Krisenresilienz in der häuslichen Pflege – Lehren aus dem Stromausfall

Online-Fachgespräch

Veranstaltungsdetails

17:00 - 19:00 Uhr
Digitale Veranstaltung
Zur Anmeldung
bis

Über die Veranstaltung

Veranstaltungsbericht 

Der Stromausfall in Berlin im Januar 2026 hat gezeigt, dass die Situation von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen besondere Aufmerksamkeit erforderte. In diesem ersten von zwei digitalen Fachgesprächen haben wir mit unseren Gästen besprochen, welche Herausforderungen bestanden und welche Lehren sich daraus für eine bessere Krisenresilienz in der häuslichen Pflege ableiten lassen. 

Andreas Audretsch MdB, stellvertretender Fraktionsvorsitzender, eröffnete die Veranstaltung und stellte heraus, welchen hohen Wert Krisenresilienz und die Vorbereitung auf verschiedene Szenarien für die politische Arbeit der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag haben. Der Bereich der häuslichen Pflege sei dabei besonders vulnerabel. In diesem Sinne dankte er den Teilnehmenden für ihre Hinweise für eine bessere Krisenvorsorge in der häuslichen Pflege.

Simone Fischer MdB, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion, moderierte die Veranstaltung. Sie beschrieb, welche Erwägungen zu dem Fachgespräch geführt hatten. Die Ungewissheit, wo hilfebedürftige Menschen wohnen und ob alle Bedarfe gedeckt sind, die teilweise ungeeignete Unterbringung in Notunterkünften hätten gezeigt, dass Handlungsbedarf bestehe für eine bessere Krisenresilienz in der häuslichen Pflege. Dabei gehe es nicht nur um Stromausfälle, sondern auch um andere Krisensituationen wie Hitzeperioden, Überschwemmungen oder Pandemien.

Als Expert:innen nahmen teil: Albrecht Bechmann, Einrichtungsleiter der Caritas-Sozialstation Steglitz-Zehlendorf, Maren Schellenberg, Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf, Ursula Helms, Mitglied des geschäftsführenden Vorstands von wir pflegen e. V., Dr. Heidi Oschmiansky, Referentin Klimaanpassung Deutsches Rotes Kreuz e. V. (DRK), Vasili Franco MdA Sprecher für Innenpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin, Kai A. Kasri, Präsidiumsmitglied des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Dr. Elisabeth Fix, Leitung des Verbindungsbüro Bundespolitik des Deutschen Caritasverbandes e. V. und Nadine-Michèle Szepan, Leiterin der Abteilung Pflege des AOK-Bundesverbandes. 

Die Diskussion startete mit Erfahrungsberichten aus der Praxis. Herr Bechmann schilderte, wie seine Sozialstation, die pflegebedürftige Menschen im betroffenen Gebiet ambulant betreut, infolge des Stromausfalls mit verschlossenen elektrischen Türen und ausgefallenen Telefon- und Klingelanlagen zu kämpfen hatte. Letztlich konnten aber alle Klient*innen erreicht, versorgt oder bei Angehörigen untergebracht werden. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg legte dar, dass die Übermittlung von Informationen generell eine Herausforderung war, jedoch insbesondere gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen. Und selbst wenn Listen mit Namen von potenziell hilfebedürftigen Personen vorlägen, sei es mit begrenzten personellen Ressourcen schwierig, alle aufzusuchen oder zu erreichen. Frau Dr. Oschmiansky verwies darauf, dass das DRK sich seit 2016 intensiv mit dem Katastrophenschutz für pflegebedürftige Menschen auseinandersetze. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass das Auffinden der Menschen dann eine der größten Herausforderungen darstelle.

Diskutiert wurde, inwiefern ein Notfallregister dazu beitragen kann, pflegebedürftige Menschen in Krisensituationen finden und ihnen gezielt helfen zu können. Nadine-Michèle Szepan vom AOK-Bundesverband legte dar, dass die Pflegekassen zwar über die Daten von Leistungsempfängern verfügten, diese aber hochsensibel seien und dass es für eine Weitergabe in Katastrophensituationen eine entsprechende gesetzliche Grundlage brauche. Vasili Franco MdA erläuterte den Gesetzesvorschlag für die Erstellung eines Notfallregisters im Land Berlin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Wichtig sei die Formulierung eines klaren Ziels und einer Zweckvorgabe für die Registrierung der Daten. 

Zur Frage, welche Berücksichtigung der häuslichen Pflege im Katastrophenschutz finden sollte, führte Ursula Helms von wir pflegen e. V. aus, dass die Einbindung von An- und Zugehörigen von zentraler Bedeutung sei. Sie müssten in alle relevanten Planungs- und Entscheidungsprozesse der Krisenbewältigung einbezogen werden. Denn pflegende An- und Zugehörige versorgen den überwiegenden Teil der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland und auch solche, die keine Leistungen von Pflegediensten und Pflegekassen erhalten und Letzteren somit nicht bekannt sein könnten. 

Zur Situation der Pflegedienste forderte Dr. Elisabeth Fix vom Caritas Bundesverband, dass Krisenvorsorge angemessen finanziert werden müsse und die Kosten dafür nicht auf die pflegebedürftigen Menschen umgelegt werden dürften. Zudem hätten gemeinnützige Pflegeeinrichtungen schwierige Bedingungen, um etwa in Photovoltaik zu investieren. Dies stehe einer krisenunabhängigen Stromversorgung im Wege. Pflegedienste und ihre Mitarbeiter*innen könnten mit ihrer Expertise außerdem Teil der Lösung für gute Krisenvorsorge und -bewältigung sein. Herr Kasri vom bpa verwies darauf, dass ein sachgerechter Datenschutz ein wichtiger Ansatzpunkt sei, um als Pflegedienst auch in Krisen gut agieren zu können.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand ein angeregter Austausch mit dem Publikum statt. Die Teilnehmenden gaben viele wichtige Hinweise, beispielsweise zur Bedeutung der Expertise von Pflegefachpersonen für eine gute Krisenresilienz, zur Situation von pflegebedürftigen Wöchnerinnen und es wurde auf verschiedene lokale Projekte und Initiativen hingewiesen. 

Simone Fischer resümierte, pflegende An- und Zugehörige sowie professionell Pflegende sollten deutlich stärker in die Vorbereitungen für Krisensituationen einbezogen werden. Krisenvorsorge muss ausreichend finanziert werden. Wir werden weiter verschiedene Möglichkeiten prüfen, wie Informationen zu hilfebedürftigen Menschen datenschutzkonform für Katastrophensituationen hinterlegt und genutzt werden können

Das zweite Fachgespräch: "Krisenresilienz in der stationären Pflege" der zweiteiligen digitalen Gesprächsreihe findet am 20.04.2026 statt.


  • Veranstalter
    FB 5-Koordinationsbüro (Gesellschaftspolitik und soziale Infrastruktur)
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL 030/227 51814
    fachbereich5@gruene-bundestag.de

Programm

Begrüßung

Andreas Audretsch MdB 
Stellvertretender Fraktionsvorsitzender
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:00 Uhr

Politische Einführung

Simone Fischer MdB 
Sprecherin für Pflegepolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:10 Uhr

Paneldiskussion: Krisenresilienz in der häuslichen Pflege – Lehren aus dem Stromausfall

Albrecht Bechmann
Einrichtungsleiter
Caritas-Sozialstation Steglitz-Zehlendorf

Ursula Helms
Mitglied des geschäftsführenden Vorstands
wir pflegen e. V. 

Maren Schellenberg
Bezirksbürgermeisterin
Steglitz-Zehlendorf 

Vasili Franco MdA
Sprecher für Innenpolitik
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin

Kai A. Kasri
Präsidiumsmitglied
Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. 

Dr. Elisabeth Fix
Leitung des Verbindungsbüro Bundespolitik
Deutscher Caritasverband e. V.

Philipp Wiesener 
Bundesbeauftragter Katastrophenschutz
Deutsches Rotes Kreuz e. V. 

Nadine-Michèle Szepan
Leiterin der Abteilung Pflege
AOK-Bundesverband

Moderation: Simone Fischer MdB

17:20 Uhr

Ende der Veranstaltung

19:00 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Andreas Audretsch
 

Stellvertretender Fraktionsvorsitzender

Simone Fischer
 

Sprecherin für Pflegepolitik