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Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen sichern
- In Deutschland sinkt die Zahl der Ärzt*innen und Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Viele Frauen müssen lange Wege in Kauf nehmen oder finden gar keine Versorgung vor – besonders in ländlichen Regionen. Die derzeitige Politik lässt strukturelle Versorgungslücken bestehen.
- Wir sehen ein Versorgungsdefizit, das selbstbestimmte Entscheidungen in Frage stellt. Fehlende Infrastruktur, unzureichende Koordination der Krankenhausplanung und mangelnde Aus- und Weiterbildung von Mediziner*innen verschärfen den Zugang zu notwendigen Leistungen.
- Unser Antrag fordert klare Maßnahmen zur Sicherstellung wohnortnaher Versorgung, gesetzliche Änderungen zur Stärkung von Angeboten, verpflichtende Aus- und Weiterbildung im ärztlichen Bereich sowie gezielte telemedizinische Angebote als kurzfristige Brückenlösung.
Wenn Versorgung zur Glückssache wird
Trotz gesetzlicher Regelungen und klarer verfassungsgerichtlicher Vorgaben zur flächendeckenden Versorgung von Schwangerschaftsabbrüchen zeigen aktuelle Daten des ELSA-Berichts, dass diese in vielen Regionen Deutschlands nicht gesichert ist. In mehreren Bundesländern gibt es nur einige wenige Anlaufstellen. Jede fünfte Frau berichtet von Schwierigkeiten bei der Suche nach einer Einrichtung. In ländlichen Gebieten müssen Betroffene oft über 100 km zurücklegen, um eine medizinisch sichere Versorgung in Anspruch zu nehmen.
Wegschauen statt Verantwortung übernehmen
Die Bundesregierung hat bisher wirksamen Instrumente weder umgesetzt noch angekündigt, um die strukturellen Versorgungslücken zu schließen. Die Krankenhausplanung bleibt weitgehend den Ländern überlassen, ohne verlässliche bundesweite Strategien zur Sicherstellung von Angeboten. Klinikfusionen bergen das Risiko, einer weiteren Verschlechterung, wenn nicht rechtzeitig Vorkehrungen getroffen werden. Aktuelle Fälle aus Lippstadt und Flensburg zeigen, dass Versorgungsangebote entfallen, wenn katholische Krankenhäuser ihren Beschäftigten nach Übernahme einer Klinik die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen untersagen. Auch Ausbildung und Weiterbildung von Ärzt*innen im Bereich Schwangerschaftsabbruch sind nicht verpflichtend, was die Bereitschaft zur Leistungserbringung weiter schwächt. So droht das verfassungsrechtlich verankerte Recht auf selbstbestimmte Entscheidung praktisch wirkungslos zu werden.
Unser Ziel: Zugang sichern – Qualität stärken
Unser Antrag stellt einen umfassenden Lösungsansatz vor:
- Bundesweite Versorgungsgarantie: Die Bundesregierung wird aufgefordert, die Versorgungssituation systematisch zu prüfen und zu verbessern – auch durch Anreize und Vorgaben für Länder und Kliniken.
- Rechtliche Klarstellungen: Gesetzliche Änderungen sollen verhindern, dass Krankenhausfusionen oder Trägerentscheidungen zu einem weiteren Abbau von Angeboten führen.
- Telemedizinische Beratung: Kurzfristig sollen telemedizinische Angebote etabliert werden, um regionale Ungleichheiten abzumildern.
- Ausbildung stärken: Schwangerschaftsabbrüche müssen verpflichtender Bestandteil der ärztlichen Weiterbildung werden, um Fachkräfte für diese Leistungen auszubilden und zu gewinnen.
Diese Maßnahmen sichern nicht nur den flächendeckenden Zugang, sondern stärken auch die Qualität und Rechtssicherheit der Versorgung.
Wir bringen das Thema ins Parlament
Mit unserem Antrag „Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen sichern“ (Vorabfassung) bringen wir diese zentralen Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung ins Parlament ein:
- Selbstbestimmung sichern: Frauen erhalten tatsächlich realisierbaren Zugang zu medizinisch sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.
- Versorgungsgerechtigkeit: Ländliche Regionen werden nicht länger strukturell benachteiligt.
- Qualität stärken: Durch verpflichtende Ausbildung wächst die Zahl qualifizierter Ärzt*innen.
- Telemedizin als Brücke: Schnell realisierbare Angebote verbessern kurzfristig die Unterstützung.
Politische Konsequenzen erforderlich
Die Bundesregierung muss jetzt handeln: mit gesetzlichen Klarstellungen, konkreten Vorgaben zur Krankenhausplanung und strategischer Förderung der Versorgung. Unser Antrag bietet den Fahrplan, um Selbstbestimmung und gesundheitliche Versorgung überall in Deutschland zu gewährleisten.
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