Bezahlbarer Start ins Erwachsenenleben: Damit deine Pläne nicht am Geldbeutel scheitern
Die Zusage ist da. Studienplatz in Köln, Ausbildung in Hamburg. Jetzt schreibst du eine WG nach der anderen an. Auf einem großen WG-Portal bekommt ein Angebot in mehreren Städten gerade mehr als dreimal so viele Anfragen wie noch im Juni. Und wenn es endlich klappt, frisst die Miete einen riesigen Teil deines Geldes. Wir Grüne im Bundestag wollen mehr bezahlbare Zimmer, ein BAföG, das zur Miete passt, und faire Löhne für Azubis.
picture alliance/dpa | Eman Helal
Kurz & Knapp: Raus aus dem Kinderzimmer, rein ins eigene Leben
Dein Start ins eigene Leben soll bezahlbar sein, egal in welcher Stadt. Deshalb wollen wir bis 2030 für 100.000 Wohnheimplätze sorgen, neu gebaut oder saniert. Das BAföG soll sich nach den Mieten in deiner Stadt richten. Azubis sollen in den ersten beiden Lehrjahren mindestens 80 Prozent von dem verdienen, was Tarifverträge im Schnitt zahlen. Wer es braucht, soll zum Start 1.000 Euro für Kaution und Möbel bekommen. Dazu kommen ein Mindestlohn von 15 Euro und Bus und Bahn, die du dir leisten kannst.
Um was geht es?
Ein WG-Zimmer kostet zum Wintersemester im Schnitt rund 510 Euro im Monat. Vor zehn Jahren waren es rund 349 Euro. Das BAföG rechnet fürs Wohnen aber nur mit 380 Euro. Rund 130 Euro im Monat sind damit nicht eingeplant. Studierende, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, geben im Schnitt mehr als die Hälfte ihres Geldes fürs Wohnen aus. 65 Prozent von ihnen gelten als überlastet.
Dazu kommt: Die Preise gehen weit auseinander. In Chemnitz zahlst du für ein WG-Zimmer rund 305 Euro, in München rund 850 Euro. Vor zehn Jahren studierte gut ein Drittel der Studierenden in Städten, in denen ein Zimmer ungefähr so viel kostete wie im Bundesschnitt. Heute ist es nur noch etwa jede*r Fünfte. Wo du studierst, hängt deshalb immer stärker davon ab, was du dir leisten kannst. Und oft davon, was deine Eltern zahlen können.
Für Azubis ist es oft noch härter. Ein WG-Zimmer in Berlin kostet rund 650 Euro. Wer nur die Mindestvergütung bekommt, hat im ersten Lehrjahr 724 Euro brutto. Kein Wunder, dass 72 Prozent der Azubis bei ihren Eltern wohnen, obwohl die Mehrheit sich eine eigene Wohnung wünscht. Bundesweit gibt es rund 241.000 Wohnheimplätze für Studierende, aber nur etwa 20.000 für Azubis. Wer nicht umziehen kann, nimmt die Lehrstelle um die Ecke statt die, die passt. Das spüren auch die Betriebe. Die Industrie- und Handelskammer Berlin berichtet: Drei von zehn Betrieben dort haben in den letzten fünf Jahren erlebt, dass Azubis ihre Stelle nicht angetreten haben, weil sie keine Unterkunft fanden.
Und es bleibt nicht bei der Miete. Das Deutschlandticket kostet in diesem Jahr 63 Euro, zum Start waren es 49 Euro. Den Kulturpass für 18-Jährige hat die Bundesregierung Ende 2025 eingestellt. All das kommt zusammen, wenn du zum ersten Mal auf eigenen Beinen stehst. Und vieles davon kann Politik ändern.
Unsere Maßnahmen im Überblick
Was bedeutet das konkret für dich?
- Eine Wohnheim-Offensive für 100.000 Plätze. Bis 2030 wollen wir den Bau und die Sanierung von 100.000 Wohnheimplätzen für Studierende und Azubis fördern. Dafür braucht das Programm „Junges Wohnen“ dauerhaft mehr Geld vom Bund. Und das Geld muss in Wohnheimen ankommen, nicht in anderen Töpfen. Wie günstig gemeinnützige Wohnheime sein können, zeigen die Studierendenwerke: Dort zahlst du im Schnitt rund 320 Euro.
