Krisenresilienz in der stationären Pflege – Lehren aus dem Stromausfall

Online-Fachgespräch

Veranstaltungsdetails

17:00 - 19:00 Uhr
Digitale Veranstaltung
Zur Anmeldung
bis

Über die Veranstaltung

Der Stromausfall in Berlin im Januar 2026 hat gezeigt, dass gerade die Situation von hilfe- und pflegebedürftigen Menschen in solchen Situationen besondere Aufmerksamkeit erforderte. Im zweiten digitalen Fachgespräch unserer Reihe haben wir mit unseren Gästen besprochen, welche Herausforderungen in Pflegeheimen bestanden und welche Lehren sich daraus für eine bessere Krisenresilienz in der stationären Pflege ziehen lassen. 

Misbah Khan MdB, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte die Anwesenden. Sie unterstrich, dass der Stromausfall deutlich gemacht habe, dass pflegebedürftige Menschen eine sehr vulnerable Gruppe seien und es eine bessere Vorsorge brauche. Deshalb sei es ein wichtiges Anliegen der Fraktion, die Krisenresilienz in der stationären Pflege zu thematisieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu prüfen. In diesem Sinne dankte sie den Anwesenden für ihre Hinweise und für die Teilnahme an dem Gespräch. 

Simone Fischer MdB, pflegepolitische Sprecherin der Fraktion, moderierte die Veranstaltung. Sie beschrieb, welche Erwägungen zu dem Fachgespräch geführt hatten. Während in Krankenhäusern die Versorgung mit Notstromaggregaten größtenteils abgesichert war, blieben mehrere Pflegeheime ohne Strom und die Temperatur kühlte sich zunehmend ab. Die Mitarbeitenden in den Einrichtungen standen vor der Herausforderung, die ihnen anvertrauten Menschen in dieser Situation ganz ohne Strom und Heizung zu betreuen. Einrichtungsleitungen mussten sich unter großem Zeitdruck mit Einsatzkräften abstimmen und über die weiteren Schritte entscheiden. Vor diesem Hintergrund wolle man analysieren, welche Schlussfolgerungen für künftige Ereignisse gezogen werden könnten und wie auch die Bundesebene für eine bessere Krisenvorsorge unterstützen könne. 

Als Expert:innen nahmen teil: Benjamin Teggatz, Geschäftsführer des Pflegewohnheims „Haus Luther“ GmbH, Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e. V. (DPR), Silke Gebel MdA, Sprecherin für Pflegepolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin, Carolin Drößler, Referentin für Altenhilfe des AWO Bundesverbandes e. V., Pascal Tschörtner, Geschäftsbereichsleiter stationäre Versorgung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), Prof. Dr. Sinja H. Meyer-Rötz, Pflegebeauftragte des Landes Berlin, Johanne Peter, Stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Bevölkerungsschutz des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland e.V. (ASB). 

Die Diskussion startete mit einem Erfahrungsbericht aus der Praxis. Benjamin Teggatz schilderte, dass in seinem vom Stromausfall betroffenen Pflegeheim „Haus Luther“ in erster Linie dafür gesorgt werden musste, dass die Mitarbeiter*innen Licht hatten und damit ihrer Arbeit nachgehen konnten. Evakuierungen konnten im Sinne der Bewohner*innen glücklicherweise vermieden werden. Wichtig wäre eine bessere Einbindung der Pflegeanbieter in örtliche Krisenstäbe gewesen. Johanne Peter vom ASB verwies darauf, dass für jede Einrichtung individuell geprüft und angepasst werden müsste, wie Vorsorgekonzepte passgenau umgesetzt werden könnten. 

Zur Situation der Mitarbeiter*innen und Einbezug von Pflegeexpertise in Katastrophenschutz führte Christine Vogler vom DPR aus, dass die Pflege und speziell die Expertise von Pflegefachpersonen noch zu wenig in die Vorsorge und Bewältigung von Krisensituationen einbezogen werden. Erforderlich seien gezielte Schulungen, sowohl für die Bevölkerung insgesamt als auch für Pflegende, und die Kommunikation der Krisenstäbe müsse barrierefreier und besser werden. Silke Gebel MdA nannte als Schlussfolgerungen aus den Berliner Erfahrungen die Notwendigkeit einheitlicher Handlungsvorgaben, die Einrichtung einer zentralen Hotline für gewerbliche Kunden und das Vorhalten notwendiger Daten über Einrichtungen. 

