Global engagiert: Freiwilligendienste stärken
Veranstaltungsdetails
Über die Veranstaltung
Im Namen der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen luden Claudia Roth, Sprecherin für Entwicklungspolitik und Nyke Slawik, Sprecherin für Queerpolitik, zum Fachgespräch „Global engagiert: Freiwilligendienste stärken“ ein. Gemeinsam mit Fachexpert*innen, Trägerorganisationen, ehemaligen Freiwilligen und Vertreter*innen aus der Zivilgesellschaft diskutierten die zahlreichen Teilnehmer*innen vor Ort und in Zoom über die Auswirkungen der aktuellen Kürzungen bei weltwärts, dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD und kulturweit und was die Politik jetzt tun muss.
In ihrer Begrüßung machte Claudia Roth deutlich, was internationale Freiwilligendienste auszeichnet: die hohe Motivation, die persönliche Begegnung mit Menschen in anderen Lebenswirklichkeiten und Kulturen, die pädagogisch begleitet werden und gesellschaftlich nachhaltig wirken.
Dies wird auch durch die weltwärts-Langzeitstudie unterstrichen: 93% der Ehemaligen berichten von gesteigerter Weltoffenheit, 60% engagieren sich weiterhin ehrenamtlich. Dennoch strich das Auswärtige Amt das Programm kulturweit (5 Mio. €) vollständig, weltwärts wurde 2026 um 2,6 Mio. € gekürzt und für 2027 sind weitere 3,1 Mio. € Einsparungen geplant. Der IJFD-Fördersatz stagniert seit 2011 bei 350 Euro monatlich – und deckt heute weniger als ein Viertel der realen Kosten.
Sabine Klingert vom Berliner Missionswerk schilderte, wie Trägerorganisationen Finanzierungslücken mit fünfstelligen Eigenbeträgen auffangen und wie Inklusions-Fortschritte durch die Kürzungen gefährdet werden. Auch Johannes Zerger (ijgd) verwies auf den Hebeleffekt der Kürzungen: Bei 5–6 % weniger Fördermitteln verringern sich die tatsächlichen Entsendungen um 11–12 %. Lunyamadzo Ngwembele, Direktor des ELCT Lutheran Junior Seminary in Morogoro, Tansania war per Video zugeschaltet und ist selbst ehemaliger weltwärts-Freiwilliger in Deutschland. Er brachte die Perspektive der Partnerorganisationen ein: „Es hat 15 Jahre gebraucht, diese Partnerschaften aufzubauen. Kurzfristige Absagen brechen das Vertrauen.“ Edmérçio Quiteria Ricardo, weltwärts-Alumni und ehemaliges Mitglied des Programmsteuerungsausschusses, betonte die Bedeutung guter Betreuung und Sprachunterstützung und dass viele junge Menschen die Programme schlicht nicht kennen.
Die anschließende offene Diskussion zeigte: Die Kürzungen haben Folgen weit über Zahlen hinaus. Partnerorganisationen verschwinden, die Trägerlandschaft schrumpft. Mehrere Stimmen aus dem Publikum verknüpften den Rückgang dieser Angebote mit dem Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen bei jungen Wähler*innen. Man war sich einig, dass eine Instrumentalisierung der Freiwilligendienste für die Wehrpflicht-Debatte den Charakter dieser Programme untergrabe. Es gibt gute Gründe gibt, sie als eigenständiges Instrument gesellschaftlicher Teilhabe zu stärken.
- Veranstalter
FB 4-Koordinationsbüro (Internationale Politik und Menschenrechte)
Platz der Republik 1, 11011 Berlin
TEL 030/227 58943
fachbereich4@gruene-bundestag.de
Programm
Begrüßung und politische Einführung
Claudia Roth MdB
Sprecherin für Entwicklungspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Nyke Slawik MdB
Berichterstatterin für Freiwilligendienste
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion
Panel: Engagement ohne Grenzen – internationale Freiwilligendienste stärken und weiterentwickeln
Johannes Zerger
Geschäftsführer ijgd Berlin/Brandenburg
Sabine Klingert
Referentin für Freiwilligendienste
Berliner Missionswerk
Lunyamadzo Ngwembele
Lutheran Junior Seminary, Tansania
Edmérçio Quiteria Ricardo
weltwärts-Alumni
Moderation: Nyke Slawik MdB
Publikumsdiskussion und interaktiver Austausch
Politischer Ausblick
Claudia Roth MdB
Networking mit Catering
Ende der Veranstaltung