Europäische Antworten auf den zweiten China-Schock
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Europäische Antworten auf den zweiten China-Schock: Zeit zu handeln
Ein gigantisches Handelsbilanzdefizit, der drohende Verlust von Industriearbeitsplätzen und eine aggressive, staatlich subventionierte Exportstrategie aus Peking erhöhen den europäischen Handlungsdruck massiv. Aus diesen Gründen haben die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und die grüne Europagruppe im Europäischen Parlament im Zuge einer gemeinsamen Konferenz zum zweiten China-Schock im Europäischen Haus in Berlin den Zukunftsmut und die wehrhafte europäische Wirtschaft ins Zentrum gestellt.
Mit Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik haben wir den zweiten China-Schock schonungslos analysiert und konkrete europäische Lösungen diskutiert. Im Mittelpunkt der ausgebuchten Konferenz, die auch von vielen Menschen im Livestream verfolgt wurde, stand die Frage: Wie schaffen wir eine starke, sichere und nachhaltige europäische Wirtschaft, die sich in einer fragmentierten Welt behaupten kann?
Weckruf für Europa: Kein „Sleepwalking 2.0“
Den strategischen Rahmen setzten unsere grünen Bundes- und Europaabgeordneten gleich zu Beginn: Dass die europäische Wirtschaft gerade schwächelt, liegt vor allem an Chinas unfairen Wettbewerb, welcher Europa unter Druck setzt. Wir erleben einen geoökonomischen Paradigmenwechsel während Chinas massive Überkapazitäten in Kernbranchen wie dem Maschinenbau, der Automobilindustrie und bei Klimatechnologien den globalen Markt fluten. Die klare Erwartungshaltung an die amtierende Bundesregierung: Deutschland muss weniger über China reden, sondern endlich auf europäischer Ebene geschlossen handeln.
Im Zuge mehrerer Beiträge sowie zweier Panels wurde deutlich, dass die aktuell angespannte wirtschaftliche Lage keine Überraschung, sondern Teil der chinesischen Fünfjahrespläne ist. Jens Eskelund, Präsident der EU-Handelskammer in China, nannte die europäische Reaktion ein „Sleepwalking 2.0“. Er und weitere Panellist*innen warnten vor der gigantischen, oft ignorierten Unterbewertung des Renminbis (Yuan), der wie eine pauschale Exportsubvention wirkt und europäische Unternehmen in einen existenziellen Preiskampf zwingt.
Deutlich wurde außerdem: Die chinesische Strategie zielt auf die absolute Dominanz der Wertschöpfungsketten und die Abhängigkeit des Westens ab, was auch ein großes sicherheitspolitisches Problem ist. Hunderttausende Industriearbeitsplätze stehen auf dem Spiel, ebenso wie unsere Unabhängigkeit. Deshalb, so fanden Panelist*innen, müssten makroökonomische Verzerrungen zwingend in europäische Anti-Dumping-Verfahren eingepreist werden. Konsens auf der Bühne war jedoch auch, dass Europa nicht wehrlos ist, wenn es seine eigenen Stärken ausspielt. Nachhaltigkeit ist dabei kein Standortnachteil, sondern ein globales Geschäftsmodell.
"Eine zukunftsfeste europäische Wirtschaft baut auf fairen Spielregeln auf. Wir dürfen nicht zulassen, dass chinesische Überkapazitäten unseren industriellen Kern aushöhlen. Unsere beste Antwort darauf ist ein starker, geschlossener Binnenmarkt, der sich seiner geoökonomischen Macht bewusst wird."
Sandra Detzer, Sprecherin für Wirtschaftspolitik
Ein zukunftsfestes europäisches Modell
Drei Leitlinien prägten die Konferenz und zeigen auf, was jetzt zu tun ist:
- Konsequenter Handelsschutz und Fairness – Wir müssen Instrumente wie das Anti-Coercion-Instrument anwenden, über Ausgleichszölle nachdenken, Währungsverzerrungen einpreisen und unsere Handelsschutzmaßnahmen drastisch beschleunigen.
- Offensive Industriepolitik und Vollendung des Binnenmarktes – Wir brauchen skalierbare Märkte für Erneuerbare Energien und Dienstleistungen in Europa und Freiräume für Innovationen, damit unsere Unternehmen wieder an die Spitze kommen.
- Neue strategische Allianzen – Wir müssen Win-Win-Partnerschaften und echten Technologietransfer mit Drittstaaten wie bspw. Indonesien aufbauen, um uns gemeinsam aus kritischen Abhängigkeiten zu lösen.
Die Botschaft des Tages wurde passend im Schlusswort von Reinhard Bütikofer zusammengefasst: Die Zeit der Naivität ist vorbei. Aufschwung und Resilienz entstehen jetzt durch den unbedingten politischen Willen, klare Kante zu zeigen und Europas technologische Souveränität mutig umzusetzen.
HIER GEHT ES ZUR AUFZEICHNUNG DES LIVESTREAMS
Veranstalter:
Die Konferenz war eine Kooperationsveranstaltung der grünen Bundestagsfraktion und der Europagruppe Grüne im Europäischen Parlament.
Kontakt zur Bundestagsfraktion:
FB 1-Koordinationsbüro (Wirtschaft und Soziales)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 51121
fachbereich1@gruene-bundestag.de
Programm
Anmeldung
Begrüßung
Anna Cavazzini MdEP
Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz
Fraktion der Grünen / Freie Europäische Allianz
Dr. Sandra Detzer MdB
Sprecherin für Wirtschaftspolitik
Bündnis90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Begrüßung und politische Einführung
Katharina Dröge MdB
Fraktionsvorsitzende
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Keynote
Jens Eskelund
Präsident
Europäische Handelskammer in China
Panel "Den zweiten China-Schock verstehen und bewältigen" und Q&A
Ignacio Garcia Bercero
Senior Fellow, Bruegel
ehem. EU Generaldirektion für Handel und wirtschaftliche Sicherheit
Franziska Brantner MdB
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
und Bundesvorsitzende Partei Bündnis 90/Die Grünen
Ralph Obermauer
Leiter Stabsstelle Mobilität und Fahrzeugbau beim Vorstand
IG Metall
Jens Eskelund
Präsident
EU-Handelskammer in China
Jacob Gunter
Programmleiter
MERICS
Moderation: Anna Cavazzini MdEP
Pause
Interview zu aktuellen Handels- und Wettbewerbsfragen
Julia Fiedler
Table.Briefings
mit
Oliver Richtberg
Leiter Außenwirtschaft
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)
Powertalk
Dr. Mareike Ohlberg
Senior Fellow, Indo-Pacific Program
German Marshall Fund
Interview zu aktuellen Zoll- und Währungsfragen
Julia Fiedler
mit
Jürgen Matthes
Institut der Deutschen Wirtschaft (IW Köln)
Pause
Panel "Starke, sichere, nachhaltige Wirtschaft als zukunftsfestes Model" und Q&A
Oliver Richtberg
Jürgen Matthes
Febi Adrian
Handelsattaché
Botschaft der Republik Indonesien in Berlin
Barbara Gessler
Leiterin der Deutschen Vertretung
EU-Kommission
Dr. Ulrich Stoll
Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender
FESTO SE
Moderation: Dr. Sandra Detzer MdB
Schlusswort
Reinhard Bütikofer
Senior Fellow
Center for European Policy Analysis (CEPA)
Networking-Lunch