährungspolitik braucht klare Leitplanken, die Orientierung geben und gesundheitsfördernde Entscheidungen erleichtern. Diese Leerstelle ist umso gravierender, als andere Politikfelder längst anerkennen, dass Prävention zentrale Zukunftsaufgabe ist.

Für eine präventiv ausgerichtete Ernährungspolitik, die Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt

Aus Perspektive der Grünen Bundestagsfraktion braucht es eine aktive, präventiv ausgerichtete Ernährungspolitik, die Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Der Staat hat die Aufgabe, Rahmenbedingungen zu setzen, die gesunde Entscheidungen erleichtern, statt sie dem Zufall oder reiner Kaufkraft zu überlassen. Ziel ist dabei Orientierung, Fairness und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Eine solche Politik stärkt Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie verantwortungsbewusste Erzeugerbetriebe. Gleichzeitig lassen sich langfristig Kosten im Gesundheitswesen reduzieren und soziale Ungleichheiten abbauen. Ernährungspolitik wird so zu einem zentralen Instrument moderner Vorsorgepolitik.

Ein Blick auf den kürzlich veröffentlichten Public Health Index zeigt, dass ernährungspolitische Maßnahmen in vielen europäischen Ländern nachweislich Wirkung entfalten. Deutschland schneidet in diesem Vergleich insbesondere im Bereich Ernährungspolitik deutlich schlechter ab als zahlreiche EU-Vorreiterstaaten. Eine wirksame Ernährungspolitik erfordert ein Bündel verschiedener Instrumente, darunter beispielsweise:

  • verbindliche Maßnahmen zur Reduktion von Zucker, Salz und ungesunden Fetten in verarbeiteten Lebensmitteln,
  • einen wirksamen Schutz von Kindern vor Junkfood-Werbung,
  • eine Altersgrenze von 16 Jahren für den Konsum von Energydrinks,
  • eine verständliche und transparente Kennzeichnung von Lebensmitteln, insbesondere auch Fleisch,
  • faire Preise für gesunde Lebensmittel, bei denen Erzeugerpreise die Produktionskosten decken und die Supermarktketten und Lebensmittelkonzerne nicht einseitig bevorteilt werden,
  • die gezielte Förderung pflanzenbasierter und nachhaltiger Angebote, insbesondere in der Gemeinschaftsverpflegung von Kitas, Schulen, Hochschulen, öffentlichen Kantinen und Krankenhäusern.

Ernährung als eigenständiges Politikfeld mit verbindlichen Zielen und Instrumenten etablieren

Die Wirksamkeit von Schulverpflegungsprogrammen für Gesundheit und Chancengleichheit ist durch zahlreiche Studien belegt, Länder wie Finnland gelten hier als erfolgreiches Beispiel. Auch fiskalische Instrumente wie die Zuckerabgabe auf Soft Drinks im Vereinigten Königreich haben zu messbaren Reformulierungen von Produkten geführt. Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen strukturell ansetzen und nicht allein auf individuelles Verhalten zielen. Sie schaffen Anreize für Industrie und Handel, gesündere Produkte anzubieten. Gleichzeitig entlasten sie besonders jene Bevölkerungsgruppen, die bisher die höchsten gesundheitlichen Risiken tragen.

Ernährungspolitik darf nicht länger ein politisches Randthema bleiben. Angesichts der gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen braucht es einen klaren politischen Gestaltungsanspruch. Der nächste Schritt muss sein, Ernährung als eigenständiges Politikfeld mit verbindlichen Zielen und Instrumenten zu etablieren. Dazu gehören gesetzliche Regelungen ebenso wie eine konsequente parlamentarische Begleitung. Eine aktive Ernährungspolitik ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Jetzt ist der Zeitpunkt, diese Weichen zu stellen.

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