Innovation in Europa: Vom Wissen zur Wertschöpfung

Hybrides Fachgespräch

Veranstaltungsdetails

13:15 - 14:45 Uhr
Deutscher Bundestag, Paul-Löbe-Haus, (Eingang West) 4.400
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Über die Veranstaltung

Innovation in Europa: Vom Wissen zur Wertschöpfung
Hybrides Fachgespräch

Über die Veranstaltung

Im Namen der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen luden Dr. Sandra Detzer, Sprecherin für Wirtschaftspolitik, und Ayse Asar, Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, zum Fachgespräch „Innovation in Europa: Vom Wissen zur Wertschöpfung" der Projektgruppe „Neues Europäisches Wirtschaftsmodell" ein. Gemeinsam mit Fachexpert*innen aus Wissenschaft und Industrie diskutierten die zahlreichen Teilnehmer*innen vor Ort und im Zoom-Raum, welche Zukunftstechnologien für Deutschland und Europa jetzt entscheidend sind – und warum der Transfer von der Grundlagenforschung in die wirtschaftliche Praxis in Europa oft hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Grundlage des Austauschs war eine aktuelle, auf der Veranstaltung exklusiv vorgestellte Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages zu Definition, strategischer Bedeutung und Förderarchitektur von Zukunftstechnologien. Diese macht deutlich: Begriffe wie „Zukunftstechnologie", „Schlüsseltechnologie" oder „Deep Tech" werden in Wissenschaft und Politik höchst uneinheitlich verwendet. Eine belastbare Priorisierung entsteht deshalb nicht durch eine einzelne, dauerhaft gültige Technologieliste, sondern durch die transparente Verknüpfung quantitativer Daten – etwa zu Patenten, Publikationen oder Investitionen – mit qualitativem Expertenwissen.

In ihrer Begrüßung betonte Sandra Detzer, dass die wirtschaftliche und technologische Zukunftsfähigkeit Europas angesichts geopolitischer Umbrüche zur zentralen Standortfrage geworden sei:

„Forschungsstärke allein reicht nicht – sie muss zu wirtschaftlicher Handlungsfähigkeit werden. Wer heute bei Zukunftstechnologien ins Hintertreffen gerät, verliert morgen die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen. Europa hat die Innovationskraft dafür – wir müssen sie nur entschlossen nutzen."

Ayse Asar ordnete das Thema in ihrer politischen Einführung ein: 

„Es geht darum, mit gezielter Kapitalmobilisierung und europäischer Kooperation Innovationslücken zu schließen und strategische Souveränität bei Zukunftstechnologien zu sichern.“

Prof. Dr. Irene Bertschek, Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) und Leiterin des Forschungsbereichs Digitale Ökonomie am ZEW Mannheim, stellte die Handlungsempfehlungen zur Hightech Agenda Deutschland vor, die sich auf sechs Schlüsseltechnologien konzentriert und dafür bis 2029 rund 18 Milliarden Euro vorsieht. Anhand von Publikations- und Patentdaten zeigte sie, dass Deutschland und Europa bei klimaneutraler Mobilität gut positioniert sind, in der Biotechnologie hingegen zurückfallen und bei Künstlicher Intelligenz deutlich hinter den USA und China liegen – etwa bei den verfügbaren Rechenkapazitäten. Ihr Fazit: Die Fokussierung auf Schlüsseltechnologien sollte beibehalten werden, zugleich brauche es Fortschritte bei neun zentralen Hebeln, von schnellerem Transfer zwischen Forschung und Anwendung über den Abbau von Bürokratie bis zu mehr Wagnis- und Wachstumskapital. Für den Bereich KI plädierte sie zusätzlich für eine europäisch gedachte Politik, den Ausbau einer europäischen KI-Infrastruktur und bessere Rahmenbedingungen für Start-ups, etwa durch ein „28. Regime" beziehungsweise eine „EU Inc." als europaweit einheitliche Unternehmensrechtsform.

Dr. Eric Maiser, Geschäftsführer von VDMA Forschung und Innovation und Leiter des Competence Center Future Business, beschrieb den Maschinen- und Anlagenbau als Brücke zwischen Deep-Tech-Entwicklung und industrieller Anwendung. Mit rund drei Millionen Beschäftigten und 870 Milliarden Euro Umsatz in der EU-27 sei die Branche größter industrieller Arbeitgeber Europas – und zugleich „Enabler“ und Anwender neuer Technologien. Eine aktuelle VDMA-Umfrage unter Mitgliedsunternehmen zeige jedoch, dass 86 Prozent eine bedrohliche Abhängigkeit bei Künstlicher Intelligenz von außereuropäischen Staaten sehen; rund die Hälfte der Unternehmen habe bereits in Deep-Tech investiert oder plane dies. Mit Blick auf humanoide Roboter und „physische KI" warb Maiser für entschlossene Investitionen und eine kluge Regulierung, damit Europa die entstehenden Märkte aktiv mitgestalten kann.

 

  • Veranstalter:
    FB 1-Koordinationsbüro (Wirtschaft und Soziales)
    Platz der Republik 1, 11011 Berlin
    TEL 030/227 51121
    fachbereich1@gruene-bundestag.de

Programm

Begrüßung

Dr. Sandra Detzer MdB 
Sprecherin für Wirtschaftspolitik
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

13:20 Uhr

Politische Einführung

Ayse Asar MdB 
Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion

13:30 Uhr

Impulse für eine ambitionierte und mutige F&I-Politik: Deutschland und Europa auf Zukunftstechnologien ausrichten

Prof. Dr. Irene Bertschek
Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)
Leiterin des Forschungsbereichs Digitale Ökonomie am ZEW Mannheim
Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen

13:40 Uhr

Zukunftstechnologien und deren Bedeutung für den Industriestandort Deutschland und Europa

Dr. Eric Maiser
Geschäftsführer 
VDMA Forschung und Innovation
Leiter Competence Center Future Business
VDMA e.V.

14:00 Uhr

Diskussion mit dem Publikum

Moderation Dr. Sandra Detzer MdB

14:20 Uhr

Wrap-Up

Ayse Asar MdB

14:40 Uhr

Ende der Veranstaltung

14:45 Uhr

Mit dabei aus der Fraktion

Dr. Sandra Detzer
 

Sprecherin für Wirtschaftspolitik

Ayse Asar
 

Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt