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Psychotherapie stärken, Versorgung endlich reformieren
- Die psychotherapeutische Versorgung ist überlastet, Wartezeiten sind zu lang. Die aktuellen Honorarkürzungen verschärfen die Lage zusätzlich – während die Bundesregierung notwendige Reformen weiter aufschiebt.
- Die Bedarfsplanung ist veraltet und bildet den tatsächlichen Bedarf nicht ab. Besonders Kinder, ländliche Regionen und schwer Erkrankte werden unzureichend versorgt.
- Wir Grüne im Bundestag fordern eine umfassende Reform: bedarfsgerechte Planung, stärkere ambulante Versorgung, gezielte Unterstützung für Schwererkrankte sowie eine gesicherte Weiterbildung.
Versorgungslücken und steigender Bedarf
Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig stößt das Versorgungssystem an seine Grenzen: Patient*innen warten oft monatelang auf einen Therapieplatz, im Schnitt bis zu 26 Wochen. Vor allem in ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten ist die Versorgung deutlich schlechter, obwohl der Bedarf vergleichbar hoch ist. Die Folge: Erkrankungen verschlimmern sich, werden chronisch oder führen zu vermeidbaren und kostenintensiven Klinikaufenthalten.
Bundesregierung ignoriert Handlungsbedarf
Die beschlossene Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen verschärft die ohnehin angespannte Versorgungslage erheblich. Sie setzt Praxen wirtschaftlich unter Druck und kann den Zugang zu Therapie zusätzlich erschweren. Gleichzeitig bleibt die dringend notwendige strukturelle Reform aus: Die Bundesregierung hat bislang keine ausreichenden Schritte unternommen, um die Bedarfsplanung zu modernisieren oder die Versorgung nachhaltig zu stärken – trotz klarer Ankündigungen im Koalitionsvertrag.
Versorgung neu ausrichten – unsere Vorschläge
Mit unserem Antrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ legen wir Vorschläge für konkrete Maßnahmen vor – von der Reform der Bedarfsplanung über bessere Versorgung für schwer Erkrankte bis zur Sicherung der Weiterbildung.
Wir wollen die psychotherapeutische Versorgung grundlegend modernisieren: Die Bedarfsplanung basiert noch immer auf veralteten Daten aus den 1990er Jahren und bildet den tatsächlichen Bedarf nicht ab. Deshalb schlagen wir vor, die Planung konsequent am realen Bedarf auszurichten – insbesondere mit Blick auf unterversorgte Regionen und Gruppen in vulnerablen Situationen. Für Kinder und Jugendliche braucht es eine eigene Bedarfsplanung, damit wohnortnahe Versorgung und bessere Vernetzung mit Schulen und sozialen Angeboten möglich werden.
Zugleich sollen Menschen mit schweren oder chronischen Erkrankungen schneller Zugang zu multiprofessionellen, gut koordinierten Behandlungsangeboten erhalten. Übergänge zwischen Klinik und ambulanter Versorgung müssen reibungslos funktionieren. Auch für Menschen mit Suchterkrankungen, peripartalem Hilfebedarf oder Menschen mit Sprachbarrieren muss die Versorgung gestärkt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Fachkräftesicherung. Ohne ausreichend Weiterbildungsplätze droht ein Versorgungsengpass. Deshalb setzen wir uns für eine verlässliche Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung ein.
Gute Gründe für unsere Reform
- Schnellere Hilfe statt monatelanger Wartezeiten
- Gleichwertige Versorgung in Stadt und Land sowie Ost und West
- Bessere Unterstützung für Gruppen in vulnerablen Situationen
- Stärkere ambulante Strukturen statt unnötiger Klinikaufenthalte
- Zukunftssichere Fachkräftebasis
Jetzt handeln für bessere psychische Gesundheit
Psychische Gesundheit ist eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Die aktuellen Probleme sind bekannt – doch die notwendigen Reformen werden nicht entschlossen genug angegangen.
Wir setzen uns beständig dafür ein, die psychotherapeutische Versorgung endlich am Bedarf auszurichten, Zugänge zu erleichtern und die psychotherapeutische Weiterbildung nachhaltig zu finanzieren. Jetzt braucht es politisches Handeln.
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