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Globale Hungerkrisen durch Ernährungssouveränität bekämpfen
- Die Blockade der Straße von Hormus droht 45 Millionen weitere Menschen in akute Hungersnot zu treiben, während die Bundesregierung die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit weiter kürzt.
- Hunger ist kein Schicksal, sondern Folge politischer Entscheidungen: Konzernmacht über globale Agrarmärkte, Verdrängung kleinbäuerlicher Strukturen und einbrechende Entwicklungsfinanzierung - verschärft durch Konflikte und die Klimakrise.
- Wir fordern in unserem Antrag die Rücknahme der Kürzungen beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), mehr Gelder für die humanitäre Hilfe in den Krisenregionen und einen grundlegenden Kurswechsel hin zu Ernährungssouveränität statt kurzfristiger Nothilfe. Agrarökologie, faire Handelsbedingungen und lokale Wertschöpfung müssen ins Zentrum der deutschen Entwicklungszusammenarbeit rücken.
Hunger als Konsequenz politischen Versagens
Laut Welternährungsbericht 2025 der Food and Agriculture Organization (FAO) leiden über 673 Millionen Menschen weltweit unter chronischem Hunger. Insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent sowie im Nahen und Mittleren Osten steigt die Zahl der hungernden und mangelernährten Menschen wieder an.
Mit der Blockade der Straße von Hormus durch das iranische Regime droht sich diese Lage dramatisch zu verschlechtern: Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt vor 45 Millionen zusätzlichen Menschen, die in akute Hungersnot geraten könnten. Besonders stark betroffen sind die Menschen im Globalen Süden.
Hunger ist kein Schicksal. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und struktureller Ungleichheiten. Hierzu gehört die Monopolisierung globaler Agrar- und Lebensmittelmärkte durch wenige Konzerne und die Verdrängung kleinbäuerlicher Strukturen. Verschärft wird die unsichere Ernährungslage durch bewaffnete Konflikte und die Folgen der Klimakrise.
Hinzu kommt das Versagen der internationalen Gebergemeinschaft: Mit dem faktischen Ende von USAID verliert das WFP rund 40 Prozent seiner Finanzierung. Westliche Staaten haben ihre Mittel für Ernährungsprogramme seit 2022 insgesamt um 44 Prozent reduziert. Und die Bundesregierung kürzt den BMZ-Etat von 13,8 Milliarden Euro (2022) auf voraussichtlich 9,3 Milliarden bis 2028. Das wäre ein verheerendes Signal in der womöglich schlimmsten globalen Hungerkrise seit Jahrzehnten.
Nahrung ist Menschenrecht
Gegen diese Entwicklung setzen wir ein konsequentes Gegenprogramm. In unserem Antrag „Ernährungssouveränität herstellen - globale Hungerkrise bekämpfen in Zeiten wachsender Finanzierungslücken“ fordern wir einen grundlegenden Paradigmenwechsel: weg von kurzfristiger Nothilfe, hin zu nachhaltiger Ernährungssouveränität. Das Recht auf Nahrung ist ein Menschenrecht und muss als verbindlicher Maßstab für alle Entscheidungen in der Entwicklungszusammenarbeit und der deutschen Außenpolitik gelten.
Konkret fordern wir die Bundesregierung auf, die Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe in den akutesten Krisenregionen deutlich aufzustocken und die eigenen Kürzungen zurückzunehmen. Das BMZ-Budget muss mindestens auf das Niveau von 2024 (11,2 Milliarden Euro) angehoben werden.
Strukturelle Reformen nötig
Langfristig braucht es strukturelle Lösungen: Die Stärkung kleinbäuerlicher Produzent*innen, lokale Wertschöpfungsketten, den Abbau gefährlicher Abhängigkeiten von fossilen Düngemitteln und Agrarimporten sowie faire Handelsbedingungen. Der Kampf gegen den Hunger gelingt nur mit nachhaltigen, resilienten Strukturen. Das bedeutet für uns lokale Wertschöpfung stärken, globale Abhängigkeiten und Lebensmittelspekulationen abbauen und die Landwirtschaft ökologisch umbauen, statt weiter auf industrielle Inputlandwirtschaft im Interesse des Agribusiness zu setzen. Gleichzeitig müssen Lebensmittelspekulation und Land Grabbing wirksam eingedämmt werden. Pestizide, die in der Europäischen Union verboten sind, dürfen nicht weiter in Drittländer exportiert werden. Auch müssen Anreize, Lebensmittel als Kraftstoff zu verheizen, endlich abgeschafft werden.
Kohärenz statt Widerspruch
Die glaubwürdige Bekämpfung von Hunger setzt voraus, dass Deutschland nicht mit der einen Hand gibt und mit der anderen nimmt. Europäische Handels- und Agrarpolitik müssen kohärent auf Ernährungssouveränität ausgerichtet werden.
Der Hunger von 673 Millionen Menschen ist keine Schicksalsfrage. Er ist politisch lösbar, wenn der Wille dazu da ist. Mit unserem Antrag zeigen wir, wie das geht.
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