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Krisenresilienz in der Pflege

  • Krisensituationen wie Pandemien, Hitzeperioden oder Stromausfälle können jederzeit auftreten und die gesamte Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Ältere, pflegebedürftige Menschen und solche mit Behinderung sind jedoch besonders gefährdet.
  • Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz in Deutschland sind darauf noch zu wenig eingestellt. Die schwarz-rote Koalition führt wichtige Impulse der Ampel-Regierung nicht fort.
  • Wir fordern die Bundesregierung auf, einen Maßnahmenplan vorzulegen und die Krisenresilienz in der häuslichen und stationären Pflege zu stärken. 

Wir alle erinnern uns an die hohe Erkrankungsrate älterer Menschen in der Corona-Pandemie und an die damit verbundenen, schmerzhaften Einschränkungen des sozialen Lebens und im Alltag der pflegerischen Versorgung. Auch bei Hitzeperioden zählen ältere und pflegebedürftige Menschen zu den Gruppen, die am schnellsten von einer Dehydrierung oder Kreislaufproblemen bedroht sind. Nicht zuletzt hat der Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres 2026 beeindruckend gezeigt, dass diese vulnerablen Gruppen auch in solchen Situationen vor besonderen Herausforderungen stehen können. Für alle Einwohner*innen war es zunächst schwer, an Informationen zu kommen. Aber mit Hörproblemen, kognitiven oder körperlichen Einschränkungen bestehen dafür noch viel größere Hürden. Ein eigenständiges Verlassen der Wohnung oder betroffener Gebiete ist dann ebenfalls keine Selbstverständlichkeit. Nicht zuletzt kann sogar das Überleben vom Funktionieren der Stromversorgung abhängen, wie zum Beispiel bei Geräten für künstliche Beatmung. 

Nachholbedarf bei Krisenresilienz in der Pflege

Dieser besonderen Verwundbarkeit müssen Gesellschaft und Politik Rechnung tragen. Das gilt insbesondere bei der Vorbereitung auf Krisenszenarien. Die Notwendigkeit dafür wird angesichts des demografischen Wandels nicht ab-, sondern weiter zunehmen. Für eine gute Krisenresilienz in der Pflege gibt es jedoch noch viel Nachholbedarf. Auch das hat der Stromausfall in Berlin gezeigt: Rettungskräfte und Verantwortliche hatten keine ausreichenden Informationen darüber, wer akut Hilfe brauchte, etwa aufgrund einer Abhängigkeit von Beatmungsgeräten. Pflegedienste standen vor der Herausforderung, die von ihnen betreuten Menschen zu erreichen, auch wenn Klingeln und Handys nicht funktionierten. Während Krankenhäuser durch Notstromaggregate abgesichert waren, blieben mehrere Pflegeheime ohne Strom und die Temperatur kühlte sich für die Bewohner*innen zunehmend ab. Pflegebedürftige Menschen verbrachten Nächte in Notunterkünften, die dafür nicht geeignet waren. 

Bundesregierung zeigt bisher keine Ambitionen

Zwar wurde die Vorbereitung auf Krisensituationen als Qualitätsanforderung an Pflegeeinrichtungen und -dienste durch ein Gesetz aus der Ampel-Regierung eingeführt. Die Umsetzung ist jedoch sehr unterschiedlich und wird auch nicht einheitlich kontrolliert. Zum Thema Hitzeschutz gab es einen Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums im Jahr 2023. Von der schwarz-roten Regierung kamen bisher keine neuen Impulse dazu. Das Gesundheitssicherstellungsgesetz, das die medizinische Versorgung der Bevölkerung in Krisen-, Katastrophen- und Verteidigungsfällen gewährleisten soll, lässt auf sich warten und es ist keinesfalls sicher, dass die Pflege ein Teil davon sein wird. In der Praxis mangelt es vor allem an der Finanzierung von Hitzeschutz und Krisenvorsorge. Dies haben unsere Fachgespräche zum Thema gezeigt.

Wir fordern einen umfassenden Maßnahmenplan 

Deshalb fordern wir Grüne im Bundestag die Bundesregierung auf, einen Maßnahmenplan zur Stärkung der Krisenresilienz in der häuslichen und stationären Pflege sowie in besonderen Wohnformen der Eingliederungshilfe vorzulegen. Dieser muss unter anderem vorsehen, dass pflegebedürftige Menschen, ihre An- und Zugehörigen, Pflegeanbieter und Pflegefachpersonen in Bevölkerungsschutz und der Krisenvorsorge verbindlicher einbezogen werden. So sollten die rechtlichen Voraussetzungen geprüft und geschaffen werden, wie im Krisenfall erforderliche Informationen, die den Pflegekassen bereits vorliegen, unter Wahrung des Datenschutzes, zeitlich begrenzt genutzt werden können. Dazu gehört etwa die Abhängigkeit von Beatmungsgeräten. Anzustreben sind barrierefreie, mehrsprachige und eben auch bei Strom- und Internetausfällen nutzbare Kommunikationswege. Außerdem braucht es verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten für Krisenvorsorge, technische Ausstattung, Schulungen, Übungen und organisatorisches Krisenmanagement. Dazu gehören auch Notstromlösungen.

Auch Hitzewellen werden zunehmend zu regelmäßigen Herausforderungen für unsere Gesellschaft, wovon ältere und pflegebedürftige Menschen stark betroffen sind. Deswegen muss Hitzeschutz fester Bestandteil von Krisenvorsorge und Bevölkerungsschutz werden. 

Parlamentarische Initiativen

Krisenresilienz in der Pflege stärken – Häusliche und stationäre Pflege verlässlich auf Krisen vorbereiten

Hitzekrise ernst nehmen – Hitzeschutz verbindlich, sozial gerecht und finanziell absichern Drucksache 21/6343 

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