- Ein BAföG, das zu deiner Miete passt. Wer in München studiert, zahlt mehr fürs Zimmer als in Chemnitz. Wir wollen, dass sich die Wohnpauschale nach den Mieten vor Ort richtet, zum Beispiel nach den Stufen beim Wohngeld. In einer teuren Stadt bekommst du dann auch mehr. Den Grundbedarf, also das Geld für Essen, Kleidung und Alltag, wollen wir auf mindestens 563 Euro anheben. Das entspricht dem Bürgergeld. Und der Betrag wächst automatisch mit den Preisen. Außerdem soll das BAföG unabhängiger vom Einkommen deiner Eltern werden und auch ein Teilzeitstudium abdecken.
- Endlich ein Zuhause für Azubis. Brauchst du Geld für Kaution und erste Möbel, sollst du zum Start 1.000 Euro bekommen. Vorbild ist die Studienstarthilfe, die es für manche Studierende schon gibt. Wir wollen neue Azubiwerke in den Ländern unterstützen. In Hamburg und München vermitteln sie schon Zimmer und helfen bei Fragen weiter. Die geplante Beratungsstelle des Bundes für Azubi-Wohnen muss zügig starten und mindestens 1,5 Millionen Euro im Jahr bekommen. Und kleine Betriebe unterstützen wir dabei, gemeinsam Wohnungen für ihre Azubis anzumieten.
- Faire Regeln für Untermiete und möblierte Zimmer. Nach unserem Vorschlag darf niemand mehr Gewinn machen, wenn er ein Zimmer untervermietet. Kündigen Vermieter*innen der Hauptmietpartei, weil sie an dir verdient hat, bist du als Untermieter*in besser geschützt. Im Vertrag für ein möbliertes Zimmer steht dann, was das Zimmer kostet und was die Möbel. Der Aufschlag für Bett und Schrank richtet sich nach ihrem Wert. Außerdem wollen wir eine wirksame Mietpreisbremse. Und Länder und Kommunen sollen in begehrten Gegenden den Anstieg der Mieten fünf Jahre lang stoppen können.
- Schneller und günstiger bauen. Leere Büros und Gewerbehallen sollen leichter zu Wohnheimen werden. Neue Wohnheime wollen wir mit einfacheren Standards bauen lassen, ohne dass sie mehr Energie verbrauchen. Schleswig-Holstein und Hamburg nutzen solche einfacheren Standards schon.
- Mehr Geld von Anfang an. Im ersten und zweiten Lehrjahr sollst du mindestens 80 Prozent von dem bekommen, was Tarifverträge im Schnitt zahlen. Betriebe, die zum Beispiel Geflüchtete oder Menschen ausbilden, die Kinder oder Angehörige versorgen, wollen wir mit einer Prämie unterstützen. Schulgeld soll in allen Ausbildungsberufen wegfallen. Auch für ein Pflichtpraktikum sollst du Geld bekommen. Und den Mindestlohn wollen wir auf 15 Euro anheben.
- Günstig unterwegs. Das Deutschlandticket muss wieder deutlich günstiger werden, für junge Menschen ganz besonders. In jeder Kommune soll mindestens einmal pro Stunde ein Bus oder eine Bahn fahren, vom frühen Morgen bis spät am Abend. Für Azubis wollen wir ein Mobilitätsbudget: Geld für ein Dienstrad, ein Jobticket oder den Führerschein. Staat und Betrieb zahlen je die Hälfte.
- Kultur für alle. Das erste Festival soll für alle drin sein. Deshalb wollen wir den Kulturpass für 18-Jährige zurück.
Warum setzen wir uns dafür ein?
Wir wollen ein Land, in dem du deinen Weg selbst wählst. Ob Tischlerin in Freiburg oder Pfleger in Hamburg: Entscheiden sollen deine Talente, nicht die Miete. Fehlen bezahlbare Zimmer, hängen deine Chancen am Elternhaus. Das ist ungerecht, und es trifft auch die Betriebe, die Nachwuchs brauchen.
Frei bist du erst, wenn du ausziehen kannst, sobald du so weit bist. Und wenn du dein Wunschstudium antrittst, auch wenn dafür ein Umzug nötig ist. Dafür kämpfen wir: für gerechte Chancen und ein Land, das jungen Menschen einen Platz gibt.
Was die schwarz-rote Regierung macht und warum das nicht reicht
Die Bundesregierung hat Studierenden mehr Geld fürs Wohnen versprochen: 440 statt 380 Euro, schon zu diesem Wintersemester. Jetzt kommt die Erhöhung erst im April 2027. Bis dahin bleibt es bei 380 Euro. An 76 von 90 Hochschulorten reicht das nicht einmal für ein durchschnittliches WG-Zimmer. Selbst mit 440 Euro fehlt an der Hälfte der Hochschulorte Geld. Eine feste Summe für ganz Deutschland passt eben nicht zu Mieten zwischen 305 und 850 Euro.
Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD eine „WG-Garantie“ angekündigt. Bisher ist davon wenig zu sehen. Zwar verdoppelt die Regierung 2027 das Geld für „Junges Wohnen“. Um den Bedarf zu decken, reicht das bei Weitem nicht. Die Länder dürfen das Geld sogar für andere Sozialwohnungen ausgeben. Wie viel so woanders landet, legt die Regierung nicht offen. Bei Azubis kommt kaum etwas an: Für die Beratungsstelle zum Azubi-Wohnen stehen 300.000 Euro im Haushalt, einen Plan gibt es nicht. Und das Programm „Passgenaue Besetzung und Willkommenslotsen“ will die Regierung auslaufen lassen. Dabei bringt es Betriebe und Jugendliche zusammen und hilft gerade jungen Menschen mit Migrationsgeschichte, eine Lehrstelle zu finden.
Unsere Anträge dafür liegen im Bundestag. Wir wollen, dass du deinen ersten eigenen Wohnungsschlüssel bekommst, wenn du ihn brauchst. Dafür braucht es eine Regierung, die mitzieht.
Weiterführende Informationen und parlamentarische Initiativen
Antrag: Endlich raus aus dem Elternhaus – Junge Menschen auf dem Wohnungsmarkt unterstützen Unsere Wohnheim-Offensive, faire Regeln für Untermiete und möblierte Zimmer, die Starthilfe für Azubis und ein BAföG, das zur Miete in deiner Stadt passt. Alles in einem Antrag.
Antrag: Von der Werkhalle bis zur Pflegestation – Die berufliche Bildung als Rückgrat unserer Gesellschaft stärken Wie wir Ausbildung besser machen: mit mehr Geld im ersten und zweiten Lehrjahr, modernen Berufsschulen und Hilfe, wenn es dir psychisch nicht gut geht. Zum Antrag.
Antrag: Studium und Lehre für die Zukunft weiterentwickeln Unsere Ideen für ein Studium, das flexibler wird. Mit einem BAföG, das weniger vom Einkommen deiner Eltern abhängt und auch Teilzeit abdeckt. Zum Antrag.
Fraktionsvorstandsbeschluss: Guter Start ins Erwachsenenleben Unser Grundlagenpapier vom Januar 2026 zu Bezahlbarkeit und Perspektiven für junge Menschen. PDF
Einfach erklärt: Zukunftsinvestition Bildung – BAföG und Hochschulen stärken! Warum ein gutes BAföG über deine Chancen mitentscheidet. Zum Text
Einfach erklärt: Bezahlbares Wohnen – Faire Mieten statt ständiger Preisexplosion Wie wir Mieten für alle bezahlbar machen wollen, nicht nur für junge Menschen. Zum Text
Einfach erklärt: Für einen Mindestlohn, der zum Leben reicht Warum wir 15 Euro Mindestlohn fordern. Zum Text
Woher unsere Fakten kommen
Moses Mendelssohn Institut und WG-Gesucht.de: Wohnkosten zum Wintersemester 2026/27 Die WG-Preise im Text: der Schnitt von 510 Euro, die Werte für Berlin, München und Chemnitz und der Abstand zur BAföG-Wohnpauschale. Zur Auswertung
Statistisches Bundesamt: Wohnkosten von Studierenden Wie viel ihres Einkommens Studierende mit eigenem Haushalt fürs Wohnen ausgeben und wie viele von ihnen überlastet sind. Zur Pressemitteilung
Bundesinstitut für Berufsbildung: Mindestausbildungsvergütung 2026 Die 724 Euro, die Azubis im ersten Lehrjahr mindestens bekommen. Zur Pressemitteilung
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Wohnheimplätze in Deutschland Wie viele Wohnheimplätze es für Studierende und für Azubis gibt. Zur Studie
Deutsches Studierendenwerk: Zahlen zu den Wohnheimen Was ein Zimmer in den Wohnheimen der Studierendenwerke im Schnitt kostet. Zum Zahlenspiegel (PDF)
IHK Berlin: Umfragen zum Ausbildungsstart Wie oft Azubis ihre Stelle nicht antreten, weil sie keine Unterkunft finden. Zur Pressemitteilung
Bundesregierung: Fragen und Antworten zum Deutschlandticket Was das Ticket heute kostet und wie sich der Preis entwickelt hat. Zu den Antworten
Kulturstaatsminister: KulturPass Wann und warum der Kulturpass eingestellt wurde. Zur Seite