Zum Thema der Infrastruktur sprachen sich sowohl Carolin Drößler vom AWO Bundesverband als auch Pascal Tschörtner vom bpa dagegen aus, Pflegeeinrichtungen wie Krankenhäuser zur KRITIS-Infrastruktur zu zählen. Die damit einhergehenden Anforderungen überforderten die zum Teil kleinen Einrichtungen und seien nicht sachgerecht. Sie brächten für die Pflegebedürftigen keinen Mehrwert, hingegen zusätzliche Kosten. In Bezug auf die Frage, ob alle Einrichtungen über ein Notstromaggregat verfügen sollten, empfehlen sowohl die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) als auch der bpa ihren Mitgliedern zumindest einen passenden Anschluss. Während die BAGFW in ihrer Handreichung laut Frau Drößler auch eigene Aggregate befürwortet, verwies Herr Tschörtner vom bpa auf die hohen Kosten von Netzersatzanlagen und stellte die Verhältnismäßigkeit in Frage. Auch im weiteren Verlauf der Diskussion gingen die Einschätzungen der verschiedenen Teilnehmenden und Expert*innen zu dieser Frage teilweise auseinander. 

Zum Themenblock Anforderungen an Pflegeeinrichtungen für Krisenvorsorge und deren Finanzierung stellte Frau Drößler die Vorgaben dar, die es durch die „Maßstäbe und Grundsätze“ zur Qualitätssicherung in der Pflege nach § 113 SGB XI und durch die entsprechenden Handreichungen der BAGFW schon gibt. Auch Herr Tschörtner berichtete von entsprechenden Hilfestellungen durch seinen Verband an die Mitgliedseinrichtungen. Beide stellten heraus, dass die Krisenvorsorge ausreichend finanziert werden müsse. Ein Umstieg auf Photovoltaik-Anlagen könne einen guten Beitrag leisten, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen würden. Frau Prof. Meyer-Rötz forderte, dass die Anforderungen aus den „Maßstäben und Grundsätzen“ jetzt auch mit Leben gefüllt und die Einrichtungen dabei gegebenenfalls unterstützt werden müssten. Neben einer ausreichenden Finanzierung könnten auch Austauschformate und Übungen dazu beitragen. In Berlin sei außerdem ein Notfallhandbuch gemeinsam mit der Pflegelandschaft entwickelt worden, das Anleitung für Notsituationen bieten könne. 

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand ein angeregter Austausch mit dem Publikum statt. Die Teilnehmenden gaben viele wichtige Hinweise, beispielsweise dass die Themengebiete der Innenpolitik bzw. des Katastrophenschutzes auf allen politischen Ebenen mit den Belangen der Pflege zusammengedacht und enger verzahnt werden müssten. 

Simone Fischer fasste als drei zentrale Ergebnisse zusammen, wie wichtig der Einbezug von Pflegefachkräften und Pflegeanbietern in die Krisenstäbe und den Katastrophenschutz sei, dass Krisenvorsorge auch finanziell ermöglicht werden müsse und dass alle Konzepte stets auf die Situation jeder Einrichtung vor Ort angepasst werden müssten. 

 

Das erste Fachgespräch “Krisenresilienz in der häuslichen Pflege – Lehren aus dem Stromausfall” der zweiteiligen digitalen Gesprächsreihe fand am 13.04.2026 statt.

 

  • Veranstalter
    FB 5-Koordinationsbüro (Gesellschaftspolitik und soziale Infrastruktur)
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL 030/227 51783
    fachbereich5@gruene-bundestag.de

Programm

Begrüßung

Misbah Khan MdB 
Stellvertretende Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:00 Uhr

Politische Einführung

Simone Fischer MdB
Sprecherin für Pflegepolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

17:10 Uhr

Paneldiskussion: Krisenresilienz in der stationären Pflege – Lehren aus dem Stromausfall

Benjamin Teggatz
Geschäftsführer
Pflegewohnheim „Haus Luther“ GmbH

Christine Vogler
Präsidentin
Deutscher Pflegerat

Silke Gebel MdA
Sprecherin für Pflegepolitik
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin 

Pascal Tschörtner
Geschäftsführer, Geschäftsbereichsleiter stationäre Versorgung
Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. 

Carolin Drößler
Referentin für Altenhilfe
AWO Bundesverband e. V.

Prof. Dr. Sinja H. Meyer-Rötz 
Pflegebeauftragte
Land Berlin

Johanne Peter
Stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Bevölkerungsschutz
Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V.

Moderation: Simone Fischer MdB 

17:20 Uhr

Ende der Veranstaltung

19:00 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Misbah Khan
 

Stellvertretende Fraktionsvorsitzende

Simone Fischer
 

Sprecherin für Pflegepolitik