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Gesundheit wohnortnah und gut gesteuert sichern

  • Die aktuelle Gesundheitspolitik verengt Primärversorgung auf ein primärärztliches System, verkennt Fachkräfteengpässe und liefert keine verlässlichen Daten zur tatsächlichen Versorgungslage.
  • Ein modernes Gesundheitswesen braucht eine wohnortnahe, niedrigschwellige Primärversorgung mit multiprofessionellen Teams, digital unterstützten Prozessen und systematischen Steuerungs- und Koordinationsmechanismen.
  • Wir Grüne im Bundestag fordern ein gesetzlich verankertes Primärversorgungssystem mit multiprofessionellen Teams, digitale Entlastung, koordinierende Erstversorgung, strukturierte Einschreibung, neue Vergütungssysteme und verbindliche Qualitäts- und Steuerungsstandards.

Versorgungsprobleme im Gesundheitssystem erkennen

Primärversorgung umfasst die erste medizinische Anlaufstelle für Patient*innen – von Hausärzt*innen bis zu multiprofessionellen Teams. Sie behandelt, koordiniert weitere Schritte und stärkt Prävention und Gesundheitskompetenz. So bildet sie das Fundament eines gerechten und effizienten Gesundheitssystems. Internationale wie nationale Studien zeigen, dass koordinierte Primärversorgung Über-, Fehl- und Unterversorgung reduziert und Ressourcen effizienter nutzt. Aktuelle Zahlen belegen jedoch eine sinkende Zahl an Hausärzt*innen, eine wachsende Zahl unbesetzter Praxissitze und drohende Unterversorgungen in vielen Planungsregionen. Die Bundesregierung liefert in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage weiterhin keine vollständigen Daten zur tatsächlichen Versorgung durch nicht-ärztliche Gesundheitsberufe und hat kein tragfähiges Gesamtkonzept zur Primärversorgung.

Defizite in Analyse und Konzept

Die Bundesregierung beschränkt ihre Strategie auf ein primärärztliches Modell im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung. Dieses verfehlt die strukturellen Herausforderungen: Demografischer Wandel, Fachkräfteengpässe und ineffiziente Ressourcenverteilung bleiben ungelöst. Wichtige Daten zur Teilnahme und Versorgungslage fehlen, und die bisherigen Ansätze schaffen keine systematische Steuerung oder Patientenkoordination.

Unser Vorschlag: Ein starkes Primärversorgungssystem

Wir Grüne im Bundestag fordern ein gesetzlich verankertes Primärversorgungssystem, das über reine ärztliche Perspektiven hinausgeht. Es integriert multiprofessionelle Teams aus Ärzt*innen, Pflege- und Gesundheitsfachberufen und nutzt digitale Werkzeuge zur Entlastung der Praxisteams und zur bedarfsgerechten Patientensteuerung: Digital vor ambulant vor stationär.

Unsere Kernforderungen sind:

  • Erhalt der freien Arztwahl;
  • verpflichtende wohnortnahe Erstversorger als koordinierende Anlaufstellen;
  • strukturierte Einschreibung und koordinierte Weiterleitung innerhalb des Systems;
  • digitale Erstkontakte, eKonsile und Telemedizin zur Entlastung und besseren Erreichbarkeit;
  • neue Vergütungsmodelle mit Pauschalen zur Förderung von Teamleistung und Prävention;
  • Qualitäts- und Steuerungsstandards;
  • Förderung von Primärversorgungszentren besonders in strukturschwachen Regionen.

Mit unserem Antrag fordern wir die Bundesregierung auf, noch in diesem Jahr einen Gesetzentwurf vorzulegen, der ein modernes Primärversorgungssystem schafft und die wohnortnahe Versorgung dauerhaft sichert. In verschiedenen parlamentarischen Anfragen und Initiativen haben wir bereits Defizite der Regierungsarbeit offengelegt und Alternativen aufgezeigt.

Unser Modell steigert Versorgungsqualität und Patient*innenzufriedenheit, entlastet Fachkräfte nachhaltig, nutzt digitale Potenziale und stärkt Prävention. Es verhindert Über- und Fehlversorgung, reduziert Bürokratie und optimiert Ressourcen durch koordinierte Abläufe und multiprofessionelle Teams.

Ein gesetzlich verankertes Primärversorgungssystem ist entscheidend für ein zukunftsfestes Gesundheitswesen. Jetzt kommt es darauf an, den Gesetzgebungsprozess voranzutreiben, Datenlücken zu schließen, digitale und strukturelle Reformen umzusetzen und den Patient*innen dauerhaft eine qualitativ hochwertige, koordinierte Versorgung zu sichern.

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